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Heftige Packung gegen FrankreichPortugal wird nach Wut-Anfall gegen DHB-Team historisch verdroschen

24.01.2026, 16:55 Uhr
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Ein schlimmer Tag für Topstar Francisco Costa und seine Portugiesen. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Die portugiesische Mannschaft geht noch mit berechtigten Hoffnungen aufs EM-Halbfinale in das Duell mit Frankreich. Doch dann wird alles ganz schrecklich.

Nach der knappen 30:32-Niederlage im ersten Hauptrundenspiel gegen Deutschland hatten die Portugiesen noch gewütet, nun warfen sich die "Helden der Meere" ohne Gegenwehr sofort auf den Boden: Gegen Europameister Frankreich legte Portugal defensiv die schlechteste Halbzeit der EM-Geschichte hin: 28 Tore durften die Franzosen werfen, in der Regel weitestgehend ungestört. So viele Gegentreffer wie der WM-Vierte vom vergangenen Jahr hatte zuvor im Rahmen einer EM noch nie ein Team in der ersten Halbzeit kassiert. Am Ende heißt es 46:38 für Frankreich - ein weiterer Rekord.

Obwohl die Portugiesen wieder auf ihren gegen Deutschland gesperrten Abwehrchef Viktor Iturriza bauen konnten, durften die Franzosen vor den Augen von gut 10.000 fassungslosen, später belustigten Zuschauern in Herning locker fortsetzen. Als der bemitleidenswerte portugiesische Torwart Gustavo Capdeville in der 41. Minute mal eine Hand an den Ball bekam, gab es aufmunternden Applaus von den Rängen der Jyske Bank Boxen.

Capdeville kam im gesamten Spiel auf fünf gehaltene Bälle - und eine desaströse Quote von nur knapp 16 Prozent. Schlimmer erwischte es Stellvertreter Pedro Tonicher: Der kassierte 16 Treffer - und wehrte nur einen einzigen französischen Torwurf ab.

Beide werfen gemeinsamen Rekord heraus

Die Franzosen hatten erst in der vergangenen Woche einen EM-Torrekord aufgestellt: So viele Treffer wie die Franzosen bei ihrem 46:26-Sieg in der Vorrunde über die Ukraine warfen, schaffte zuvor noch keine Nation. Nun stellten sie ihre Bestleistung gegen ein Topteam ein. Einen weiteren frischen Rekord brachen beide Teams gemeinsam: Die 84 Tore sind drei mehr als die 81 aus dem bisherigen Rekordspiel (Sloweniens 41:40 gegen Montenegro, ebenfalls bei dieser EM). Der Stolz der Portugiesen über ihre Beteiligung am Rekord dürfte allerdings übersichtlich ausfallen.

Portugal, das in der Vorrunde noch sensationell den für unschlagbar gehaltenen Dänen eine schockierende Niederlage (31:29) beigebracht hatte, hatte vor dem Spiel selbst noch berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Halbfinale. Diese wurden von den Franzosen nachdrücklich zerstört. Ihren 40. Treffer erzielten sie schon in der 46. Minute. Immerhin durften die Portugiesen dann beim wilden Scheibenschießen in der zweiten Hälfte wieder ein bisschen mitmischen, gewannen den Durchgang sogar mit 23:18. So kamen gleich mehrere Spieler noch auf jeweils fünf Treffer.

"In der ersten Halbzeit haben wir unser Tempo im Spiel nicht gefunden; in der zweiten Halbzeit hat Frankreich sein Tempo gedrosselt, und wir konnten uns etwas erholen", versuchte sich Portugals Kreisläufer Luis Frade vom FC Barcelona an einer Erklärung für das Debakel. "Hoffentlich sind heute alle negativen Aspekte zum Vorschein gekommen, damit wir in den nächsten Spielen unseren Rhythmus finden können." Für Portugal ist nach der Packung nur noch der Einzug ins Spiel um Platz 5 möglich. Bester Torschütze des Spiels war Frankreichs Topstar Dika Mem mit acht Toren aus acht Versuchen.

Ärger nach dem Deutschland-Spiel

Nach der Niederlage gegen Deutschland hatten die Portugiesen und insbesondere Trainer Paulo Pereira für unschöne Szenen gesorgt: Nach der Schlusssirene bestürmte er die schwedischen Unparteiischen derart heftig, dass er sich hinterher dafür entschuldigen musste. Der Hallensprecher musste mehrfach ansetzen, um den "Player Of The Match" verkünden zu können. Die Portugiesen brauchten derweil lange, bis sie sich wieder eingekriegt hatten, sogar Deutschlands Torwart Andreas Wolff muss eingreifen, um wütende Spieler zu befrieden. Deutschland hatte Sekunden vor dem Abpfiff ein irreguläres Tor erzielt, wie der Kontinentalverband EHF später einräumte.

Eine nachträgliche Intervention der Schiedsrichter, wie sie die wütenden Portugiesen so heftig einforderten, geben die Regeln allerdings nicht her - und sie hätte auch am Ausgang des Spiels nicht geändert. Im Interview forderte Pereira später noch eine Sperre für den deutschen Kapitän Johannes Golla nach dessen Roter Karte, die jedoch nicht ausgeprochen wurde. Schon während des Spiels hatten verschiedene Portugal-Profis mehrfach einen Videobeweis wegen vermeintlich schwerer zu bestrafende Zweikämpfe gegen deutsche Spieler gefordert. Bundestrainer Alfred Gislason dagegen ärgerte sich über Portugals Angreifer: "Der schmeißt sich hin und schreit", beschwerte sich der Isländer über eine Szene, in der Kreisläufer Julius Fischer nach einem vermeintlichen Foul eine Zwei-Minuten-Sperre kassiert hatte.

Für das deutsche Team könnte es am kommenden Mittwoch (18 Uhr/ZDF und im Liveticker auf ntv.de) am letzten Spieltag der Hauptrunde gegen Frankreich zum "Endspiel" um den Einzug ins Halbfinale kommen.

Quelle: ntv.de, ter

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