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"Ein Drücker, ein Knutscher" Kristina Vogels emotionale Rückkehr

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Die querschnittsgelähmte Radsport-Olympiasiegerin Kristina Vogel ist als Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet worden.

(Foto: imago/Annegret Hilse)

Der zweite Tag des Bahnrad-Weltcups steht ganz im Zeichen einer Sportlerin, die nicht mehr daran teilnehmen kann - der querschnittsgelähmten Olympiasiegerin Kristina Vogel. Bei ihrer Rückkehr ins Berliner Velodrom bleiben nicht alle Augen trocken.

Für einen kurzen Moment schien Kristina Vogel den Kampf mit den Gefühlen zu verlieren. Im Rollstuhl und mit feuchten Augen stand die schwer verunglückte Bahnrad-Olympiasiegerin am Rande des ihr so vertrauten Holzovals im Berliner Velodrom, als Zuschauer und Weggefährten ihren grenzenlosen Respekt mit einem langen Applaus zum Ausdruck brachten.

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Bundesaußenminister Heiko Maas überreicht Kristina Vogel die Auszeichnung.

(Foto: dpa)

Tränen vergoss Vogel nicht. Und doch hatte sie die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte spürbar bewegt. "Es ist schön, alle wiederzusehen", sagte die elfmalige Weltmeisterin ins Mikrofon des Hallensprechers: "Ich habe gar nicht so viel Zeit für alle. Ein Drücker, ein Knutscher - dann kommt schon der nächste." Am Rande des Heimweltcups in Berlin wurde die querschnittsgelähmte Vogel als Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet.

Ihr erster großer Auftritt vor einem Publikum seit dem folgenschweren Trainingsunfall im Sommer dauerte rund zehn Minuten - und war weit mehr als eine gewöhnliche Preisverleihung. Als die 28-Jährige um 17.45 Uhr auf die Bahn kam, erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen. Auch Betreuer, ehemalige Kolleginnen und Rivalinnen klatschten. Einige Athleten unterbrachen kurzzeitig ihr Training.

Vogel winkte ins Publikum. Auf dem Weg zum Zielstrich, wo ihr Bundesaußenminister Heiko Maas eine gläserne Trophäe überreichte, lächelte sie. Im Rampenlicht wirkte sie aber auch angespannt. Als ihr nach der Ehrung im Innenraum Mitglieder des deutschen Teams um den Hals fielen, schien sie deutlich gelöster. Dies ging längst nicht allen so. Bundestrainer Detlef Uibel etwa konnte nach einer innigen Umarmung seine Tränen nicht zurückhalten. Die Trauer über den tragischen Unfall sitzt noch immer tief.

"Jemand, der anderen ganz viel Mut macht"

Die Erfurterin war am 26. Juni beim Training auf der Betonbahn in Cottbus bei voller Geschwindigkeit mit einem Fahrer kollidiert, der sich ebenfalls auf der Radrennbahn befand. Ihr Rückenmark wurde am siebten Brustwirbel durchtrennt. Im Unfallkrankenhaus Berlin arbeitet Vogel seither intensiv in der Reha.

Mit ihrer Lebensfreude und dem positiven Umgang mit den Folgen ihres Unfalls hat sich Vogel in den vergangenen Monaten viele Sympathien und Bewunderung verdient. "Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie sie damit umgeht", sagte Maas: "Sie ist als Sportlerin überragend erfolgreich gewesen. Jetzt ist sie jemand, der anderen ganz viel Mut macht. Sie macht einen starken Eindruck."

Ihre langjährige Teamsprint-Partnerin Miriam Welte sah es ähnlich und war dennoch mitgenommen. "Es ist sehr schmerzhaft, dass sie hier auf vier Rädern reinkommt und nicht mehr dabei sein kann. Es tut mir unendlich Leid für sie", sagte Welte. Straßenprofi Maximilian Schachmann, der für seine starken Leistungen im Jahr 2018 als Radsportler des Jahres geehrt wurde, sagte: "Wie sie damit umgeht, ist sehr besonders. Ich bin mir sicher, dass sie ihren Weg gehen wird."

Quelle: n-tv.de, Emanuel Reinke, sid

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