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Prokop reduziert EM-Kader Gibt's das spektakuläre Bitter-Comeback?

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Joachim Bitter hätte sich eine Nominierung aufgrund seiner Leistungen absolut verdient.

(Foto: imago images/masterpress)

Knapp drei Wochen vor Beginn der Handball-Europmeisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich muss Bundestrainer Christian Prokop schwere Personal-Entscheidungen treffen. Vor allem auf der Torwart-Position ist eine Härtefall-Entscheidung bereits jetzt garantiert.

Das Handy von Handball-Bundestrainer Christian Prokop war in den vergangenen Tagen im Dauerbetrieb. Vor der Reduzierung des DHB-Kaders von 28 auf maximal 18 Spieler am Freitag, mit der sein Personal-Puzzle knapp drei Wochen vor dem Start in die Europameisterschaft konkrete Formen annimmt, gab es für den 40-Jährigen viel Gesprächsbedarf. "Diese unangenehmeren Telefonate müssen sein, weil ich es einfach als Wertschätzung empfinde, dass die Spieler das nicht aus den Medien oder per E-Mail erfahren", sagte Prokop. "Und natürlich versuche ich, auch alle Spieler zu erreichen, denen man eine positive Botschaft überbringen kann."

Die spannendsten Fragen lauten: Gibt es im Tor ein spektakuläres Comeback von Weltmeister Johannes Bitter? Wer darf auf der Königsposition im linken Rückraum ran? Wie sieht die Besetzung auf Rechtsaußen aus? Und wie begegnet der Bundestrainer nach dem kurzfristigen Ausfall von Fabian Wiede den massiven Problemen auf der Spielmacher-Position? Man muss kein Prophet sein, um Härtefälle vorherzusagen. "Wir haben einen breiten, sehr ausgeglichenen Kader, daher wird es die eine oder andere enge Entscheidung geben", kündigte Prokop an. Umso wichtiger sei es, dass die Ausgemusterten "diese Botschaft persönlich erhalten - auch wenn es nicht der Zeitpunkt ist, um ausführlich über Gründe zu sprechen".

"Ziel ist, ein funktionierendes Gespann zu haben"

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Andreas Wolff muss sich keine Sorgen um seinen Platz im EM-Kader machen.

(Foto: imago images/Camera 4)

Vor allem der Kampf um die Nummer zwei im deutschen Tor hinter dem gesetzten Andreas Wolff birgt Brisanz. Neben dem 37 Jahre alten Bitter, der 2007 mit Deutschland Weltmeister wurde und 2014 sein bisher letztes von insgesamt 144 Länderspielen bestritt, stehen Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) und Dario Quenstedt (THW Kiel) im erweiterten Kader.  Das Problem für beide: Anders als Bitter beim TVB Stuttgart sind Heinevetter, der mit Wolff seit Olympia 2016 bei allen Turnieren das Torhüter-Gespann bildete, als auch Quenstedt im Verein nicht die Nummer eins. "Grundsätzlich bin ich unglaublich froh, dass ich eine starke Auswahl aus vier Torhütern habe", sagte Prokop. "Das Ziel ist es natürlich, ein funktionierendes und stark haltendes Torwart-Gespann für die EM auf die Beine zu stellen."

Bitter hat sich dafür nachdrücklich empfohlen. Mit 172 Paraden weist er momentan den Topwert aller Bundesliga-Keeper auf. Seine Rivalen liegen in dieser Statistik weit zurück. "Jogi Bitter zählt zu den vier stärksten Torhütern und verfügt zudem über einen enormen Erfahrungsschatz und eine sehr positive Aura", sagte Prokop über den Familienvater. Bitter gab sich vor der Nominierung gelassen: "Ich lasse mich überraschen. Ich trainiere weiter, und dann schauen wir mal, was passiert."

Ein enges Rennen dürfte es auch auf Rechtsaußen zwischen Patrick Groetzki, Tobias Reichmann und Timo Kastening sowie im linken Rückraum geben. Auf dieser Position machen sich gleich fünf Spieler Hoffnungen auf ein EM-Ticket. Denkbar ist, dass Prokop wie schon vor der EM 2018 zunächst auf Abwehrspezialist Finn Lemke verzichtet. "Es zählt in der Hauptsache natürlich die sportliche Leistung, aber ich muss auch emotionale und soziale Dinge bewerten", sagte Prokop. "Am Ende steht der Erfolg der Mannschaft über allem und die Lust, als Team das Maximale zu erreichen." Und da hat der Bundestrainer ein gutes Gefühl - egal, wer am Ende dabei ist.

Quelle: ntv.de, Eric Dobias, dpa