Sport

Geldwäsche, Vertuschung, Doping Leichtathtletik will den Alptraum beenden

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Altlasten.

(Foto: imago/Panoramic International)

Der Leichtathletik-Weltverband hat sich etwas vorgenommen: Auf dem Sonderkongress in Monaco will er mit umfassenden Reformen die Lehren aus Machtmissbrauch und Korruption ziehen. Doch geht das überhaupt? Die Altlasten jedenfalls wiegen schwer.

Der Alptraum soll ein Ende haben, ein Neuanfang gemacht werden. "Ich möchte nicht, dass dieser Sport jemals zu den grotesken Geschichten zurückkehrt, die auch in den letzten Tagen wieder erweckt wurden", sagte Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, vor dem Sonderkongress am Samstag in Monte Carlo. Doch weder die Korruptionsaffäre um seinen Vorgänger Lamine Diack ist aufgeklärt, noch ist ein konkretes Ende des wegen massiven Dopings verhängten Banns gegen Russland in Sicht.

Die Delegierten aus mehr als 200 Ländern wollen eine neue, moderne Satzung verabschieden, die keinen Spielraum mehr für Betrug und Machtmissbrauch wie in der Ära Diack geben soll. "Damit kann ein großes Stück an Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden", sagte Clemens Prokop, Präsident des deutschen Verbandes. Allerdings werden die Altlasten den Reformkurs noch lange überschatten und Lord Coe, jahrelang IAAF-Vizepräsident unter Diack, weiter herausfordern. Gegen den Senegalesen Diack ermittelt die französische Justiz schon seit einem Jahr wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche - und fördert offenbar immer mehr ans Tageslicht. Nach einem jüngsten ARD/"Le Monde"-Bericht soll der Clan um Diack mehr Doping-Fälle gegen Geld - Zahlungen von 300.000 bis 700.000 Euro - vertuscht haben, als zunächst angenommen. Möglicherweise hat er sich auch in der IAAF-Kasse illegal bedient. Ehrenpräsident ist Diack noch immer. Eine Aberkennung sei wegen des laufenden Verfahrens laut Coe nicht möglich.

"Es wurden Fortschritte gemacht"

"Es ist nichts, was wir kommentieren können, doch wir versuchen der Justiz zu helfen, wo wir können", sagte Coe. Eine Entscheidungsgrundlage sieht die IAAF auch noch nicht, wann die seit einem Jahr suspendierten und bei den Olympischen Spielen in Rio ausgeschlossenen russischen Leichtathleten wieder international starten dürfen. Die Task Force der IAAF unter Leitung von Rune Andersen wird sich im Januar in Moskau einen Überblick über die eingeleiteten Anti-Doping-Maßnahmen verschaffen und hofft im Februar in der Lage zu sein, "einen klaren Fahrplan und Zeitplan für die Wiedereinsetzung des russischen Verbandes RUSAF zu identifizieren", sagte Andersen und attestierte: "Es wurden Fortschritte gemacht."

Diese Fortschritte wären nach Ansicht von Coe nicht gemacht worden, wenn die IAAF Russland nicht suspendiert hätte: "Das hat die Verantwortlichen unter Druck gesetzt, zu handeln." Die Doping-Tests in Russland werden aber immer noch von ausländischen Agenturen vorgenommen, weil die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA weiter suspendiert ist. Wie rasch Russlands Verband wieder vollwertiges Mitglied der IAAF werden kann, hängt auch vom Bericht des Kanadiers Richard McLaren ab. Der Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA wird am 9. Dezember in London die Ergebnisse seiner Doping-Recherchen in Russland präsentieren. Schwerpunkt ist dabei, ob der russische Geheimdienst bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi tatsächlich positive Doping-Proben eigener Athleten aus dem Kontrolllabor entwendet und manipuliert hat.

Die IAAF selbst will den Anti-Doping-Kampf mit der Schaffung der neuen Integrity Unit unabhängiger und effizienter machen. Wenn das Gremium 2017 die Arbeit aufnimmt, soll die Zahl der Kontrollen von 4700 auf 6000 pro Jahr steigen und die Tests intelligenter eingesetzt werden. Allein in diesem Jahr seien laut IAAF 59 Doper erwischt worden, die nicht auf herkömmlichen Wegen getestet wurden. Auch das neue Doping-Report-Portal der IAAF, über das anonym Doping-Verstöße gemeldet werden können, ist erfolgreich angelaufen: An den ersten zwei Tagen seit Eröffnung der Online-Plattform meldeten sich 43 Personen mit Hinweisen. "Das ist ein Moment, um mutig zu sein, sagte Coe. "Saubere Athleten müssen wissen, dass wir in ihrer Ecke sind."

Quelle: ntv.de, Andreas Schirmer, dpa