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"Der größte Schwachsinn" Neureuther schimpft über Ski-Innovation

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Neureuther hat wenig Liebe übrig für die neuen Wettbewerbe. Damit ist er nicht allein.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Mit neuen Formaten wie dem Parallel-Slalom will der Ski-Weltverband neue Fans anlocken. Was gut klingt, stößt bei den Athleten auf wenig Zustimmung. Sie fühlen sich als Showfiguren, sprechen offen von Boykott. Ex-Star Felix Neureuther fordert: "Das muss weg!"

Felix Neureuther hat genug gesehen. "Dieses ganze Parallel-Gedöns! Dass das Teil des Weltcups ist, das ist der größte Schwachsinn aller Zeiten", schimpft der erfolgreichste deutsche Weltcup-Skirennläufer in der österreichischen "Kronen Zeitung": "Das hat nichts mit diesem Skisport zu tun, den wir lieben. Das muss weg vom Weltcup!"

Neureuthers Ärger kommt nicht von ungefähr. Der Parallel-Riesenslalom am Sonntag in Chamonix, wo Alexander Schmid auf Rang drei gefahren war, hat die Kritiker erneut auf den Plan gerufen. "Ich fühle mich verschaukelt", polterte der Franzose Alexis Pinturault, einer der Top-Stars der Szene, "wir Athleten werden als Spielfiguren einer Show angesehen und nicht als Akteure einer Sportart." Der Schweizer Daniel Yule, überragender Slalomfahrer des Winters und Athletensprecher, fragte: "Sollen wir einen Boykott lancieren?"

"Wir sind doch keine Snowboarder"

Neureuther wäre sicherlich dabei, hätte er sich nicht im vergangenen Frühjahr vom aktiven Sport zurückgezogen. Doch auch als ARD-Experte sorgt er sich um die Zukunft seiner ewigen Liebe. Von den Parallel-Rennen, das machte er überdeutlich, hält er gar nichts. "Nur pushen, pushen, pushen und ein, zwei Übergänge. Wir sind doch keine Snowboarder", sagte er: "Die Kunst, sich auf diesen schmalen Dingern zu bewegen, muss wieder in den Vordergrund rücken. Bitte, liebe Leute von der FIS, das muss gestoppt werden."

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Die Athleten halten offenbar wenig von den Parallel-Wettbewerben, hier der Riesenslalom in Chamonix.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Doch der Internationale Skiverband (FIS) setzt im Werben um ein jüngeres Publikum seit geraumer Zeit unbeirrt auf neue Formate wie Team Event, Parallel-Slalom oder -Riesenslalom. Bereits seit 2005 wird im Mannschaftswettbewerb um WM-Medaillen gefahren, seit 2018 ist er olympisch. Im Einzel soll 2021 in Cortina d'Ampezzo erstmals um den WM-Titel gefahren werden.

Eine Weltcup-Wertung ohne Wert

In dieser Saison wird sogar erstmals eine eigene Kristallkugel für die Parallel-Besten vergeben - bei den Männern nach nur zwei (bereits absolvierten) Rennen, bei den Frauen nach drei. Der Schweizer Loic Meillard, der die Gesamtwertung mit seinem ersten Weltcup-Sieg in Chamonix gewann, kann dem wenig abgewinnen. "Die Kristallkugel ist sicher etwas Schönes, aber ich hätte lieber eine im Slalom oder Riesenslalom. Die Kugel soll ja den Besten der Saison auszeichnen", sagte er.

Grundsätzlich, sagen viele Vertreter aus der Szene, sei der Weg hin zum direkten Duell ein richtiger Schritt. Die Umsetzung aber sei misslungen, meint etwa der zweimalige Olympiasieger Ted Ligety, ein Kumpel Neureuthers. Aktuell stören sich zahlreiche Athleten daran, dass die Finalrunden nur noch in einem Lauf auf unterschiedlich schnellen Kursen ausgefahren werden. Glück bei der Auslosung, meinte Pinturault, sei wichtiger als sportliche Leistung. Neureuther schlägt deshalb die Abschaffung - und eine Rückkehr "zu den Zeiten meiner Eltern" vor: "Zehn Abfahrten, zehn Riesentorläufe, zehn Slaloms. Gefahren wird an den richtig geilen Traditionsorten: Kitz, Schladming, Garmisch, Bormio, St. Moritz, Wengen, Beaver Creek. Freitag Nachtslalom, Samstag Abfahrt, Sonntag Riesentorlauf."

Quelle: ntv.de, Marco Mader, sid