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Sigurdsson zieht's wohl nach Japan Lieber Entwicklungshelfer als "Bad Boy"?

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Wohin führt der Weg von Dagur Sigurdsson?

(Foto: dpa)

Dagur Sigurdssons Zeit als Handball-Bundestrainer wird wohl im Januar zu Ende gehen. Die Zeichen für einen Abgang des Isländers verdichten sich. Den Coach soll es nach Japan ziehen - dort will er sich einer Herkulesaufgabe stellen.

"Big in Japan" statt Boss der "Bad Boys", Aufbauarbeit beim Handball-Exoten statt Medaillenjagd mit dem Europameister: Dagur Sigurdssons Abgang als Bundestrainer rückt immer näher. Dem Isländer liegt eine unterschriftsreife Offerte aus Japan vor. Eine endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, doch die Chancen des Deutschen Handballbundes (DHB) auf eine Weiterbeschäftigung seines Heilsbringers tendieren gegen Null.

"Wenn er Japan macht, ist es eine Sache der Lebensphilosophie, dann wird es schwer für uns", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Es gebe zwar "definitiv keinen neuen Fakt", betonte der starke Mann im deutschen Handball. Doch nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken mit dem Erfolgstrainer am Montag spürt er: Nach der WM zu Jahresbeginn in Frankreich (11. bis 29. Januar 2017) wird Sigurdsson seine Zelte beim Olympia-Dritten abbrechen.

"Wenn ich wüsste, dass wir gegen Vezprem oder Paris antreten, hätten wir eine realistische Chance, den Kampf zu gewinnen", sagte Hanning, wenn aber "der Sport und der finanzielle Aspekt nicht im Mittelpunkt stehen, sind uns die Hände gebunden". In Japan soll Sigurdsson im kommenden Jahr die japanische Auswahl übernehmen, um sie auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorzubereiten. "Ich möchte das Thema gerne bis Ende November abschließen", sagte Hanning, "und Dagur sieht das genauso".

Wegen der Familie weg aus Deutschland

Laut "Bild" zieht es Sigurdsson aus familiären Gründen von Berlin aus zurück nach Island. Von dort würde der Vater von drei Kindern, der die deutschen Handballer im Januar sensationell zum EM-Titel und im Sommer zu Olympia-Bronze führte, zu den Lehrgängen und Spielen regelmäßig nach Japan fliegen. Noch sei allerdings kein Vertrag unterschrieben, sagte Sigurdsson: "Man darf nicht vergessen, ich habe einen super Job in Deutschland, und es spielen auch andere Sachen eine Rolle. Ich treffe die Entscheidung nicht nur für mich und meine Karriere, sondern es ist eine Entscheidung für meine Familie."

Von 2000 bis 2003 war er Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima und gilt seither als glühender Japan-Fan. Im Herbst des vergangenen Jahres hospitierte zudem Manabu Todoroki als Gesandter aus dem Trainerstab der japanischen Männer-Nationalmannschaft beim DHB. Sigurdsson selbst hatte den Kontakt hergestellt. Sigurdssons Vertrag beim DHB läuft noch bis 2020, eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglicht ihm allerdings den vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017. Und weil das DHB-Präsidium schon seit einer Weile von einem Rückzug Sigurdssons ausgeht, fahndet die Verbandsspitze ungeachtet der Hoffnung auf einen Verbleib bereits unter Hochdruck nach einem Nachfolger.

Zwölf Namen stehen auf Hannings Liste, die er in engem Kontakt mit den Managern und Trainern der Bundesliga-Klubs und den Top-Funktionären der Liga in Kürze auf fünf Kandidaten eindampfen will. Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes gilt als heißer Anwärter auf die Sigurdsson-Nachfolge, auch Kiels Meistercoach Alfred Gislason steht hoch im Kurs. Auf dem Markt ist plötzlich auch der langjährige Bundesliga-Coach Gudmundur Gudmundsson. Der Isländer, der Dänemark in Rio überraschend zu Olympia-Gold geführt hatte, gibt sein Amt bei den Skandinaviern aufgrund einer "Planänderung" im kommenden Sommer auf.

Hanning lässt sich bei der Suche nicht in die Karten gucken. "Wir werden eine Reihenfolge erstellen und am Ende eine fantastische Lösung präsentieren", sagte er. Dass diese Sigurdsson heißt, gilt in der Szene als nahezu ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, tno/sid