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"Paddeln auf dem Zahnfleisch" Platte Kanuten jubeln bei Europaspielen

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Der seit einem Jahr ungeschlagene deutsche Kajak-Vierer musste in Minsk eine Niederlage hinnehmen - freut sich aber auch über die Silber-Medaille.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Die Rennkanuten sind die erfolgreichste deutsche Abteilung bei den Europaspielen. Bei Olympia 2020 wollen sie wieder "die Kohlen aus dem Feuer holen". Ringerin Hemmer gewinnt Bronze. Das deutsche Team in Minsk holt am Donnerstag fünf Medaillen.

Der Präsident nahm's mit einem Schulterzucken hin. "Besser hier als nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen", sagte Thomas Konietzko, der erste Mann des Deutschen Kanuverbandes, nachdem der erfolgsverwöhnte Kajak-Vierer bei den Europaspielen zum ersten Mal seit der EM 2018 in Belgrad eine Niederlage hinnehmen musste. Am Donnerstag holten die deutschen Rennkanuten dreimal Silber sowie einmal Bronze und schraubten ihre Bilanz als erfolgreichster Teil des deutschen Minsk-Teams zum Abschluss ihrer Wettbewerbe auf sechs Medaillen. Die fünfte Medaille des Tages für die Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes holte Ringerin Nina Hemmer. Ihre Teamkameradin Francy Rädelt kämpft am Freitag um den Turniersieg.

"In Deutschland wird von uns immer Gold verlangt, aber mit Silber sind wir happy", betonte Kanute Max Rendschmidt, der sich zusammen mit Tom Liebscher, Ronny Rauhe und Max Lemke am Morgen über 500 Meter knapp Russland geschlagen geben musste. Bei Weltuntergangsstimmung mit strömendem Regen und starkem Wind am Nachmittag holten Lisa Jahn im olympischen Einer-Canadier sowie der Zweier-Kajak mit Franziska John und Tina Dietze ebenfalls Silber in den 200-Meter-Rennen. Max Hoff erkämpfte im Einer-Kajak auf der Langstrecke über 5000 Meter Bronze.

Die Rennen in Minsk waren auch als Europameisterschaft ausgeschrieben, dienten allerdings anders als in vielen anderen Sportarten nicht als Olympia-Qualifikation. Die deutschen Kanuten bestritten sie aus dem vollen Übungsbetrieb heraus. Unmittelbar vor der Reise nach Weißrussland verbrachten sie noch eine intensive Trainingswoche auf der Duisburger Wedau. "Heute hat sich noch einmal deutlich gezeigt, dass alle im Team von der langen ersten Saisonhälfte geschlaucht sind und praktisch auf dem Zahnfleisch paddeln", sagte Sportdirektor Jens Kahl. Rendschmidt sieht in der Niederlage auf der Regattastrecke Zaslavl einen Ansporn für die seit 2017 in dieser Formation fahrende Vierer-Besatzung.

"Schub" für Kanuten, Medaillen für Ringer, Pleite für Schützen

"Das wird uns einen kleinen Schub geben, um noch härter zu trainieren, so dass wir bei der WM wieder vorne sind." Die Titelkämpfe Ende August im ungarischen Szeged sind der Saisonhöhepunkt der Kanuten. Dort werden die Quotenplätze für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr vergeben. In Tokio, so das von Präsident Konietzko ausgegebene Ziel, wollen die Kanuten wie so oft für die Mannschaft des DOSB den Medaillenspiegel aufhübschen und "die Kohlen aus dem Feuer holen". Der Vierer soll dann wieder das Flaggschiff sein. "Wir haben alle ein Ziel: Dort die richtige Medaille um den Hals hängen zu haben", sagte Rauhe - nahm das Wort Gold aber nicht in den Mund.

Ringerin Hemmer setzte sich in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm in einem unspektakulären Kampf mit 2:0 gegen die Türkin Zeynep Yetgil durch. Ihre Teamkollegin Francy Rädelt steht am Freitag  im Finale gegen Wassilissa Marsaljuk aus Weißrussland (bis 76 kg). Im Halbfinale gewann die Athletin aus Frankfurt/Oder im Sportpalast der weißrussischen Metropole mit 11:1 gegen die Aserbaidschanerin Sabira Alijewa. Die Schützen dagegen setzten die Reihe der Enttäuschungen fort. Die Harzerin Jolyn Beer ging zwar als Siegerin der Qualifikation ins Finale im Dreistellungskampf der Gewehrschützinnen, konnte ihr Potenzial dort aber bei weitem nicht abrufen. Sie wurde nur Achte und verpasste damit den erhofften Quotenplatz für Tokio 2020.

Drei deutsche Boxer kämpfen am Freitag in unterschiedlichen Gewichtsklassen um den Finaleinzug. Nadine Apetz und Nelvie Tiafack sowie Sharafa Raman treten im Halbfinale an und haben damit Bronze bereits sicher. Die Finalkämpfe des Boxturniers finden am Wochenende statt. Am Sonntag enden die 2. Europaspiele.

Quelle: n-tv.de, Martin Beils, dpa