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Vom "Handtuchkopf" zur Ikone Nav Bhatia - der inspirierende NBA-Superfan

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Mal nicht an der Seitenlinie und trotzdem sind die Toronto Raptors dabei: Nav Bhatia unterstütze 2015 den Wahlkampf des Kanadischen Premierministers Stephen Harper.

(Foto: AP)

Vom Tellerwäscher zum Millionär, heißt es in den USA. In Kanada hat Nav Bhatia eine ähnliche Erfolgsstory. Der Inder fing klein an und stieg zum Superfan der Toronto Raptors auf, der noch kein einziges der 1158 Heimspiele (!) verpasste. Seine Geschichte rührt sogar NBA-Finalgegner Golden State.

Die Frage nach dem bekanntesten Fan der Toronto Raptors dürfte für viele schnell beantwortet sein: Aubrey Drake Graham, besser bekannt unter seinen Künstlernamen "Drake". Bei allen wichtigen Spielen des kanadischen Klubs, sitzt, steht oder gestikuliert der in Toronto geborene und aufgewachsene Rapper medienwirksam an der Seitenlinie.

Doch die Raptors haben neben ihrem Promi-Fan auch noch einen "Super-Fan". Sein Name: Nav Bhatia. Sein Twitter-Handle: @superfan_nav. Seine Geschichte laut US-Fernsehsender NBC: "inspirierend". Die Tageszeitung "Globe and Mail" schreibt über Bhatia: "Er ist nicht nur ein Typ aus Toronto. Er ist Toronto."

Bhatia verkörpert Torontos Vielfältigkeit

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Denn Bhatia verkörpert die Vielfältigkeit von Kanadas größter Stadt. Der Immigrant aus Indien bringt in der Multi-Kulti-Metropole die Religionen, die Ethnien, die Menschen unterschiedlicher Hautfarben zusammen - und zwar bei den Heimspielen der Raptors. Der Mann mit dem Turban und dem imposanten Vollbart kauft jährlich Eintrittskarten im Wert von rund 300.000 Dollar - um sie zu verschenken. So ermöglicht er vor allem Kindern aus Einwanderer-Familien den ansonsten für sie unbezahlbaren Besuch von NBA-Partien: "Basketball ist für mich etwas, das uns vereint. Und ich nutze Basketball, um Leute zusammenzubringen - denn darum geht es doch im Leben."

Bhatia ist längst eine Ikone. Er wedelt an der Seitenlinie begeistert mit seinem weißen Handtuch. Er feuert an. Er fiebert mit. Er ist 67 Jahre alt - und derzeit so euphorisiert, wie noch nie. Denn die Raptors stehen erstmals in der NBA-Finalserie. Kanadas einziger Klub spielt in der besten Basketball-Liga der Welt gegen Titelverteidiger und Dauer-Finalist Golden State Warriors um die Meisterschaft. "Ich bin überglücklich, denke immer noch, ich träume und kneife mich deshalb ab und zu", sagt Bhatia. "Es klingt immer noch irrwitzig - aber wir sind in den NBA-Finals."

Arbeitskollegen beleidigen ihn als "Handtuchkopf"

Abo-Finalist vs Debütant

Im NBA-Finale 2019 kommt es zum Duell zwischen Titelverteidiger Golden State Warriors und den Toronto Raptors, das erste Spiel steigt in der Nacht zu Freitag ab 3 Uhr (DAZN). Während die Warriors im fünften Finale in Folge stehen und den Titel-Hattrick perfekt machen wollen, debütieren die Raptors als erstes kanadisches Team in den Finals. Toronto hat in den ersten beiden Spielen Heimrecht, dann geht es für die Partien drei und vier nach Oakland.

So bekannt Nav Bhatia heute in Toronto ist, so hart waren seine Anfänge. In den Achtzigern war er nach Kanada gekommen - wie so viele Inder. Im zweitgrößten Land der Erde wollte er sich ein besseres Leben aufbauen. Doch Bhatia hatte Mühe, die monatlichen 300 Dollar Miete für sein kleines Apartment aufzubringen. Arbeitskollegen machten sich über sein Äußeres lustig, beleidigten den Sikh wegen seines Turbans als "Handtuchkopf". Ihm sei schnell klargeworden, sagt Bhatia, "um mich durchzusetzen, muss ich besser sein als sie." Der Maschinenbau-Ingenieur verdiente seine ersten Dollar als Autoverkäufer. Bhatia hatte mit seiner ehrlichen und freundlichen Art schnell Erfolg und so viel Geld verdient, dass er das gesamte Autohaus kaufte. Mittlerweile sind etliche hinzugekommen.

Als er im Herbst 1995 erstmals zu einem Raptors-Spiel ging, war Bhatia kein Basketball-Fan. Aber er war neugierig. Und sofort angetan. Als einer der 33.306 Zuschauer sah er am 3. November 1995 im SkyDome direkt unterhalb von Torontos berühmtem CN-Tower den 94:79-Sieg der Raptors gegen die New Jersey Nets im allerersten Pflichtspiel. "Damals", erinnert er sich, "gab es noch nicht viele dunkelhäutige Zuschauer bei den Spielen. Und ich war der Einzige mit Turban."

Keines der 1158 Heimspiele verpasst

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Die Raptors haben seitdem viele Spieler, Coaches und Manager gehabt - Bhatia hat sie alle kommen und auch wieder gehen sehen. Die einzige Konstante in all den Jahren ist er. Bhatia hat, wie er sagt, "noch kein Raptors-Match in Toronto verpasst." 24 Spielzeiten, 1158 Partien. Er sei zudem noch nie zu spät zum Tipoff gekommen oder vor der Schluss-Sirene nach Hause gegangen, hebt Bhatia hervor. Er saß am Sonnabend am Spielfeldrand, als den Raptors durch einen 100:94-Erfolg gegen Milwaukee der entscheidende Sieg zum Einzug in die Endspiele gelang. Andere Anhänger tragen Toronto-Trikots mit den Namen der Stars wie Leonard, Lowry, Ibaka oder Siakam - und die dazugehörigen Rückennummern eben jener Spieler. Bhatia hat sein Jersey mit der 95 bedruckt - und oben drüber Superfan schreiben lassen. Die 95 geht auf seinen Basketball-Beginn vor 24 Jahren zurück.

Nav Bhatia ist immer gut gelaunt. Der Mann mit dem so sympathischen Lächeln sieht trotz einiger Rückschläge vor allem das Positive. In der Halbfinalserie zwischen den Raptors und den Milwaukee Bucks hatte ein Fan des Gegners ihn auf Twitter als "fetter Typ aus Indien" beleidigt, der "einen Schlüpfer auf dem Kopf" trage. Die Reaktionen blieben nicht aus, der Vorfall wurde Twitter gemeldet.

Warriors-Trainer Kerr liebt Bhatias Story

Beim anschließenden Auswärtsspiel in Milwaukee seien "200 bis 300 Bucks-Fans auf mich zugekommen und haben mich umarmt", sagt Bhatia. Und der Übeltäter meldete sich schließlich telefonisch bei ihm, entschuldigte sich. Bhatia bot im Gegenzug an, ihn bei der nächsten Raptors-Partie in Milwaukee zum Abendessen einzuladen. "Wir haben also aus etwas Negativem etwas Positives gemacht." Im Vorfeld der NBA-Finals ist Nav Bhatias Geschichte auch in den USA bekannt geworden. Warriors-Trainer Steve Kerr nannte sie "fantastisch" und empfahl seinen mehr als 440.000 Twitter-Followern, sich Bhatias Werdegang durchzulesen.

Wenn heute Nacht die Raptors Kerrs Kalifornische "Krieger" zum ersten Finalspiel empfangen, sitzt Drake wieder Courtside. Und auch Nav Bhatia wird seinen Platz an der Seitenlinie haben. Er wolle die Endspiele genießen und könne nur jedem empfehlen, dies auch zu tun, sagt er. Denn wer wisse schon, "wann wir mal wieder eine solche einzigartige Gelegenheit bekommen", betont Bhatia. Sein Final-Tipp: "Die Raptors gewinnen in sechs Spielen - hoffentlich."

Quelle: n-tv.de

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