Sport

Faustball-WM der Männer In diesem Ballsport ist Deutschland noch top

Faustball ist eine laufintensive Sportart - das Feld ist groß, der Ball schnell. Da muss man sich manchmal lang machen, um noch an den Ball zu kommen.

Faustball ist eine laufintensive Sportart - das Feld ist groß, der Ball schnell. Da muss man sich manchmal lang machen, um noch an den Ball zu kommen.

(Foto: DFBL/DenDulk)

In der Schweiz läuft seit dem vergangenen Sonntag die Faustball-Weltmeisterschaft der Männer. 16 Teams spielen in Winterthur um den Faustball-Thron, an diesem Samstag steigt das große Finale. Die deutsche Mannschaft ist der Top-Favorit, Titelverteidiger und Rekordweltmeister. Trotzdem ist der Sport hierzulande kaum bekannt. Wie kann das sein?

Was ist Faustball überhaupt?

Die Sportart erinnert auf den ersten Blick ein wenig an Volleyball. Zwei Mannschaften schlagen sich den Ball über eine Leine zu und versuchen so, den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Es gibt aber viele Unterschiede. Gespielt wird auf Rasen auf einem 20 mal 50 Meter großen Feld, dass damit etwas größer ist als ein Handball- und deutlich größer als das Volleyballfeld. Daher darf der Ball auch zwischen jeder Berührung einmal den Boden berühren. Außerdem ist ein Faustball bei gleicher Größe schwerer als ein Volleyball und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h.

*Datenschutz

Pro Mannschaft stehen fünf Spieler auf dem Feld. Zwei Angreifer in der vorderen Hälfte, zwei Verteidiger dahinter. In der Mitte steht ein weiterer Spieler, der sowohl in der Ballannahme als auch als Zusteller in Erscheinung tritt. Ähnlich dem Volleyball muss der Ball spätestens nach drei Berührungen über die Leine gespielt werden. Bei der WM wird gespielt, bis ein Team drei Sätze gewonnen hat. Ein Satz wird mit elf Punkten bei zwei Punkten Vorsprung gewonnen.

Wer sind die Favoriten und Stars dieser WM?

Top-Favorit ist Deutschland. Der Serienweltmeister blieb bisher ungeschlagen und steigerte sich von Spiel zu Spiel. Zudem hat er die wohl besten Spieler in seinen Reihen. Da wäre zum einen Patrick Thomas, der als der beste Angreifer der Welt gilt. Im Viertelfinale gegen Brasilien bewies er das eindrücklich mit einem komplett fehlerfreien Auftritt.

Stars der deutschen Mannschaft: Kapitän Fabian Sagstätter (rechts) und Angreifer Patrick Thomas

Stars der deutschen Mannschaft: Kapitän Fabian Sagstätter (rechts) und Angreifer Patrick Thomas

(Foto: DFBL/DenDulk)

Auch der Kapitän und Mittelspieler Fabien Sagstätter gilt als der weltbeste Spieler auf seiner Position. Fun Fact: Ab der kommenden Saison wird er auch in der Volleyball-Bundesliga spielen. Der bayrische Aufsteiger VC Eltmann verpflichtete ihn als Libero.

Mitfavorit ist Brasilien, die zweit erfolgreichste Faustballnation der Geschichte. Zwei Mal wurden die Seleção bereits Weltmeister. Dank des etwas ungewöhnlichen Turniermodus, einer "Double Elemenation", hat auch sie sich trotz der Viertelfinal-Niederlage gegen Deutschland für die Halbfinals qualifiziert. In ihrem Kader - dem jüngsten des Turniers - sind der Angreifer Jayme Andrioli und der talentierte Gabriel Heck hervorzuheben. Andrioli gelangen bei der Niederlage gegen Deutschland sieben Asse in Folge. Auch die Halbfinalist Österreich mit Kapitän Jean Andrioli und Gastgeber Schweiz um Angreifer Raphael Schlattinger rechnen sich Chancen auf eine Medaille aus. Starke Auftritte zeigten auch die Teams aus Chile und Italien.

Warum ist Deutschland so dominant?

Deutschlands Linkshänder Lukas Schubert während eines Angriffs.

Deutschlands Linkshänder Lukas Schubert während eines Angriffs.

(Foto: DFBL/DenDulk)

Die Geschichte des Faustballs reicht bis in die römische Kaiserzeit zurück und schon Goethe lernte ihn als "Sport der Nobelmänner" auf seiner Italienreise im 18. Jahrhundert kennen. Zum Wettkampfspiel entwickelte er sich aber erst in den deutschen Turnvereinen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Folgen davon sind auch heute noch zu sehen. Nicht nur, dass Deutschland elf der bisher 14 WM-Turniere gewann. Auch ansonsten sind vor allem die deutschsprachigen Nationen Schweiz und Österreich erfolgreich. Hinzu kommt Brasilien, wo der Sport von deutschen Auswanderern bekannt gemacht wurde. Auch das Namibia als ehemalige deutsche Kolonie den afrikanischen Kontinent bei dieser WM repräsentiert, ist kein Zufall.

Anfang des Jahrtausends schien es, als ließe sich diese Hegemonialstellung brechen. Damals plagten Nachwuchssorgen den Verband, und Deutschland konnte drei WM-Turniere hintereinander nicht gewinnen. Doch nachdem man einen eigenen Verband gegründet hatte und die Nachwuchsarbeit unabhängig vom Deutschen Turner-Bund neu organisierte, gelang die Trendwende. Seit 2011 ist die deutsche Nationalmannschaft zurück an der Weltspitze. Und es betreiben wieder 30.000 Menschen hierzulande diesen traditionsreichen Sport. Die Dominanz zeigt sich übrigens nicht nur bei den Männern: Auch das Frauenteam sowie die Teams der Männer-U18 und Frauen-U18 sind Rekordweltmeister.

Wie verlief das Turnier bisher?

*Datenschutz

Die Stimmung im schweizerischen Winterthur ist für eine Randsportart wie Faustball großartig. Über 4000 Zuschauer begleiten die Spiele lautstark im umfunktionierten Fußballstadion auf der Schützenwiese. Es gab Hakka-Tänze der neuseeländischen Mannschaft. Und auch ohne isländische Teilnehmer schallt das "Hu" durch das Stadion. Sportlich gab es bisher wenige Überraschungen. Die Favoriten siegten souverän und stehen wie erwartet im Halbfinale. Die deutsche Mannschaft startete zwar mäßig, ließ aber zuletzt keinerlei Zweifel mehr an ihren Ambitionen. Aber auch die schwächeren Teams sorgten für Stimmung, zum Beispiel die Japaner. Sie verloren fast jedes Spiel, versprühten dabei aber so viel gute Laune, dass das Publikum sie im Anschluss wie Gewinner feierte. Zudem gilt Faustball als eine sehr familiäre und faire Sportart. Die Spieler kennen und schätzen sich, was man auf wie neben dem Platz merkt. Die nächste WM findet übrigens in Mannheim statt - allerdings erst 2023.

Wo kann ich die Spiele verfolgen?

Patrick Thomas kämpft um die Annahme eines Balls.

Patrick Thomas kämpft um die Annahme eines Balls.

(Foto: DFBL/DenDulk)

Es gibt mit faustball.tv eine eigene Webseite mit kostenfreien und moderierten Livestreams aller Spiele. Kommentiert wird auf Englisch und auch für Neulinge verständlich. Das erste Halbfinale zwischen Deutschland und der Schweiz läuft am Freitagabend um 18.30 Uhr. Um 20:30 Uhr spielt dann Österreich gegen Brasilien um den Finaleinzug. Das Finale gibt es am Samstag ab 18 Uhr zu sehen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema