Uscins in der falschen HälfteIrreguläres Tor lässt Portugiesen nach Deutschland-Sieg wüten

Deutscher Jubel, portugiesische Wut: Die Emotionen kochen nach dem Hauptrundenspiel der beiden Teams hoch. Vor allem das letzte Tor erzürnt die Südeuropäer. Berechtigterweise. Das gibt auch der Europäische Handballverband zu.
Die Portugiesen wollten sich nach dem Spiel gegen Deutschland bei der Handball-Europameisterschaft gar nicht beruhigen. Knapp hatten sie am Donnerstag verloren, 30:32. Ein umkämpftes Spiel, an dessen Ende sie ohne Punkte dastehen. Ein unfaires Ergebnis - aus Sicht von Trainer Paulo Pereira und seinem Team.
Das bringen sie lautstark zum Ausdruck, reden wütend auf die Schiedsrichter ein. Ihr Hauptgrund für den Ärger: das letzte Tor der Deutschen. "Mindestens ein Spieler ist auf der anderen Seite, als er pfeift. Das ist ein Fehler. Er muss das Spiel unterbrechen und neu starten. Sie erzielen ein irreguläres Tor", so Pereira beim dänischen TV2.
Und er hat recht. Martim Costa hatte das 30:31 geworfen, Deutschland damit Sekunden vor Schluss Anwurf. Justus Fischer sucht einen Mitspieler, findet Renars Uscins, der zum Endstand verwandelt. Allerdings standen er und Miro Schluroff schon vor dem Wiederanpfiff in der portugiesischen Hälfte. Laut Regelbuch verboten. Das Tor hätte also nicht zählen dürfen.
Das gibt mit etwas Verspätung auch der Europäische Handballverband (EHF) zu. "In Minute 59:55 führte der deutsche Spieler Nr. 54 nach einem Tor der portugiesischen Mannschaft den Abwurf aus. Zwei deutsche Spieler (Nr. 5 und Nr. 23) hatten vor dem Pfiff des Schiedsrichters die Mittellinie überquert, woraufhin Spieler Nr. 23 den Ball erhielt und ein Tor erzielte", heißt es in einem Statement.
Hätte ein Tor viel verändert? Vielleicht
Was wäre also die richtige Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns gewesen? "Eine Wiederholung des Abwurfs wäre zwar das korrekte Vorgehen gewesen, hätte jedoch nichts an der Ballbesitzmannschaft geändert." Die EHF betont, dass ein Videobeweis in dieser Situation nicht anwendbar war, "da sie nicht unter die Bestimmungen der VR-Vorschrift Nr. 9 ("Spielverändernde Situationen") fällt, die 7-Meter-Würfe, Strafen oder Entscheidungen umfasst, die zu einem Ballbesitzwechsel führen können."
Was allerdings auch relevant ist: Zum Zeitpunkt des Wiederanpfiffs steht mindestens ein portugiesischer Spieler im Kreis. Ebenfalls irregulär, laut Regeln dürfen sich die Gegenspieler beim Anwurf nicht ebenfalls im Kreis aufhalten. Dieser ist aus Gründen der Sichtbarkeit deutlich farbig markiert.
Mit nochmaligem Anwurf hätte sich wohl nichts mehr am Spielausgang geändert. Doch durch das zusätzliche Gegentor verschlechtert sich das portugiesische Torverhältnis. In der "Todesgruppe" mit Weltmeister Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, Spanien, Norwegen und eben Deutschland könnte dies am Ende womöglich einen Unterschied machen.
Kurios: Vor fast genau einem Jahr gab es in der Begegnung ebenfalls Diskussionen - andersrum. Damals schied das DHB-Team im Viertelfinale der WM gegen Portugal aus. In der Verlängerung siegten die Südeuropäer nach dem 31:30-Treffer von Costa. Doch das Tor hätte eigentlich nicht gelten dürfen - Experten zufolge hatte Costa fünf Schritte gemacht - ohne den Ball zu prellen oder abzuspielen sind aber nur drei erlaubt. Die Schiedsrichter hatten das nicht gesehen.