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Anti-Doping-System lahmgelegt Olympia drohen die "schmutzigsten Spiele"

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Aufgrund von Reisebeschränkungen ist die Zahl der Dopingtests momentan so klein wie lange nicht.

(Foto: imago images/Picture Point)

Das IOC hält weiter an Olympia 2020 fest. Doping-Fahnder warnen, dass die Spiele in Tokio ein Fest für gedopte Sportlerinnen und Sportler werden könnten. Denn die weltweiten Einschränkungen wegen des Coronavirus schränken das Kontrollsystem ein. Deshalb stellen die Experten eine klare Forderung.

Führende Anti-Doping-Experten haben im Aktuellen Sportstudio des ZDF die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio gefordert. Travis Tygart, Vorsitzender der US-Anti-Doping-Agentur Usada, sprach von ernsthaften Problemen "für das globale Anti-Doping-System. Die Fairness gegenüber den Sportlern bleibt auf der Strecke, das ist ein sehr hohes Risiko. Andere Meinungen sind unwahr."

Er sehe das Thema Olympia "von meinem Anti-Doping-Standpunkt aus", sagte Tygart, und er spreche auch für die sauberen Sportler: "Die Spiele müssen verlegt werden, sodass wir Olympia nicht nur Olympia wegen durchführen, sondern um sicherzugehen, dass wir nicht die schmutzigsten Spiele überhaupt erleben werden."

Andrea Gotzmann, Vorsitzende der Nationalen-Anti-Doping-Agentur Nada, gab zu, dass "wir derzeit kein normales Doping-Kontrollsystem durchführen. Das ist schon seit zehn Tagen so, dass wir mit dem Aufkommen der Corona-Problematik unser System des Dopingkontrollaufwandes zurückgefahren haben." Man habe gesehen, so Gotzmann, "dass die EM im Fußball um ein Jahr verschoben wurde, und der zeitliche Versatz zu den Olympischen Spielen ist nicht so groß. Ich glaube, man muss über einen Plan B nachdenken."

Wann wird wieder regulär getestet?

Ähnlich wie Tygart äußert sich auch der renommierte Anti-Doping-Experte Professor Fritz Sörgel im Gespräch mit Sport1. "Die Chance des Dopings ist jetzt auf jeden Fall gegeben, und auch die Chance, dadurch einen Leistungssprung zu machen", sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg.

Da medizinisches Personal im Kampf gegen das Coronavirus auf allen Ebenen benötigt werde und sich ohne Wettkämpfe auch die Zahl der Trainingskontrollen reduziere, sieht Sörgel dem Betrug Tür und Tor geöffnet: "Wenn jetzt in anderen Ländern mit einer anderen Regelmäßigkeit getestet wird, ist das natürlich ein erheblicher Nachteil für die deutschen Sportler." Sörgel geht davon aus, dass es, "wenn man es realistisch betrachtet", vor Anfang 2021 "ein reguläres Doping-Kontrollsystem nicht wieder geben" wird.

Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada sprach von einem "riesigen Problem für uns alle, für die gesamte Anti-Doping-Gemeinschaft und den Sport. Wir müssen alles dafür tun, das schnellstmöglich zu ändern und den Krieg gegen Corona zu gewinnen", sagte der Pole Witold Banka: "Doch die Zeiten sind sehr schwierig, und viele Testprogramme weltweit sind aufgeschoben." Laut Banka sollte man "alles dafür tun, um die Gesundheit der Sportler zu gewährleisten. Und das sollten auch die Entscheider in Betracht ziehen."

Quelle: ntv.de, tsi/sid