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"Fühlen uns nicht mehr sicher" Radprofis fordern Abbruch des Giro d'Italia

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Die Stimmung scheint auf dem Tiefpunkt angekommen zu sein.

(Foto: imago images/Sirotti)

Eigentlich soll die Blase die Radprofis beim Giro d'Italia schützen. Doch die Blase ist "eindeutig beschädigt", erklärt ein Team und fordert das Ende der Rundfahrt. Ein Profi glaubt sogar, "dass die Organisation hier Dinge verheimlicht".

Auf dem langen Weg nach Monselice war das mulmige Gefühl zurück. Jedes Husten eines Fahrers sorgte auf der 13. Etappe des Giro d'Italia für Unbehagen, ans Abstandhalten war im Feld nicht zu denken. Die Angst geht um im Peloton - und die 103. Italien-Rundfahrt droht im Corona-Chaos zu versinken. Steigende Infektionszahlen in Italien (8803 Neuinfektionen am Donnerstag) und Zweifel an den Maßnahmen der Veranstalter gefährden den weiteren Verlauf der Rundfahrt - EF Pro Cycling hat als erstes Team bereits den Abbruch gefordert, berichtet Eurosport.

Die Blase zum Schutz der Teams sei "eindeutig beschädigt" und "weitere Erkrankungen" seien zu erwarten. Ein geordnetes Ende des Giro-Rennens am zweiten Ruhetag am Montag sei daher besser als der chaotische Rückzug einzelner Teams. Diesen hat es durch Mitchelton-Scott und Jumbo-Visma bereits gegeben. EF Pro Cycling will, sollte einer seiner Fahrer positiv getestet werden, nachziehen. Mit den Sorgen steht EF Pro Cycling nicht allein da.

Der Belgier Thomas De Gendt von Lotto-Soudal berichtete von hitzigen Diskussionen im Teambus über einen Startverzicht vor der zwölften Etappe. "Die Dinge laufen sehr schlecht", sagte er, "wir fühlen uns nicht sicher". Er habe Fahrer im Rennen husten hören. "Am Ende kannst du dich nicht mehr konzentrieren. Ich bin einer der Fahrer, die lieber nicht mehr starten würden", sagte er. Acht positive Corona-Befunde bei fünf Teams hatte es bei der Testreihe am Montag gegeben. Bereits zuvor war der britische Mitfavorit Simon Yates mit einer Covid-19-Infektion ausgestiegen.

"Es ist viel Geld im Spiel"

Was die Veranstalter als Beleg für das Funktionieren des Hygienekonzepts werteten, sorgte im Feld eher für Skepsis. Und es gibt weitere Vorwürfe. Der Niederländer Jos Van Emden, als Mitglied des Teams Jumbo-Visma nicht mehr im Rennen, beschwerte sich über die Organisatoren. Schon im ersten Hotel hätten sich mindestens vier Teams eine Unterkunft mit Polizei, Fahrern neutraler Begleitfahrzeuge und selbst ganz normalen Gästen geteilt. "Sie haben alle vom selben Buffet gegessen. Das war ein großer Fehler", sagte Van Emden.

Für Wirbel sorgte auch eine Nachricht vom E-Bike-Rennen Giro-E, das parallel im Giro-Rahmenprogramm stattfindet. 17 Polizeibeamte wurden dort positiv getestet. Allerdings, versicherte Veranstalter RCS Sport, seien diese nicht beim Giro eingesetzt worden. Doch die Glaubwürdigkeit der Giro-Macher wird längst infrage gestellt. "Ja, ja, ja, ja... das ist die Erklärung, die sie abgeben", sagte De Gendt, "ich glaube, dass die Organisation hier Dinge verheimlicht. Es ist viel Geld im Spiel, für die Sponsoren ist es sehr wichtig, dass wir bis nach Mailand kommen."

Bei der Tour de France habe er sich zu keiner Zeit unsicher gefühlt, nun sorge er sich um seine Familie: "Ich möchte niemanden anstecken." Die UCI und RCS Sport reagierten auf den Vorstoß des Teams EF Pro Cycling mit zusätzlichen Antigentests am Donnerstag und Freitag. Ein Abbruch stehe aber nicht zur Debatte. Das Giro-Rennen soll am 25. Oktober Mailand erreichen.

Das ist auch das erklärte Ziel von Renndirektor Mauro Vegni, der die Hygieneprotokolle verteidigte und die Teams in die Verantwortung nahm. "Ich respektiere die Fahrer, aber es gab innerhalb der Teams Nachlässigkeiten in der Blase", sagte er: "Ich sehe nicht, warum das Giro-Rennen schlechter gemacht werden sollte als andere Rennen."

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid