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Kronzeuge spricht in ARD-Doku Rodschenkow: Putin wusste vom Doping

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Wer wusste was? Thomas Bach und Wladimir Putin Ende Februar 2014 bei der Schlussfeier in Sotschi.

(Foto: dpa)

Kronzeuge Rodschenkow bezichtigt Russlands Präsidenten Putin der Mitwisserschaft am Dopingbetrug bei den Winterspielen in Sotschi. In der Dokumentation "Geheimsache Doping" sagt er in der ARD: "Ein Doping-System gab es schon weit vor 2014."

Whistleblower Grigori Rodschenkow wirft Russlands Staatspräsident Wladimir Putin Mitwisserschaft bei der Doping-Vertuschung während der Winterspiele 2014 in Sotschi vor. In der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Das Olympia-Komplott", die an diesem Montag ab 22.45 Uhr ausgestrahlt wird, sagte Rodschenkow: "Ja. Er kann es nicht leugnen." Der in die USA geflüchtete frühere Leiter des Moskauer Doping-Analyselabors sagte zudem, es habe schon weit vor Sotschi einen Plan und ein Doping-System in Russland gegeben.

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"Natürlich kam es von ganz oben, vom Präsidenten": Grigori Rodschenkow.

(Foto: imago/Golovanov + Kivrin)

Für Verunsicherung sorgte die Welt-Anti-Doping-Agentur vor der Eröffnung der Winterspiele am 9. Februar in Pyeongchang mit der Mitteilung, es würden Unversehrtheitsprobleme mit den neuen Urin-Probenflaschen untersucht. Damit reagierte die Wada offenbar auf den zweiten Teil der ARD-Doku "Geheimsache Doping", die nun auch heute gesendet werden soll. Die Wada wurde vom Kölner Analyselabor am 19. Januar darüber informiert, dass die Flaschen beim Einfrieren einer Probe manuell geöffnet werden könnten. Die Behälter waren nach dem Doping-Skandal in Russland neu gestaltet worden.

Rodschenkow hatte im Mai 2016 der "New York Times" über den Doping-Betrug und Proben-Austausch mit Hilfe des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB bei den Sotschi-Spielen berichtet. "Natürlich kam es von ganz oben, vom Präsidenten. Weil nur der Präsident den FSB für eine solche spezielle Aufgabe engagieren könnte", sagte der unter Zeugenschutz lebende Rodschenkow per Audioeinspielung aus seinem Versteck in den USA der ARD. Ihm sei bewusst gewesen, dass Putin von dem damaligen Sportminister Witali Mutko nicht nur "umfangreiche und genaue Details" bekommen habe.

"Alle russischen Athleten waren gedopt"

Putin habe alles wissen wollen, sein Ansatz sei gewesen: "Verschweigen Sie ihre Probleme nicht, nennen Sie Ihre Probleme und die Gefahren offen, und wir tun alles, um ihre Probleme zu lösen." Russlands Präsident bezeichnete Rodschenkow, zentrale Figur des Doping-Systems in seinem Land, wiederholt als nicht glaubwürdig. Das Internationale Olympische Komitee hat auch auf Grundlage von Rodschenkows Aussagen das Nationale Olympische Komitee Russlands gesperrt. Es lässt aber 169 individuell geprüfte Athleten des Landes bei den Winterspielen im Februar - ohne Hymne, Fahne und eigene Kleidung - an den Start gehen.

Der Internationale Sportgerichtshof Cas entscheidet derzeit über Einsprüche russischer Athleten, die vom IOC lebenslang für Olympia gesperrt wurden. Knapp zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier in Pyeongchang bestätigte Rodschenkow Dokumente, die der ARD zugespielt wurden und die den Verdacht erhärten, dass in Russland schon lange vor den Spielen 2014 in Sotschi systematisch und geplant gedopt wurde. Dabei habe zunächst vor allem die Leichtathletik im Zentrum gestanden. "Vor Peking war es sehr einfach. Man konnte tun, was man wollte - und alle russischen Athleten des Nationalteams waren gedopt", erklärte Rodschenkow. "Zwischen Peking 2008 und London 2012 haben wir unsere Strategie geändert, wie man Doping vertuschen kann. Wir haben alles kontrolliert." Für Sotschi sei das Staatsdoping zur Perfektion gebracht worden.

Im Exekutivkomitee des IOC mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach an der Spitze sei eine Debatte über Russland nicht erwünscht gewesen, berichtete Claudia Bokel, frühere IOC-Athletensprecherin in der Dokumentation. "Wir wollten, dass harte Konsequenzen kommen für Russland. Und dass eben Russland von den Spielen ausgeschlossen wird in Rio, beziehungsweise in Pyeongchang", sagte die heutige Präsidentin der deutschen Fechter. "In der Exekutive durfte das nicht diskutiert werden. Also, über mögliche Konsequenzen wurde da eben nicht diskutiert. Und dann ist das Thema wieder vom Tisch gewesen."

Ihr sei es dabei nicht gut gegangen. "Ich hab da abends nicht schlafen können. Ich hab' geweint. Ich hab' gesagt, ich trete zurück", sagte Bokel, die mit zwei anderen Mitgliedern der IOC-Exekutive in eine Kommission berufen wurde. Das Gremium prüfte vor Beginn der Rio-Spiele die Unterlagen der Weltverbände, die auf Veranlassung des IOC über die Startzulassung einzelner Russen befinden sollten. Die frühere Degen-Weltmeisterin erklärte, bei Ansicht der Unterlagen habe sie erkannt, dass eine sorgfältige Überprüfung in der Kürze der Zeit in vielen Fällen nicht möglich gewesen sei. In Rio sollten laut IOC nur Sportler an den Start gegen dürfen, die zuvor unabhängig auf Doping getestet worden waren.

Quelle: n-tv.de, Andreas Schirmer, dpa

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