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Neuer Liga-Start wohl fixNBA fährt in Europa voll auf Kollisionskurs

01.02.2026, 18:09 Uhr
imageVon Seb Dumitru, London
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Franz Wagner war mit den Magic kürzlich zu Gast in Berlin und London. (Foto: REUTERS)

Während die NBA die Gunst der Stunde nutzte, um ihre Expansionspläne in Europa voranzutreiben, drohte die EuroLeague inmitten des Wandels mit einer Klage. Der Konflikt spitzt sich zu, eine Konfrontation scheint unausweichlich. Oder glättet ein neuer Boss jetzt doch noch die Wogen?

Die NBA Europe Games 2026 in England und Deutschland sind passé. Während Teams und Spieler der Orlando Magic und Memphis Grizzlies längst wieder zurück über den Teich geflogen und wie Tausende ihrer Fans zurück im Alltag angekommen sind, wird hinter den Kulissen eifrig an den nächsten Schritten für den Start der geplanten neuen Basketball-Liga in Europa gefeilt.

Die NBA empfing, nur einen Tag nach dem Aufeinandertreffen der Grizzlies und Magic in der englischen Hauptstadt, bei einer privaten Veranstaltung im Raffles Hotel nahe Big Ben und Westminster Abbey gut 250 Leute aus dem Basketball-, Fußball- und Business-Bereich - darunter Repräsentanten von Real Madrid, Bayern München, FC Barcelona, Alba Berlin, Manchester City, Panathinaikos Athen, AC Mailand und ASVEL Villeurbane. Ebenfalls anwesend waren globale Investmentfonds mit Verbindungen zum Profisport, wie etwa der Saudi-Arabische PIF, Rothschild, Blackstone und BC Partners.

Unter den Rednern an jenem bewölkten Montag waren NBA-Commissioner Adam Silver, sein Vizepräsident Mark Tatum und der europäische Direktor George Aivazoglou, FIBAs Generalsekretär Andreas Zagklis sowie die Hall of Famer Pau Gasol, Tony Parker (Besitzer von ASVEL) und Fußball-Legende Zlatan Ibrahimovic, mittlerweile Chefberater bei AC Mailand. Mächtige Geschäftspartner wie Nike und Amazon Prime präsentierten ebenfalls. "Ich bin überzeugt, dass es perfekt zusammenpassen wird, wenn die NBA mit einem Geschäftsmodell kommt und dieses mit den europäischen Fans verbindet", erklärte Ibrahimovic seine Teilnahme. "Genau deshalb sind wir hier: um es erfolgreich zu machen und etwas Magisches daraus zu schaffen. Weil wir daran glauben."

Neue Liga, Alba als Vorbild

Ziel der NBA bleibt der Aufbau einer neuen Basketball-Liga, bestehend aus zwölf permanenten Klubs in den europäischen Metropolen London, Manchester, Madrid, Barcelona, München, Berlin, Paris, Lyon, Rom, Mailand, Athen und Istanbul, sowie vier weiteren Teams, die sich über die FIBA Basketball Champions League qualifizieren sollen. Geplanter Start bleibt der Herbst 2027. Viele der in London anwesenden Klubs haben langfristige EuroLeague-Lizenzen oder noch keine konkreten Zusagen gemacht. Die kolportierte Eintrittsgebühr von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro wirkt steil, für europäische Verhältnisse. Zusätzliche Zweifel weckte der NBA-Commissioner mit der Aussage, dass die Liga "anfangs wohl nicht profitabel" sein werde und ihren Erfolg stattdessen am Wachstum des Basketballs in Europa messen werde - was die Zurückhaltung vieler Klubs weiter verstärkt.

"Die anfängliche Finanzierung wird von den Mitgliedsklubs der Liga und deren Investoren getragen. Auch bei einem erfolgreichen Start wird es dauern, bis die Liga wirtschaftlich tragfähig ist", betont Silver. "Was wir den interessierten Parteien sagen, ist: Man braucht eine langfristige Perspektive." Gleichzeitig hebt die NBA immer wieder hervor, "die Tradition des europäischen Basketballs respektieren" zu wollen. "Unser Partner ist die FIBA, und wir versuchen, die beste Kombination aus Alt und Neu zu finden. Und nicht nur mit der FIBA, sondern auch mit europäischen Organisationen, die verstehen, was den europäischen Basketball einzigartig macht", so Silver.

Organisationen wie Alba Berlin zum Beispiel, deren Standing als Modellklub für das neue Projekt sowohl Silver als auch Tatum auf Nachfrage von ntv verdeutlicht hatten. In der deutschen Hauptstadt ist man überzeugt, dass eine neue Liga positiven Wandel mit sich bringen würde. "Wenn wir den Dreiklang aus klarer Liga-Struktur, Synergien zwischen Klubs und Städten, sowie wirtschaftlicher Nachhaltigkeit hinbekommen, haben wir eine florierende Zukunft vor uns. Alle sprechen davon, wie viel liegengeblieben ist. Jeder spürt, dass hier ein Riesenpotenzial existiert, das bisher aber nicht realisiert werden konnte", erklärte Alba Berlins CEO Marco Baldi gegenüber ntv.

Kollisionskurs unvermeidlich

Derweil bleibt der Konflikt mit der EuroLeague, die Europas führenden Klub-Wettbewerb organisiert, unverändert bestehen, könnte sich künftig sogar noch zuspitzen. Während die mächtige US-Liga in Verbindung mit der FIBA einen kompletten Reset auf dem Kontinent anstrebt, will die EuroLeague den Status Quo verteidigen. Die EuroLeague hatte die NBA vor zwei Wochen offiziell darüber informiert, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden könnten, falls Gespräche mit Klubs geführt werden, die sich bereits für die kommenden zehn Jahre an die EuroLeague gebunden haben. Ein entsprechendes Schreiben soll von der EuroLeague an die NBA versandt worden sein.

Auf die Frage in Bezug auf eine mögliche Klage erklärte Silver nur: "Ich habe die juristischen Schreiben an meine Anwälte weitergeleitet, und ich halte einen Konflikt nicht für unvermeidlich. Ich denke, wir haben die Chance, das Spiel weiterzuentwickeln. Wir konkurrieren nicht mit anderen Sportarten oder Basketballorganisationen; mein Fokus liegt auf dem Wettbewerb mit anderen Unterhaltungsangeboten. Wir sind ein Sport-Entertainment-Produkt. Wenn ich glauben würde, dass die EuroLeague das maximale Potenzial darstellt, würden wir nicht so viel Zeit und Aufmerksamkeit in dieses Projekt investieren. Es gibt Platz für alle."

"Die NBA ist eine sehr erfolgreiche Marke, und sie spricht schon seit 20 Jahren von Expansion, da habe ich noch gespielt", zeigt sich Deutschlands bester Basketballer aller Zeiten, Dirk Nowitzki, angetan von den Plänen: "Ich bin begeistert, dass dieser nächste Schritt nun endlich hier ist. Normalerweise macht die NBA es richtig, wann immer sie etwas unternimmt. Ich hoffe, dass dieses Projekt gut für den Basketball in Europa ist." Steve Nash, Nowitzkis Ex-Mitpieler in Dallas und sein heutiger Arbeitskollege im Übertragungsteam von Amazon Prime, findet: "Die EuroLeague ist großartig, aber sie wächst nicht. Ich glaube, 'NBA Europe' kann ein voller Erfolg werden. Wir haben die Möglichkeit, eine neue Fanbasis zu schaffen und völlig neue Klubs zu gründen, entweder in Verbindung mit Fußballvereinen oder in europäischen Metropolen. Ich glaube, da ist viel Raum, um den Basketball in Europa größer zu machen."

Real Madrid, FC Barcelona und ein neuer EuroLeague-Boss

Die EuroLeague wählte gestern mit Chus Bueno einen neuen CEO. Der 56-jährige Spanier ersetzt Paulius Motiejunas, der das Amt seit 2023 innehatte, und ist bereits der dritte Chef seit dem Abgang von Jordi Bertomeu im Jahr 2022. Bueno bringt knapp 30 Jahre Erfahrung im internationalen Sportmanagement mit, darunter zwölf Jahre in als Vizepräsident der NBA in Europa, Nahost und Afrika (EMEA), Direktor des spanischen Basketballverbandes, sowie Managing Director bei der globalen Sport-Entertainment-Plattform DAZN. Er setzte sich bei der Abstimmung gegen den gebürtigen Wernecker Michael Ilgner durch. Zu seinen zentralen Aufgaben wird künftig zählen, die unter Motiejunas festgefahrenen Gespräche mit der NBA und FIBA wiederzubeleben und eine mögliche Kooperation zu erreichen. Die EuroLeague-Klubs hoffen weiterhin auf eine Einigung mit der NBA und wollen eine tragende Rolle in einem möglichen NBA-Europe-Projekt spielen.

Der Architekt und 22 Jahre lang als CEO der EuroLeague tätige Bertomeu warnte derweil, dass die EuroLeague "Gefahr läuft, ins Hintertreffen zu geraten, wenn sie auf das NBA-Europe-Projekt nur defensiv reagiert, anstatt proaktiv zu sein. Die NBA bietet etwas Neues an, wie wir damals im Jahr 2000. Das muss man sich anhören". Er betont aber auch, dass das europäische Basketball-Ökosystem grundlegend anders als das in den USA ist, da die Dominanz des Fußballs auf dem alten Kontinent die Attraktivität und Übertragbarkeit des NBA-Modells stark einschränkt. Zudem sei deren Modell "trotz groß angekündigter Investitionen weiterhin vage und finanziell unsicher". Eine Spaltung zwischen EuroLeague und NBA Europe wäre seiner Ansicht nach katastrophal, da Wachstum nur durch Zusammenarbeit und Erweiterung entstehen kann, ohne die traditionellen Basketball-Hochburgen des Kontinents wie Griechenland, Serbien und Türkei zu opfern.

Spanische Giganten im Fokus

Der katalanische Klub hielt vor Kurzem ein hochrangiges Treffen mit Silver, führenden Vertretern und Pau Gasol ab, da die NBA weiterhin darauf drängt, Barça in einen künftigen FIBA-NBA-Wettbewerb einzubinden. Trotz dieses Interesses bestätigte Barcelona nur wenige Tage später offiziell seine Teilnahme an der EuroLeague für die nächsten zehn Jahre. Derweil bleibt Madrid laut FIBA-Europa-Präsident Jorge Garbajosa, der einst selbst für Real und in der NBA tätig war, in direkten Gesprächen auf höchster Ebene über einen möglichen Einstieg in die neue Liga.

Obwohl ein solcher Schritt extra Glaubwürdigkeit und Momentum verleihen würde, ist die Fangemeinde gespalten und viele Anhänger lehnen einen Bruch mit bestehenden EuroLeague-Rivalitäten ab. "Unser Fokus liegt auf europäischem Basketball mit historischen Teams und einer starken Basketballtradition. Das ist nicht das, was die NBA Europe derzeit bietet. Alleine in diesen Wettbewerb einzusteigen, wäre ein Fehler", schrieben die Fans in einem offenen Brief an ihren Klub. Die Ernennung Buenos könnte helfen, die Wogen zu glätten und Real Madrid langfristig an die EuroLeague zu binden.

Neben Real gelten ASVEL in Lyon und Fenerbahçe in Istanbul als derzeit größte Kandidaten für einen Wechsel. Jeder der 13 A-Linzenzler in der EuroLeague - darunter auch der FC Bayern Basketball - könnte trotz bindender Langzeitzusage von seiner Ausstiegsklausel (10 Millionen Euro) Gebrauch machen und die Liga verlassen.

Zusagen und Franchise-Gebote für März erwartet

Die NBA wird in Kürze Finanzprognosen für die geplante 'NBA Europe' mit Private-Equity-Firmen und großen europäischen Klubs teilen, um ihre internationale Expansion voranzutreiben. Partner und Unternehmen wie Blackstone, CVC, RedBird, General Atlantic, BlackRock oder Oaktree erhalten dann Zugang zu einem Datenraum mit konkreten Zahlen und Hochrechnungen, um mögliche Investitionen zu prüfen.

Anders als in den USA zeigt sich die NBA in Europa offen für den Einstieg von Private-Equity- und Staatsfonds als Teameigentümer und trägt damit unterschiedlichen Eigentumsmodellen Rechnung. Nach mehr als 300 ursprünglichen Interessensbekundungen wurde der Kreis potenzieller Geldgeber auf wenige Dutzend eingegrenzt, wobei unverbindliche Franchise-Gebote bis Ende März erwartet werden. Die NBA dürfte die neue europäische Liga im März offiziell genehmigen, wenn die 30 Teambesitzer in der NBA zum jährlichen "Board of Governors" Meeting zusammenkommen. Sie sollen mit 50 Prozent am neuen Projekt beteiligt werden.

Joe Vardon, NBA-Insider von "The Athletic", erklärte gegenüber ntv in London: "Ich denke, allein die Präsenz einer NBA Europe wird das Profil des Sports erhöhen - entweder auf die von Silver beabsichtigte Weise oder dadurch, dass Rivalitäten zwischen den Teams entstehen, die seiner Liga beitreten, und jenen, die es nicht tun. Solange die 30 Teameigentümer der NBA dem Vorhaben zustimmen, gibt es keinen Grund, warum 'NBA Europe' nicht im Herbst 2027 starten kann. In der ersten Saison mag sie noch nicht so aussehen, wie Silver es sich vorstellt, doch er hat bereits ein jahrzehntelanges Engagement zugesichert, um NBA Europe durch die anfänglichen Wachstumsschmerzen zu führen."

Quelle: ntv.de

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