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Größter Pferdezüchter der Welt Paul Schockemöhle wird 70

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Will noch mindestens "zwei bis vier Jahre" weitermachen: Paul Schockemöhle.

(Foto: picture alliance / dpa)

In jungen Jahren handelt er erfolgreich mit Eiern. Mittlerweile ist er im internationalen Pferdesport eine Legende. Ob als Reiter, Trainer oder Züchter, Paul Schockemöhle feiert in jeder Rolle Erfolg. Jetzt wird der immer noch umtriebige Niedersachse 70.

Bei einem Anruf meldet er sich einfach nur mit "Paul". Mehr ist auch nicht nötig, um zu wissen, dass man richtig verbunden ist. Paul Schockemöhle hat es immer so gehalten. Nicht viel reden, sondern machen. Nun wird der Mann, der dreimal Springreit-Europameister war und dann zum wohl größten Pferdezüchter der Welt wurde, 70 Jahre alt. Und immer noch packt der "Rentner" lieber selbst an, als nur in der Vergangenheit zu schwelgen.

Das erspart er sich auch an seinem runden Geburtstag. "Es gibt keine Feier, da wären zu viele Leute gekommen. Und ich würde immer noch welche vergessen", sagte der angehende Jubilar und teilte gewohnt schlicht mit: "Ich bin dann weg." Wo, wird nicht verraten. Paul will seine Ruhe haben, mit Ehefrau Bettina. Manchmal hat er es auch nötig. "Seit 15 Jahren habe ich keinen Urlaub mehr gemacht", sagte er. Er mache nichts anders als vor seinem 65. Geburtstag, "ich fühle mich wohl und mache viele Dinge, die mir Spaß machen". Dies soll auch so bleiben, "so lange das Gehirn mitmacht". Damit es weiter funktioniert, "spiele ich gerne auch mal eine Runde Skat. Das macht Spaß und ist zugleich Hirntraining", sagt Schockemöhle.

Beim Wunderpferd Totilas griff zu

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Für Totilas legte Schockemöhle einen zweistelligen Millionenbetrag auf den Tisch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schockemöhle lebt zielorientiert. Das wurde ihm förmlich in die Wiege gelegt. Im Elternhaus wuchs er als jüngstes von fünf Kindern heran. Und da die Kleinsten bekanntlich häufig so am Rande mitlaufen, bahnte er sich schnell seinen eigenen Weg. "Meine Unabhängigkeit ist mein größter Vorteil", sagt Schockemöhle heute. Sein ältester Bruder Alwin, 1960 in Rom Mannschafts- und 1976 in Montreal Einzel-Olympiasieger, erbte den elterlichen Hof. "Das war gemäß des Ältestenrechts", erklärt Paul Schockemöhle, der damit kein Problem hat. Was wäre wenn? Diese Frage stellt sich für ihn nicht.

Für etwaigen Futterneid gibt es auch keinen Anlass. Schockemöhle ist weltweit der wohl größte Pferdehändler. Auf seinem Gestüt Lewitz in Mecklenburg stehen 4000 Vierbeiner zum Verkauf, "95 Prozent davon gehen ins Ausland", sagt er. Es ist ein Milliardenmarkt, und Paul, der schon mit 17 Europas größter Eierproduzent war, mischt munter mit. Noch "zwei bis vier Jahre, dann soll es ruhiger werden. Ich bin dabei, meine Nachfolge zu regeln", so Schockemöhle. Seine zupackende Art wurde auch im Fall Totilas deutlich. Als das Wunder-Pferd bei der Dressur-WM 2010 drei Titel holte, schlug er kurzerhand zu und holte den Hengst für geschätzte zehn Millionen Euro nach Deutschland. Sportlich lief es nicht nach Wunsch, doch dank der Deckeinsätze dürfte sich für Schockemöhle das Geschäft längst gelohnt haben.

Reiter und Trainer

Auch sportlich setzte Schockemöhle Maßstäbe. Mit Deister 1981, 1983 und 1985 wurde er als erster Springreiter dreimal in Folge Europameister. An zehn Olympischen Spielen nahm er teil, "als Pfleger, Reiter, Besitzer und Trainer beispielsweise der Koreaner, Chinesen und Ukrainer", berichtet Schockemöhle, der aber auch Rückschläge zu verkraften hatte.

Seit einem Sturz vom Pferd 1989 saß Paul Schockemöhle nicht mehr im Sattel, ein Jahr später folgte die Barr-Affäre und nach einer Steueraffäre zahlte er zehn Millionen Mark Strafe. "Daraus habe ich gelernt, sie gehören zu meinem Leben", sagt er heute. So einfach kann es sein.

Quelle: n-tv.de, Jürgen Magh, sid

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