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"Ich stehe zu meinen Zielen" Harting peitscht sich mit Gold-Ansage auf

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Christoph Harting will noch einmal Olympia-Gold einheimsen - und damit auch seinen Bruder Robert übertrumpfen.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Das WM-Jahr 2017 wird für Diskus-Olympiasieger Christoph Harting zu einer einzigen Enttäuschung. Doch er schwitzt bereits für Heim-EM 2018 in Berlin - obwohl die nur eine Zwischenstation ist. Denn der streitbare Modellathlet plant viel Größeres.

Für Christoph Harting ist der Fall klar und der Coup gewiss: Nach dem Sensations-Gold in Rio de Janeiro wird der Diskus-Riese 2020 in Tokio zum zweiten Mal Olympiasieger - und steht damit sogar über seinem sechs Jahre älteren Bruder Robert. "Darauf könnt ihr mich festnageln! Ich stehe zu meinen Zielen", sagt der 27 Jahre alte Berliner beim Training im Sportforum der Hauptstadt.

Sein Fahrplan steht: "EM 2018, Olympia-Gold 2020. Ansonsten halte ich mich dezent zurück." Christoph Harting wird wohl wieder keine Interviews geben. Im nächsten Jahr darf sein Bruder Robert, der Olympiasieger von 2012, noch einmal im Mittelpunkt stehen. "2018 ist Roberts Abschiedsjahr: Da kann er die Öffentlichkeit und ihre Aufmerksamkeit in vollen Zügen genießen", sagt Christoph Harting.

"Er nimmt den Sport nicht ernst"

Und die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2019 in Katar? Eine WM-Medaille hat der rotblonde Modellathlet vom SCC Berlin schließlich noch nicht. "Darüber habe ich eine klare Meinung." Vielleicht fährt er ja gar nicht nach Doha, denn eine Wüsten-WM im Oktober 2019 würde die Vorbereitung auf Olympia in Tokio extrem stören.

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Zwei Brüder, die sich nicht leiden können - die Hartings.

(Foto: imago/Sven Simon)

Die 70 Meter hat er drauf, sagt er, den Weltrekord (74,08 Meter) im Visier - und die 80 Meter bleiben sein großes Ziel. Eine Vision als Motivation! "Ich möchte dort ankommen, wo ich mir vorgenommen habe hinzukommen", meint Christoph Harting. "Wenn ich darüber hinauskomme, super. Wenn ich es nicht bis dahin schaffe...?" Er zuckt mit den Achseln.

Das Krafttraining geht weiter. "Mein Hauptberuf ist der Sport. Punkt. Mein Nebenberuf, wenn man so möchte, ist das Psychologiestudium. Der zweite Punkt ist die Selbstverwirklichung", erzählt der 2,07 Meter große Leichtathlet. "Und das bezieht alle Berufsfelder mit ein." Trainer Torsten Lönnfors macht sich über seinen Schützling keine Illusionen. "Christoph macht den Sport, weil er ihn kann. Er nimmt Sport nicht ernst", sagt er und erklärt: "Es gibt für ihn Wichtigeres als den Sport."

"Mein Bekanntheitsgrad ist gestiegen"

Robert, der dreimalige Weltmeister, hat sich vor gut einem Jahr unter seinem neuen Trainer Marko Badura noch einmal für eine WM qualifiziert. Und ist mit 32 Jahren Sechster geworden. Christoph hat nicht einmal die Norm geschafft, bei den deutschen Meisterschaften 2017 hat er gegen den großen Bruder verloren. Beifall gab's für Robert, Beileid für Christoph nicht. Mit seiner oft als arrogant empfundenen Art, seinem Zynismus und Sarkasmus hat er schon viele vor den Kopf gestoßen - wohl unvergessen bleibt Hartings "Hampelmann" bei der Siegerehrung in Rio de Janeiro. Mit Olympia-Gold um den Hals schunkelte und dirigierte der Bundespolizist bei der deutschen Hymne - es hagelte Kritik. Harting warb danach um Verständnis, nach gut einem Jahr sagt er: "Mein Bekanntheitsgrad ist gestiegen. Welche Olympiasieger von 2016 fallen Ihnen denn heute noch ein? Hambüchen. Christoph Harting. Und?"

An seinen Triumph in Rio am 13. August 2016, im letzten Versuch und mit persönlicher Bestleistung von 68,37 Metern - da hat nur er selbst dran geglaubt. Christoph Harting - ein One-Hit-Wonder? "Der Gedanke ist schon da - aber er spielt keine Rolle!", versichert er. "Rein philosophisch kann alles passieren." Sogar Gold 2020 in Tokio.

Quelle: n-tv.de, Ralf Jarkowski, dpa

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