Fußball-WM 2010

Nach "extremem Druck" der Fifa Mandela besucht WM-Finale

Kurz vor dem Endspiel der 19. Fußball-WM begeistert Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela die Fans in Johannesburg. Trotz großer gesundheitlicher Bedenken zeigt sich der 91-Jährige kurz in der Soccer City. Die Fifa soll zuvor mit massivem Druck nachgeholfen haben.

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Nelson Mandela winkt dem Finalpublikum in der Soccer City.

(Foto: AP)

Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela hat aus südafrikanischer Sicht schon vor dem Finale der Fußball-WM zwischen den Niederlanden und Spanien für den Höhepunkt gesorgt. Nach der offiziellen Schlussfeier und vor dem Anpfiff des Finals ließ sich der erste schwarze Präsident Südafrikas in einem Golfwagen über den Platz chauffieren. Der 91-Jährige, der eine Pelzmütze und Handschuhe trug, winkte freundlich ins Publikum, die Zuschauer feierten ihn mit "Madiba, Madiba"-Sprechchören. Madiba ist der Name seines Clans und sein Spitzname in Südafrika.

"Er hat den Wunsch geäußert, ins Stadion zu kommen, die Fans zu grüßen und dann wieder nach Hause zu gehen", hatte sein Enkel Mandla Mandela zuvor erklärt. In den Tagen vor dem Finale sei vonseiten des Fußball-Weltverbandes Fifa allerdings "extremer Druck" auf seinen Großvater ausgeübt worden, damit dieser zum WM-Endspiel erscheint. Dies sagte Mandla Mandela dem BBC-Radio. Nelson Mandela vollendet am 18. Juli sein 92. Lebensjahr.

Der Enkelsohn beschwerte sich auch, dass die Fifa und Präsident Joseph S. Blatter seinen Großvater schon im Zusammenhang mit dem Erscheinen zum Eröffnungsspiel unter Druck gesetzt hätten. Aufgrund des tödlichen Autounfalls seiner Ur-Enkelin Zenani Mandela am Vortag des Auftaktmatches zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko hatte Nelson Mandela aber auf ein Erscheinen verzichtet.

Fifa ignoriert Trauerphase

"Die Familie hat sich von vielen Aktivitäten zurückgezogen. Wir haben den Verlust von Zenani betrauert", sagte Mandla Mandela, "so kamen wir unter extremen Druck seitens der Fifa, die uns aufforderte, dass mein Großvater beim Finale erscheint. Doch diese Entscheidung liegt ganz allein bei ihm, wie er aufwacht, wie er sich fühlt, was die Mediziner sagen, aber auch seine Familie." Südafrikas Politik-Ikone Nelson Mandela hatte sich in den letzten Jahren immer mehr zurückgezogen.

Laut des Enkels müsse man die Familien-Traditionen und Riten verstehen und respektieren: "Wir hatten einen Verlust zu verkraften und befinden uns immer noch in Trauer." 1995 hatte der damals gerade zum südafrikanischen Präsidenten gewählte Mandela die Siegtrophäe der Rugby-WM an den südafrikanischen Kapitän Francois Pienaar überreicht, nachdem die "Springboks" im Finale die "All Blacks" aus Neuseeland bezwungen hatten.

Quelle: ntv.de, sid