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DFB-Spieler in der Einzelkritik Einmal nicht auf Mama hören

Es wäre besser gewesen, nicht Podolski, sondern Schweinsteiger hätte gegen Serbien den Elfmeter geschossen. Oder der Lukas hätte einmal nicht auf seine Mama gehört.

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Schlecht waren sie nicht: Philipp Lahm, Manuel Neuer, Arne Friedrich und Per Mertesacker. Nur hat es gegen Serbien nicht gereicht.

(Foto: REUTERS)

Co-Trainer Hansi Flick hatte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor der Partie gegen Serbien ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben. Sie sollten sich im kalten südafrikanischen Winter doch bitteschön warm anziehen und nach dem Duschen föhnen: "Die Tipps der Mama sollten sich die Spieler immer wieder ins Gedächtnis rufen." Offensichtlich hat die Mutter von Lukas Podolski ihrem Sohn gesagt, dass er keine Geschenke von fremden Männern annehmen soll. So aber verloren die Deutschen mit 0:1 gegen Serbien.

Manuel Neuer: Das Wichtigste zuerst: Beim Tor des Serben Milan Jovanovic war Manuel Neuer ohne Chance. Der 24 Jahre alte Schalker wurde in seinem siebten Länderspiel kaum geprüft – und eben doch bezwungen. War definitiv warm genug angezogen, dortmundgelb statt grasgrün wie gegen Australien.

Philipp Lahm: Der Kapitän verteidigte in seinem 67. Länderspiel wieder auf der rechten Seite, und das gut. War viel nach vorne unterwegs, Frisur tadellos, und spielte in der 54. Minute einen tollen Steilpass auf Schweinsteiger. Mit seinem 1,70 Metern vor dem Gegentor gegen die 2,02 Meter des Serben Nikola Zigic machtlos. Sind halt 32 Zentimeter. Aber da gab es ja noch den Kollegen Mertesacker. Sehr untypisch: Kassierte nach einer Grätsche eine Gelbe Karte. Ansonsten: bester deutscher Spieler.

Per Mertesacker: Tja, der Innenverteidiger, 198 Zentimeter groß, verlor in seinem 64. Spiel für Deutschland vor dem Tor des Spiels das entscheidende Kopfballduell gegen Nikola Zigic. Was vier Zentimeter ausmachen können. Wirkte auch ansonsten nicht immer souverän – und offenbarte Schwächen in der Spieleröffnung.

Arne Friedrich: Mertesackers Innenverteidigerkollege kam in seinem 74. Länderspiel beim Treffer des Serben Milan Jovanovic zu spät, oder besser, er war in der 38. Minute nicht dort, wo er hätte sein sollen – beim Torschützen. War sonst aber meist zur Stelle und dann auch Zweikampfsieger, solide halt. Rannte in der zweiten Halbzeit gelegentlich nach vorne, was aber wenig einbrachte.

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Schoss nicht, als er es lieber hätte tun sollen: Bastian Schweinsteiger.

(Foto: dpa)

Holger Badstuber: Der 21-Jährige vom FC Bayern verteidigte wie beim Sieg gegen Australien auf der linken Seite, damit Kapitän Lahm auf der rechten Seite spielen konnte. Hatte wesentlich mehr Probleme als im Auftaktspiel, wohl auch, weil da Milos Krasic von ZSKA Moskau nicht mitgespielt hat, der ihn vor dem Tor der Serben einfach überrannte. Sein vierter Einsatz für das DFB-Team zeigte, dass er keine Ideallösung auf der linken Abwehrseite ist. Aber Philipp Lahm spielt ja lieber rechts.

Sami Khedira: Übernahm in seinem siebten Länderspiel wie beim Auftakt gegen Australien den offensiveren Part in der Doppelsechs mit dem Kollegen Schweinsteiger. Hatte sehr viel Pech, als er den Ball in der Nachspielzeit der ersten Hälfte an die Unterkante der Latte schoss. War in Unterzahl dann aber eher als Abräumer gefragt. Zeigte, dass er gut mit Schweinsteiger harmoniert.

Bastian Schweinsteiger: Länderspiel Nummer 76. Übernahm wie gegen Australien den defensiveren Part in der Doppelsechs mit dem Kollegen Khedira. Sieht sich deshalb zu Unrecht der Kritik ausgesetzt, er setze zu wenige Akzente im Spielaufbau, zumal er nach der Pause einen stärkeren Drang nach vorne offenbarte. Vergab in der 54. Minute eine gute Möglichkeit zum Ausgleich. Hatte seine schlechteste Szene nach einer Stunde, als nicht er nicht den Elfmeter schoss. Da müssen sie unter der Dusche noch einmal drüber reden.

Thomas Müller: Muss das mit dem Flanken noch mal üben, war aber auch erst sein viertes Länderspiel. Allerdings kann niemand ihm vorwerfen, dass er es nicht versucht hätte. Nur hat das gegen Serbien nicht gereicht. Musste nach 70 Minuten für Marin weichen.

Mesut Özil: Nach seiner zwölften Partie für die deutsche Mannschaft muss er sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, seine Kreativität nur gegen schwächere Gegner ausspielen zu können. Eigentlich bisher nur zweimal: Beim 2:0-Testspielsieg gegen Südafrika am 5. September 2009. Und eben beim WM-Auftaktsieg gegen Australien. Ihm misslangen im zweiten Spiel gleich zu Beginn einige Ballannahmen und Kurzpässe. Steigerte sich nach der Pause erheblich. Nur war das gegen Serbien zu wenig. Bundestrainer Joachim Löw nahm ihn aus taktischen Gründen nach 70 Minuten raus und brachte Cacau, um es mit der Brechstange zu versuchen.

Lukas Podolski: Er hat sich stets bemüht, begann stark, ließ aber in seinem 75. Länderspiel (Jubiläum!) auf der linken Seite im Mittelfeld auch stark nach. Und dann war da noch die Sache mit dem Handelfmeter – ein Geschenk des Serben Nemanja Vidic, der wie ein Volleyballer durch den Strafraum segelte und den Ball so gerade noch mit der Hand erwischte. Podolski, und nicht Schweinsteiger, trat an – und schoss so schwach, dass der dritte Torwart des Weltklubs Wigan Athletic, Vladimir Stojkovic, den Ball hielt. Fazit: Viele Chancen, kein Tor.

Miroslav Klose: Das war nicht clever. Nach 37 Minuten und seiner zweiten Gelben Karte war für Miroslav Klose in seinem 99. Länderspiel (Schnapszahl) Schluss. Zu heiß gebadet? Das wohl nicht. Aber der Verlierer des Spiels, auch wenn man über beide Verwarnungen diskutieren kann. Sagte hinterher: "Fußball ist immer noch ein Kampfspiel."

Cacau: Kam nach 70 Minuten für Mesut Özil und versuchte zwar alles aber vergeblich, doch noch für den Ausgleich zu sorgen. Gegen Ghana wird er es von Anfang an versuchen dürfen. Es wäre sein elftes Länderspiel.

Marko Marin: Kam nach 70 Minuten für Thomas Müller zu seinem elften Länderspiel, setzte aber auf dem linken Flügel keine Akzente mehr.

Mario Gomez: Ersetzte in der 77. Minute Holger Badstuber, konnte die Niederlage aber auch nicht mehr abwenden. Kann sich die Dusche sparen.

Quelle: ntv.de