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Außenseiter jagen Super BowlNFL-Playoffs-Wahnsinn öffnet plötzlich das Scheunentor

10.01.2026, 09:36 Uhr
imageVon David Bedürftig
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Kann Aaron Rodgers im hohen Alter noch einmal bis zum Super Bowl vorstoßen? (Foto: IMAGO/Icon Sportswire)

Die NFL-Playoffs beginnen und Ikone Tom Brady ist außer sich: In diesem Jahr ist alles anders, es regieren die Underdogs. Der Weg zum Super Bowl dürfte so spannend werden wie nie - und alle Teams bringen spezielle Geschichten, Stärken und Schwächen mit.

Dieses Jahr ist alles anders. Und das wissen die Beteiligten genau. Der Super-Bowl-Seriensieger, das unersättliche Monster namens Kansas City Chiefs mit Superstar Patrick Mahomes, ist nicht in den NFL-Playoffs dabei. Die Chiefs hatten zuvor siebenmal in Folge im AFC-Championship-Game und fünfmal in den vergangenen sechs Jahren im Super Bowl gestanden (drei Erfolge).

Wenn am Abend die Carolina Panthers die Los Angeles Rams zum ersten Playoff-Spiel empfangen (22.30 Uhr/RTL), werden sich 14 verbliebene Mannschaften um die Teilnahme am Super Bowl (8. Februar in San Francisco) keilen. Für sie ist die NFL-Meisterschaft so greifbar wie lange nicht. Ein Feld von Teams, das vor der Saison kein einziger Experte auf dem Zettel hatte. 2026 wird der Super Bowl der Überraschungen. Der vermeintlichen Underdogs. Der bisherigen Außenseiter.

"Wenn wir auf diese Gruppe von Teams schauen, ist es schwer, irgendjemanden abzuschreiben", sagte Quarterback-Legende Tom Brady diese Woche in seinem Vorhersage-Clip bei Instagram und ergänzte: "Wann war das letzte Mal, dass wir in die Playoffs gegangen sind und das gesagt haben?"

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Seahawks, Patriots und Broncos überraschen

Nicht nur Kansas City, sondern auch die Baltimore Ravens um Superstar-Quarterback Lamar Jackson schauen von zu Hause aus zu. Dafür schnappten sich die Jacksonville Jaguars den AFC-South-Titel und den dritten Platz in der Setzliste, womit genauso wenige rechneten wie mit dem AFC-East-Titel der wiedererstarkten New England Patriots oder den topgesetzten Denver Broncos.

In der NFC herrscht zwar etwas mehr Normalität, auch Super-Bowl-Champion Philadelphia ist dabei. Aber überraschend sprangen die in Deutschland äußerst beliebten Seattle Seahawks an die Spitze, nachdem sie im vergangenen Jahr überhaupt nicht in den Playoffs dabei waren. Außerdem richten die Chicago Bears zum ersten Mal seit 2018 wieder ein Postseason-Spiel aus.

In der wilden und unvorhersehbaren regulären Saison gab es keine überdominanten Teams, die sich als absolute Favoriten herauskristallisierten. Selbst die Top-Teams Seattle und Denver haben einige Schwachstellen, insbesondere auf der Quarterback-Position. Diese Playoffs sind völlig offen und könnten die spannendsten seit Langem werden.

NFL-Playoffs-Überblick

Zeit für einen kurzen Blick auf die Teams, die in einem Monat den Super Bowl 60 in "Frisco" gewinnen wollen.

Rams fahren als Favorit zu den Panthers

Die Rams gelten trotz fünf Saisonpleiten als eine Art Geheimfavorit, schließlich haben sie mit Quarterback Matthew Stafford Super-Bowl-Erfahrung (Sieg 2022) im Kader. Wenngleich ihre Special Teams mehrmals in der Saison schwächelten, bringen sie neben Staffords Offensive auch eine starke Defensive mit. Gegen die Panthers, die zuletzt zwei Spiele in Folge verloren, sollte es zumindest mit der ersten Runde klappen.

Gelingt Chicago der nächste Comeback-Sieg?

Als Nächstes empfangen die Bears die Green Bay Packers. Chicagos Offensive, angeführt vom erst 24-jährigen Quarterback Caleb Williams, hat die Saison über bewiesen, dass sie es mit jedem aufnehmen und auch verloren geglaubte Spiele noch drehen kann (sechs Siege nach Rückstand in den letzten zwei Minuten des vierten Viertels sind die meisten, die ein Team seit 1970 erzielt hat). Allerdings ist die Defensive gegen Top-Teams nicht konsequent genug, wenngleich sie etliche Turnovers forciert. Gegen die Packers, die mit vier Pleiten in Folge in die Playoffs gehen, nachdem sich Star-Verteidiger Micah Parsons im Dezember das Kreuzband gerissen hatte, ist Chicago der Favorit.

Superstar-Duell zwischen Jaguars und Bills

Heiß her geht es in Florida, wenn die Jacksonville Jaguars die Buffalo Bills herausfordern. Die Bills um Superstar-Quarterback Josh Allen scheiterte in den vergangenen Jahren immer wieder an den Chiefs und nun scheint die Bahn endlich frei. Allerdings gehört ihre Defensive gegen das Laufspiel zu den schlechtesten der Liga. Auf der anderen Seite stoppen die Jaguars den Lauf so gut wie kaum ein anderes Team, hinzu kommt der elitäre Quarterback Trevor Lawrence. Offenes Spiel.

Spiel der Gegensätze zwischen Eagles und 49ers

Wenn am Sonntag die Eagles die San Francisco 49ers empfangen, trifft der Titelverteidiger auf den Ausrichter des diesjährigen Super Bowls. Und es wird ein Spiel der Gegensätze: Während die Eagles-Offensive stottert (Runningback Saquon Barkley kam in diesem Jahr kaum in Fahrt), hat der Champion immer noch eine der besten Defensiven der Liga. Dagegen glänzt der 49ers-Angriff um Brock Purdy, aber die Abwehr könnte die große Schwachstelle San Franciscos in den Playoffs werden.

Herbert-Magie wohl nicht genug gegen wiedererstarkte Patriots

Genauso wie die 49ers kommen auch die Los Angeles Chargers aus Kalifornien. Doch der geografisch kurze Weg zum Super Bowl dürfte sportlich ein ganz weiter werden für das Team um Justin Herbert, das mit dem Quarterback-Star endlich auch mal in den Playoffs siegen möchte. Das wird nicht nur schwer, weil die Offensive-Line von Ausfällen geschwächt worden ist. Sondern vor allem, weil die starken Patriots im Weg stehen. New Englands Quarterback Drake Maye wird schon in seinem zweiten Jahr in der NFL als MVP gehandelt, wenngleich er noch keine Playoff-Erfahrung mitbringt. Vorteil für den Ex-Klub von Tom Brady.

Gewinnt Aaron Rodgers das Generationenduell?

Montagnacht sind alle Augen auf Altstar Aaron Rodgers gerichtet. Kann der mittlerweile 42-jährige Quarterback mit den Pittsburgh Steelers nach einer durchwachsenen Saison noch einmal den Super Bowl erreichen? Schwer vorstellbar, schließlich kommt der Gegner aus Houston und bringt die beste Defensive der NFL mit. Die Texans um Quarterback-Youngster C.J. Stroud (18 Jahre jünger als Rodgers) reisen außerdem mit einer Serie von neun Siegen in Folge an.

Seahawks sind Favorit im Wettbüro

Spielfrei haben in der ersten Runde die Seahawks und die Broncos. Seattle gilt in den Wettbüros als (kleiner) Favorit auf den Titel. Sowohl Angriff als auch Defensive funktionieren sehr gut, auch wenn der Offensive der Football etwas zu oft verloren geht. Dennoch: Nur drei Pleiten setzte es bei 14 Siegen in diesem Jahr.

Für die Broncos könnte alles schnell vorbei sein

Dieselbe Statistik bringt Denver mit. So viele Sacks wie in diesem Jahr (68) gelangen den Broncos noch nie in der Klubgeschichte. Allerdings hakt es in der Offensive manchmal, denn Quarterback Bo Nix ist kein absoluter Top-Quarterback. In der zweiten Runde könnte trotz Rang eins in der Setzliste gegen die starken Teams aus Buffalo oder Jacksonville schon Schluss sein.

Quelle: ntv.de

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