Olympia futsch, jetzt vorn dabeiKarl Geiger findet bei Skisprung-WM sein Lachen zurück

Nach seinem Olympia-Aus zeigt Lokalmatador Karl Geiger bei der Skisprung-WM eine neue Leichtigkeit. Die Top Ten verpasst er nur knapp. An der Spitze gibt es eine Flug-Show.
Karl Geiger strahlte über das ganze Gesicht, klatschte mit seinem alten Kumpel Markus Eisenbichler ab und genoss endlich wieder die Sonnenseite des Skispringens - wenngleich ihn am Ende der Wind etwas ärgerte. "Es wird mit jedem Sprung freier und leichter", sagte der zuletzt entnervte Ex-Weltmeister nach seinem starken elften Platz zur Halbzeit der Flug-WM in seiner Heimat Oberstdorf.
Auch wenn Geiger wie die weiteren Deutschen bei der großen Flugshow des überlegen führenden Domen Prevc keine realistische Medaillenchancen besitzt, zeigte er doch seine mit Abstand beste Saisonleistung - und entschädigte sich etwas für die verpasste Olympia-Qualifikation. "Es macht wieder Spaß, den Karl springen zu sehen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher in der ARD.
Der 32 Jahre alte Geiger, 2020 in Planica bislang letzter deutscher Skiflug-Weltmeister, segelte von der mächtigen Heini-Klopfer-Schanze im ersten Durchgang auf 217,5 Meter und lag auf Platz sieben. In Durchgang zwei hatte er die zweitschlechtesten Windbedingungen, mit 197,0 m ging es ein Stück nach hinten.
Geiger: "Ein Super-Wettkampf"
"Schade", sagte Geiger: "Aber mit Platz elf ist es ein Super-Wettkampf". Und für den gab es ein Lob vom zurückgetretenen deutschen Rekordhalter Eisenbichler (248,0), der seinem früheren Zimmerkollegen Geiger einen Besuch abstattete. Ein Top-10-Platz in den beiden abschließenden Durchgängen am Samstag (16.15 Uhr/ARD und Eurosport) ist für Geiger drin - und wäre nach völlig verkorkster erster Saisonhälfte ein Riesenerfolg.
Tourneesieger Prevc (442,2 Punkte/204,0+224,5 Meter), der zweimal mit deutlich verkürztem Anlauf sprang, setzte sich trotz eines technischen Fehlers im ersten Durchgang an die Spitze. Zweiter ist der Japaner Ren Nikaido (428,2/230,5+224,5). Marius Lindvik aus Norwegen (420,3/226,5+212,0) liegt auf Platz drei - nach Durchgang eins hatte der Weltmeister von 2022 noch geführt.
Wenig lief bei den weiteren, anders als Geiger für Olympia nominierten DSV-Adlern zusammen. Philipp Raimund (201,5+208,0) zeigte immerhin einen starken zweiten Durchgang und liegt auf Rang 14. Der Tourneesechste Felix Hoffmann (196,0+188,0) kam nicht über Platz 28 hinaus und rangiert noch hinter Pius Paschke (25./202,5+194,5). "Das war irgendwie ernüchternd heute", sagte der Saison-Aufsteiger. Andreas Wellinger, 2024 in Bad Mitterndorf Vizeweltmeister, hatte in der teaminternen Ausscheidung das Nachsehen gehabt.
Domen Prevc will Bruder toppen
Domen Prevc befindet sich auf bestem Weg, die Traumsaison 2015/16 seines großen Bruders Peter zu toppen. Auch dieser hatte damals nach der Vierschanzentournee bei der Flug-WM triumphiert und den Gesamtweltcup gewonnen - diesen führt Domen mit großem Vorsprung an.
Zudem kann der jüngste Prevc-Bruder im kommenden Monat auch Olympia-Gold holen, Weltmeister ist er bereits. Einziger Skispringer der Geschichte, der die fünf wichtigsten Einzeltitel (WM, Olympia, Tournee, Gesamtweltcup und Flug-WM) in seiner Karriere geholt hat, ist bislang der große Finne Matti Nykänen.
Dieser war auch einer der Vorgänger Domens als Skiflug-Weltrekordler. Die Bestmarke hält Prevc seit März 2025 mit in Planica erzielten 254,5 m. Weiten von 250 m und mehr sind in Oberstdorf nicht möglich. Der Weitenrekord steht dort bei 238,5 m, erzielt vom Norweger Daniel Andre Tande beim WM-Erfolg 2018.