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Außenseiter top, Favorit stürzt Martin lacht und leidet beim Tour-Auftakt

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Mike Teunissen rechts schiebt sich erst auf den letzten Zentimetern an Sprintstar Peter Sagan vorbei.

(Foto: REUTERS)

Außenseiter Mike Teunissen schlägt Sprintstar Peter Sagan um wenige Zentimeter gewinnt in Brüssel den Auftakt der diesjährigen Tour de France. Einen blutigen Tourauftakt muss dagegen Mitfavorit Jakob Fuglsang aus den Knochen schütteln. Tony Martin leidet und lacht doch noch.

Tony Martin musste sein Gefühlschaos erstmal sortieren: "Da habe ich jetzt ein lachendes und ein weinendes Auge", sagte der Cottbuser im Ziel der ersten Etappe der 106. Tour de France. Dort freute sich der Routinier des Jumbo-Visma-Teams einerseits mit Mannschaftskollege Mike Teunissen, der mit einem krassen Außenseitersieg in Brüssel ins Gelbe Trikot gerast war. Andererseits litt Martin mit seinem schwer gestürzten Sprintkapitän Dylan Groenewegen.

"Ich habe im Ziel Gerüchte gehört, dass Mike gewonnen hat und konnte es nicht glauben, toll!", sagte der 34 Jahre alte Martin, nachdem Teunissen den großen Peter Sagan, dreimaliger Weltmeister in Diensten des deutschen Teams Bora-hansgrohe, um Zentimeter abgekocht hatte. Dabei hatte der Niederländer nur den Spurt nach 194,5 km für seinen Landsmann Groenewegen anziehen sollen - doch dann schepperte es einen Kilometer vor dem Ziel gewaltig.

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"Es war ein sehr, sehr unglücklicher Sturz. Ich konnte mich noch irgendwie retten", sagte Martin, der selbst kurz nach der 20-km-Marke gestürzt war und sich wieder für das Finale herankämpfen musste. Der angeschlagene Groenewegen wird das Rennen sehr wahrscheinlich fortsetzen. Falls doch nicht, dann sei laut Martin "das Gelbe Trikot zur Not nun unser achter Mann".

"Am Ende sind alle gestorben"

Teunissen, der das Maillot jaune am Sonntag als erster Niederländer seit Erik Breukink im Jahr 1989 trägt, konnte sein unverhofftes Glück kaum fassen. "Ich habe gemerkt, dass alle am Ende gestorben sind, dann habe ich mir Sagan auf der Ziellinie geholt. Da brauche ich noch ein paar Tage, um das zu verstehen", sagte er. Ob Teunissen am Sonntag das Gelbe Trikot erfolgreich verteidigen kann, hat er nicht (nur) selbst in der Hand. Im Teamzeitfahren über 27,6 km in Brüssel ist Teunissen auf die Hilfe seiner Mannschaftskollegen angewiesen. Jumbo-Visma um den viermaligen Zeitfahrweltmeister Martin gehört allerdings zu den Favoriten - freilich nur in voller Stärke.

Martin lachte zumindest mit einem Auge, für die weiteren deutschen Profis gab es wenig Grund zur Freude. Sprint-Oldie Andre Greipel war chancenlos, der elfmalige Etappensieger vom Team Arkea-Samsic kam nur auf Platz 19. Klassement-Hoffnung Emanuel Buchmann war in den Massensturz verwickelt, der kurz vor dem Finale nach rund 30 Fahrern für Kahlschlag sorgte. "Im Moment fühle ich mich okay. Es sollte nichts Schlimmeres passiert sein", sagte der Bora-Profi in der ARD.

Mitfavorit stürzt - und hat Glück

Auch der deutsche Meister Maximilian Schachmann, zweite Bora-Sprint-Option neben Sagan, war aus dem Rennen. "Ich bin direkt hinter dem Sturz gewesen, dank meiner Scheibenbremse bin ich gerade noch rechtzeitig zum Stehen gekommen", sagte Schachmann: "Die haben hier ein paar Fallen eingebaut, sodass es über die komplette Dauer immer sehr nervös war." Die Chancen der deutschen Profis auf einen Auftaktsieg waren ohnehin gering gewesen. Der derzeit pausierende Marcel Kittel, der 2013 und 2014 als Sieger der ersten Etappe in Gelb gesprintet war, fehlt bei der laufenden Tour ebenso wie der nicht nominierte John Degenkolb. Routinier Greipel ist damit der einzige reine deutsche Sprintspezialist im Feld.

Der erste Favorit musste bereits am Auftakttag Federn lassen. Der hoch gewettete Däne Jakob Fuglsang (Astana), Sieger des Criterium du Dauphine, stürzte ebenso wie Martin rund 20 Minuten vor Rennende. Der heftig blutende Fuglsang kämpfte sich mit Hilfe seiner Teamkollegen und an der Seite Martins mit einem Kraftakt wieder ins Feld zurück. Fuglsang verlor keine Zeit.

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Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg und Emanuel Reinke, sid

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