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Ex-NFL-Star Kuhn zum Super Bowl "Ich würde nicht gegen Brady wetten"

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Markus Kuhn ist seit vielen Jahren Teil der NFL.

(Foto: imago/Icon SMI)

Früher spielte Markus Kuhn selber in der NFL und war Mannschaftskamerad von Tom Brady. Heute arbeitet er im Office der New York Giants und betreibt den Football-Podcast "The Vollmer and Kuhn Show." Im Interview spricht der frühere Defensive Tackle über den Super Bowl zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Kansas City Chiefs, über seine Erinnerungen an Tom Brady und über den Weg in die NFL.

ntv.de: Herr Kuhn, was für einen Super Bowl dürfen wir erwarten?

Markus Kuhn: Das wird ein richtig gutes Spiel. Die beiden Mannschaften kennen sich relativ gut, weil sie bereits in der regulären Saison aufeinandertrafen. Damals hatten die Kansas City Chiefs leicht die Oberhand. Aber ich bin mir sicher: Tom Brady, der Quarterback der Tampa Bay Buccaneers, freut sich auf die Revanche.

ntv.de: Viele Experten schätzen die Kansas City Chiefs stärker ein…

Auf dem Papier ist Kansas City etwas stärker besetzt. Deren Quarterback Patrick Mahomes ist der Wahnsinn. Aber ich würde nicht gegen Tom Brady wetten. Die Buccaneers hatten in der regulären Saison auch zwei Mal gegen die New Orleans Saints verloren. Als es aber drauf ankam, also in den Playoffs, setzten sich die Buccaneers durch. Daher glaube ich, dass es für Kansas City sehr schwer wird, Tom Brady im Super Bowl zu besiegen. Er steht nun bereits zum zehnten Mal im Super Bowl, ist ein Veteran und hat erneut eine unglaubliche Saison abgeliefert.

ntv.de: Tom Brady ist bereits 43 Jahre alt, Patrick Mahomes erst 25 Jahre. Inwiefern unterscheiden sich die beiden?

Mahomes ist jünger und viel mobiler. Er bekommt von seinem Head Coach Andy Reid verrücktere Spielzüge auf sich zugeschnitten. Brady hingegen ist ein alter Hase. Keine Defense kann ihn überraschen, weil er praktisch schon alles gesehen hat. Er ist nicht mehr sonderlich mobil. Aber wenn es darauf ankommt, bringt er die verrücktesten Bälle an seine Mitspieler.

ntv.de: Sie gehörten zum Ende Ihrer aktiven Karriere einige Monate den New England Patriots an und waren somit ein Teamkollege von Tom Brady. Wie haben Sie ihn damals erlebt?

Mich hat beeindruckt, wie er sich verhalten hat. Noch bevor ich meinen Vertrag bei den Patriots unterschrieben hatte, wusste er, wer ich bin, kam offen auf mich zu und sagte: "Hey Markus, freut mich, dass du jetzt bei uns bist." Genauso verhält er sich allen Teamkollegen gegenüber. Er ist ein richtig guter Teamplayer. Mit fällt noch eine kleine Anekdote zu ihm ein…

ntv.de: Gerne…

Ich erinnere mich an einen Trainingstag, an dem Brady nicht so gut drauf war. Er hatte ein oder zwei Interceptions geworden. Daraufhin sagte der damalige Defensive Coordinator Matt Patricia zu uns Verteidigern: "Hey Jungs, jetzt müsst ihr besonders gut aufpassen." Wenn Brady auch nur einen schlechten Trainingstag hatte, war er nämlich so ehrgeizig, dass er total aufdreht und plötzlich jeden Ball an den Mann bringt. So ist er offenbar heute noch. Dieser Ehrgeiz macht ihn so einzigartig.

ntv.de: Sie waren früher ein Defensive Tackle, kennen sich also besonders gut mit dem Verteidigen aus. Welche Mannschaft hat die bessere Defense?

Ich glaube, dass Kansas City hier die besseren Playmaker hat. Allerdings verfügt auch Tampa Bay über eine gute Defense. Insgesamt ist das ein Spiel, in dem beide Mannschaften auf vielen Positionen ähnlich stark besetzt sind.

ntv.de: Die Head Coaches sind Andy Reid von den Chiefs und Bruce Arians von den Buccaneers. Wer dürfte den besseren Gameplan haben?

Andy Reid hat ein bisschen mehr Erfahrung, da er bereits in der letzten Saison mit Kansas City den Super Bowl gewonnen hat. Er und Mahomes sind sehr gut aufeinander eingespielt. Bruce Arians wurde von Tom Brady nun erstmals überhaupt in den Super Bowl gebracht. Ich glaube, Arians hat seinen Spielstil an die Stärken von Brady angepasst, setzt viel auf Laufspiel und kurze Pässe und streut ab und zu einen tiefen Pass ein. Daher ist es schwierig, einen Trainer vor den anderen einzuordnen.

ntv.de: Normalerweise ist der Super Bowl ein riesiges Spektakel und wird von unzähligen Partys begleitet. Nun dürfen wegen Corona lediglich 22.000 Fans im Stadion sein. Die üblichen Super-Bowl-Partys fallen flach. Ist die Vorfreude trotzdem so groß wie in den vergangenen Jahren?

Es ist natürlich ein anderes Gefühl. Es fehlt das ganze Drumherum. Normalerweise gibt es in der Woche vor dem Super Bowl immer viele Medienevents mit den aktiven und auch ehemaligen Spielern. Jetzt ist alles anders. Aber das war die gesamte Saison bereits so. Es verdient Respekt, dass die NFL es überhaupt hinbekommen hat, eine komplette Saison zu spielen.

ntv.de: Wir hatten in dieser Saison mit Jakob Johnson von den New England Patriots, Mark Nzeocha von den San Francisco 49ers und Equanimeous St. Brown von den Green Bay Packers drei deutsche Profis in der NFL. Wie sehen Sie den deutschen Football aufgestellt?

Ich hoffe, dass noch mehr Deutsche in die NFL gelangen. Die NFL hat vor einigen Jahren das International Pathway Program ins Leben gerufen, um Athleten aus dem Ausland für die NFL auszubilden. Der beste Weg für deutsche Talente besteht aber noch immer darin, früh in die USA zu gehen, dort für eine Universität Football zu spielen und sich für die NFL zu empfehlen.

ntv.de: So wie Sie es damals gemacht haben…

Genau. Der Hype, den die NFL in Deutschland ausgelöst hat, ist natürlich eine große Hilfe und dürfte mehr Jugendliche für unseren Sport begeistern. Früher lief Football in Deutschland im Fernsehen nur auf Nischensendern. Nun wurden die Playoff-Spiele auf ProSieben übertragen. Das ist bemerkenswert. Ich bin sicher, dass sich dadurch noch mehr Jugendliche für den Sport begeistern und vielleicht mit Football anfangen. Aber man muss realistisch sein: Die Chance, dass man wirklich den Sprung in die NFL schafft, ist sehr gering.

ntv.de: Sie arbeiten heute auf der Geschäftsstelle der New York Giants, für die Sie früher selbst gespielt haben, und sind unter anderem für das Scouting zuständig. Die Giants haben nun zum vierten Mal in Folge die Playoffs verpasst, spielten mit sechs Siegen aber die beste Saison in dieser Zeit. Was dürfen wir zukünftig von Ihrem Team erwarten?

Wir haben in Joe Judge einen jungen Trainer, der seine erste Saison als Head Coach hinter sich gebracht hat. Wir haben auch ein insgesamt sehr junges Team. Kämpferisch sind wir allerdings sehr gut eingestellt. Die Mannschaft ist mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet, hat aber weitergekämpft und bis zum letzten Spieltag um die Playoffs gespielt. Daher glaube ich, dass unsere Zukunft unter Trainer Judge sehr gut aussehen wird.

Mit Markus Kuhn sprach Oliver Jensen

Quelle: ntv.de

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