Meldungen

Sicherheitslücken bei der WM Ungebetener Gast stürmt Kabine

2010-06-19T100521Z_01_WCC278_RTRMDNP_3_SOCCER-WORLD.JPG703051424325841155.jpg

Englands Nationalspieler bekamen nach dem Spiel gegen Algerein ungebetenen Besuch in der Kabine.

(Foto: REUTERS)

Die Fußball-WM ist sicher. Die Polizei hat alles im Griff. Das behaupten Südafrikas Organisatoren. Ein englischer Fan hat mit seinem unerlaubten Besuch in der Umkleidekabine aber Lücken aufgedeckt.

2010-06-18T204401Z_01_CLH47_RTRMDNP_3_SOCCER-WORLD.JPG1526227390443846503.jpg

Diesem englischen Fan (der nichts mit dem Vorfall zu tun hatte) steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

(Foto: REUTERS)

Ein enttäuschter England-Fan hat die schlechten Sicherheitsvorkehrungen bei der Fußball-WM entlarvt und die südafrikanischen Organisatoren in große Erklärungsnot gebracht. Offenbar problemlos drang der Anhänger der "Three Lions" am Freitagabend nach dem 0:0 seines Team gegen Algerien bis in die Umkleidekabine des englischen Teams im Kapstadter Green Point Stadium vor und beschimpfte dort die Spieler und Trainer Fabio Capello. Die größtmögliche Panne löste bei Fifa und WM-OK sofort Alarm aus. Das gerade neukonzipierte Sicherheitssystem mit der Polizei als ultimativem Ordnungshüter auch in den Stadien muss überdacht werden.

"Es ist für uns absolut inakzeptabel, dass ein Zuschauer in die Teamkabine vordringen kann. Das darf nicht passieren", sagte Fifa- Mediendirektor Nicolas Maingot in Johannesburg. Fifa, WM- OK und südafrikanische Polizei würden den Fall untersuchen und alle Vorkehrungen nochmals überprüfen. Der englische Fußball-Verband FA legte beim Weltverband offiziell Beschwerde ein.

Auch Harry und William waren da

Stadion-Manager Purshoth Chetty schob der Fifa den Schwarzen Peter zu. "Ich bin sicher, die Fifa wird die Verantwortung übernehmen", sagte er der BBC. "Unsere Sicherheitsvorkehrungen decken alle Aspekte ab. Wir glauben nicht, dass wir unsere üblichen Regelungen ändern müssen. Es war nicht der Fehler unserer Sicherheitsleute, sie machen überall einen Super-Job", fügte Chetty hinzu.

South_Africa_Soccer_WCup_England_Algeria_WCUP375.jpg1637859335099034025.jpg

Auch den Prinzen-Brüdern Harry und William war die Langeweile anzusehen.

(Foto: AP)

Zusätzliche Brisanz erhielt der Zwischenfall, weil nur wenige Minuten vor der unliebsamen Fan-Visite die Prinzen William und Harry der englischen Mannschaft einen Besuch abgestattet hatten. "Das Spiel war in der üblichen Sicherheitskategorie eingestuft, wie das Spiel der Engländer gegen die USA in Rustenburg", sagte OK-Sprecher Jermaine Craig. Die Top-Vorkehrungen reichten allerdings nicht aus, um die peinliche und gefährliche Panne zu verhindern.

Beckham beruhigt Eindringling

Der frustrierte Fan war in einem England-Trikot dem Team direkt nach dem Schlusspfiff des zweiten Gruppenspiels in die Kabine gefolgt. Craig bedauerte im Namen der WM-Organisatoren den Zwischenfall, betonte aber: "Es hat zu keiner Zeit eine physische Bedrohung bestanden." Das englische Massenblatt "The Sun" schrieb am Samstag in seiner Online-Ausgabe allerdings, dass die erschrockenen Spieler "entnervt" auf den Überraschungsbesuch reagiert hätten.

Der Mann konnte erst vom verletzten England-Kapitän David Beckham beruhigt werden, der von dem Anhänger gezielt verbal attackiert worden sein soll. Der Fan wurde von der Polizei schnell aus dem Sicherheitsbereich geführt, trotz seines Vordringens in den Hochsicherheitsbereich aber nicht festgenommen. Die Polizei sei dabei, "die Aufnahmen der Sicherheitskameras auszuwerten", sagte Craig.

"Die Polizei ist zuständig"

Der Vorfall kommt für das WM-OK zur Unzeit. Seit Tagen versuchen die Turnierorganisatoren den Eindruck zu erwecken, dass das afrikanische Premieren-Turnier ohne Sicherheitsrisiken abläuft. Die durch den Streik des privaten Sicherheitspersonals notwendig gewordene Übernahme der Ordner-Aufgaben durch die Polizei funktioniert aber offenkundig doch nicht reibungslos.

Alle Fragen zum Wechsel beim Sicherheitspersonal werden vom WM-OK abgeblockt. Nur die Polizei sei zuständig, leiert OK-Pressechef Rich Mkhondo immer wieder einen Standardsatz herunter. Die Mammut- Operation, mitten im Turnier das komplette Sicherheitspersonal in fünf der zehn WM-Stadien auszutauschen, wirft aber viele Fragen auf. So sollen auch weitgehend unerfahrene Polizeischüler praktisch über Nacht zu WM-Ordnungshütern geworden sein. Dem England-Fan gelang es offenbar problemlos, durch alle Sicherheitsnetze zu schlüpfen.

Quelle: ntv.de, dpa