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Tote Arbeiter und Korruption IOC-Chef Bach redet Tokio-Spiele schön

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Das neue Nationalstadion von Tokio soll angeblich bis November fertig werden.

(Foto: imago images / AFLOSPORT)

In einem Jahr werden die Olympischen Spiele in Tokio eröffnet. Doch wie so oft, wenn das IOC beteiligt ist, gibt es heftige Kritik: an den explodierenden Kosten und an den Arbeitsbedingungen. Auch Korruption soll wieder einmal im Spiel sein - doch Präsident Thomas Bach will sich die Laune nicht verderben lassen.

Die Korruptionsvorwürfe hängen wie Gewitterwolken über den Olympischen Sommerspielen 2020. Die Kosten sind längst explodiert, und nun geraten auch die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen in die Kritik. Ein Jahr vor dem Beginn kämpfen die Organisatoren um das Image der Spiele in Tokio. IOC-Präsident Thomas Bach will sich seine Vorfreude jedoch nicht verderben lassen. Die sei "groß und ziemlich ungetrübt", sagte Bach dem ZDF, "weil der Ticketverkauf von der Begeisterung der Japaner für diese Spiele zeugt".

Tatsächlich war der erste Teil der Karten-Lotterie eine der wenigen positiven Nachrichten aus Tokio. 3,2 der 7,8 Millionen Tickets sind verkauft. Da sich auch genügend Volunteers gemeldet haben, sagt Bach: "Die Athleten können sich darauf freuen, in Tokio mit offenen Armen empfangen zu werden." Spätestens bis zur Eröffnungsfeier am 24. Juli 2020 würden sie "hervorragende Sportstätten" vorfinden. Zweifel hat Bach nicht: "Ich kann mich an keine andere Gastgeberstadt erinnern, die ein Jahr vor den Spielen bei der Vorbereitung schon so weit war." 90 Prozent aller Bauten sind angeblich fertig - doch zu welchem Preis?

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(Foto: imago images / Kyodo News)

Im Mai veröffentlichte die globale Baugewerkschaft BHI den Bericht "Die dunkle Seite der Sommerspiele 2020 in Tokio", in dem sie von "alarmierenden" Zuständen und einem "Klima der Angst" auf den Baustellen sprach. Zwei Todesfälle habe es bereits gegeben und keine ausreichenden Antworten auf die drängenden Fragen. Kein Ruhmesblatt für die Organisatoren und das Internationale Olympische Komitee mit seinem Strippenzieher Bach, auch nicht die Korruptionsvorwürfe gegen das frühere IOC-Mitglied Tsunekazu Takeda, bis Juni Präsident des Olympischen Komitees Japans. Gegen den 71-Jährigen wird wegen Bestechung ermittelt. Zwei Millionen Dollar sollen während und nach der Bewerbung an eine Beratungsfirma in Singapur geflossen sein, die kontrolliert wurde von Papa Massata Diack, der mit seinem Vater Lamine Diack in Frankreich wegen Korruption und Geldwäsche vor Gericht steht. Die Diacks sollen für den Kauf afrikanischer Stimmen gesorgt haben, mit denen sich Tokio 2013 gegen Istanbul und Madrid durchsetzte.

Kosten überschreiten 20 Milliarden Dollar

Bach sagt dazu: "Es gibt kein System der Welt, das immun macht gegen Korruption oder Regelverstöße." Seine Agenda 2020, so betont er stets, beinhalte passende Maßnahmen für eine bessere Zukunft. Leider greift sie nicht bis zu den Spielen im kommenden Sommer, den zweiten in der Millionenmetropole nach 1964. Und so explodieren auch in Tokio die Kosten wie zuletzt bei den viel kritisierten Protzspielen in Sotschi und Pyeongchang und auch 2016 in Rio de Janeiro. Einst hatten die Veranstalter mit 6,6 Milliarden Dollar kalkuliert, nun liegen die Schätzungen bei mehr als 20 Milliarden Dollar. Dabei wurde sogar gespart: Das Olympiastadion kostet "nur" noch 1,2 statt drei Milliarden Dollar.

Ein Teil des Budgets wird an anderen Stellen gebraucht, vor allem eine Hitzewelle im Hochsommer wie im vergangenen Jahr befürchten die Japaner. Bei Temperaturen um 40 Grad steigen die Risiken für Athleten und Zuschauer, helfen sollen Nebelsprays, kühlende Schals, Ventilatoren - und auch Blumen, mit denen die Zäune verschönert werden. "Psychologische Maßnahmen" nennen dies die Organisatoren. Die Vorbereitungen laufen, es gibt noch viel zu tun in Tokio.

Quelle: n-tv.de, Cai-Simon Preuten, sid

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