Sport

Nach 2:0-Satzführung Nadal unterliegt in epischem Krimi

232414331.jpg

Rafael Nadal verzweifelte spät.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Rafael Nadal scheitert überraschend im Viertelfinale der Australian Open. Der Spanier sieht lange wie der sichere Sieger aus, dann gibt er das Match noch aus der Hand. Am Ende eines dramatischen Marathonduells jubelt Stefanos Tsitsipas.

Mit dem Halbfinaleinzug in greifbarer Nähe ist der spanische Tennisstar Rafael Nadal bei den Australian Open doch noch überraschend ausgeschieden. Nach einer zunächst einseitigen Vorstellung verlor der Weltranglisten-Zweite in Melbourne ein außergewöhnliches Tennis-Spektakel über fünf Sätze gegen den griechischen Herausforderer Stefanos Tsitsipas 6:3, 6:2, 6:7 (4:7), 4:6, 5:7.

4 Stunden und 5 Minuten dauerte das Match schon, als Tsitsipas seinen dritten Matchball verwandelte. "Ich bin sprachlos. Ich habe keine Worte für das, was auf dem Platz passiert ist", sagte der Grieche, der zum dritten Mal das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichte: "Es ist ein unglaubliches Gefühl, auf so einem Level zu kämpfen." Im dritten Satz kippte das Match zugunsten von Tsitsipas. "Ich habe sehr nervös angefangen. Ich weiß nicht, was im dritten Satz passiert ist. Ich bin wie ein kleiner Vogel geflogen."

Dass er überhaupt so lange im Match blieb, dafür hatte Tsitsipas dann aber eine klare Erklärung: "Meine Nerven im Griff zu haben, war ein sehr wichtiges Element. Ich habe das in vielen Matches nicht geschafft. Ein großer Teil des Sieges liegt daran, dass meine Stimmung gleich geblieben ist, und ich in den entscheidenden Momenten ruhig geblieben bin."

"Andere Klasse, die Nadal spielt"

Damit ist für Nadal die Chance in Melbourne dahin auf den 21. Grand-Slam-Titel, mit dem er alleiniger Rekordsieger vor Roger Federer werden wollte. Der Weltranglisten-Sechste Tsitsipas zog zum zweiten Mal nach 2019 in die Vorschlussrunde der Australian Open ein und fordert am Freitag den Russen Daniil Medwedew heraus, der bisher einen imponierenden Eindruck hinterlässt. "Er ist in sehr guter Form. Ich freue mich sehr auf das Match", sagte Tsitsipas.

Der Mittwoch im Melbourne Park war einer dieser Tennis-Tage, an denen die junge Tennis-Generation die langjährigen Branchenanführer nicht nur ärgern konnte. Lange sah das Viertelfinal-Duell zwischen Nadal und Tsitsipas wie eine einseitige Angelegenheit aus. Der Herausforderer spiele zu "brav", ihm fehle der Mut, kommentierte Eurosport-Fachmann Boris Becker: "Das ist eine andere Klasse, die Nadal heute spielt." Doch ab dem dritten Satz änderte sich das gewaltig.

Im Tiebreak überließ Nadal seinem Kontrahenten mit seltenen Fehlern, darunter einem völlig verpatzten Schmetterball, leichte Punkte und musste seinen ersten Satzverlust im Turnierverlauf hinnehmen. Tsitsipas steigerte sich, Nadal musste auf einmal härter um seine Aufschlagspiele kämpfen. Zwar kassierte Tsitsipas bei 3:3 im vierten Durchgang eine Verwarnung. Bei 4:4 ließ er noch ein Insekt vom Platz entfernen, doch dann gelang ihm das Break - und wenig später der Satzausgleich. Im entscheidenden Satz nahm der 22-jährige Nadal den Aufschlag zum 6:5 zu Null ab, zwei Matchbälle wehrte Nadal noch ab. "Das Beste, was ich von Tsitsipas je gesehen habe", lobte Becker.

Medwedew bleibt unschlagbar

Der Grieche machte es am Ende besser als am Vortag der Hamburger Alexander Zverev, der gegen Djokovic als letzter deutscher Teilnehmer ausgeschieden war. Medwedew dürfte es allerdings freuen, dass sein nächster Gegner über fünf Sätze gehen musste. Mit dem eindrucksvollen 7:5, 6:3, 6:2 gegen seinen Landsmann Andrej Rubljow baute der Weltranglisten-Vierte gleich zwei imponierende Serien aus. "Es ist nie einfach", sagte Medwedew nach dem Erfolg gegen seinen sichtlich von der Hitze geplagten Kumpel und Teamkollegen. "Aber wir wollen alle gewinnen und ins Halbfinale eines Grand Slams."

Zum dritten Mal hat das der Anführer einer starken russischen Tennis-Generation nach seinem Final-Einzug bei den US Open 2019 (Niederlage gegen Rafael Nadal) und dem Halbfinale in New York 2020 (Niederlage gegen den späteren Champion Dominic Thiem) geschafft - nun aber zum ersten Mal bei den Australian Open im Jahr 2021. Und das souverän, obwohl auch der ATP-Finals-Champion am Ende Krämpfe hatte und sich nach dem Match zunächst vom Physiotherapeuten behandeln ließ, noch bevor er zum Siegerinterview ans Mikrofon trat. Weitaus beeindruckender noch als seine Grand-Slam-Bilanz sind allerdings zwei Zahlen, die die aktuelle Form Medwedews bekräftigen: Für ihn war es saisonübergreifend der 19. Sieg in Serie und der elfte nacheinander gegen einen Top-Ten-Mann.

Quelle: ntv.de, ter/dpa