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Massensturz auf 2. Tour-Etappe Sagan gewinnt, Defekt stoppt Kittel

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Peter Sagan gewinnt die zweite Etappe der Tour.

(Foto: dpa)

Ein heftiger Sturz kurz vor dem Finale der 2. Etappe der Tour de France wirbelt das Fahrerfeld durcheinander. In dem reduzierten Massensprint setzt sich Weltmeister Peter Sagan durch. Womöglich auf Kosten von John Degenkolb. Dessen Team legt Protest ein.

Am Vortag stoppte Marcel Kittel ein Tour-Neuling, in La Roche-sur-Yon eine Reifenpanne im Finale: Im Ziel der zweiten Etappe der 105. Tour de France war der Weg damit frei für Weltmeister Peter Sagan. Der Slowake schlug zurück und reagierte damit auf seine Weise auf den Tour-Ausschluss vom Vorjahr. Der Kapitän des Bora-hansgrohe-Teams gewann nach 182,5 Kilometern, revanchierte sich für die Niederlage am Vortag gegen den am Sonntag im Finale gestürzten Fernando Gaviria und nahm dem Novizen aus Kolumbien das Gelbe Trikot ab. Allerdings gab es einen Protest.

Marcel Kittel, im Vorjahr in Frankreich nach seiner Siegesserie als "Le Kaiser" verehrt, hatte nach seinem dritten Platz vom Vortag Pech und ist jetzt Gesamt-Vierter. 7,6 Kilometer vor dem Ziel zerstörte eine Reifenpanne seine Hoffnungen. "Da kannst du nichts machen, ich hatte keine Chance", war seine erste Reaktion. André Greipel beendet die Etappe als Vierter.

Nervenkrieg am Straßenrand

Der Vorjahressieger Chris Froome versuchte, sich von seinem - gesundheitlich folgenlosen - Sturz und den 51 Sekunden Rückstand auf die Mitfavoriten Tom Dumoulin und Vincenzo Nibali zu erholen. "So ist der Radsport - niemand trifft eine Schuld", reagierte der erst am Montag vom Doping-Verdacht freigesprochene Brite relativ relaxt auf seinen unfreiwilligen Ausflug auf ein Stoppelfeld.

Der Nervenkrieg am Straßenrand mit Pfiffen und Schmähplakaten setzt ihm dagegen weiter zu. Das Ziel der 2. Etappe in Roche-sur-Yon erreichte Froome nach 182,5 Kilometern aber wenigstens zeitgleich mit dem Tagessieger.

Kittel, im Vorjahr mit fünf Etappenerfolgen der Tour-Überflieger, trug am Sonntag das Grüne Trikot für den Punktbesten nur in Vertretung. Eigentlich gehörte es Gaviria, aber der trug Gelb. Der 30 Jahre alte Sonnyboy aus Arnstadt, mit 14 Siegen erfolgreichster deutscher Radprofi in der Tour-Geschichte nach Etappensiegen gerechnet, sah sich beim Etappenstart in einer aktuellen Form-Skala von eins bis zehn "auf Position acht". Da ist noch Luft nach oben - auch in der Sprint-Abstimmung im Team. "Wir kriegen das alles noch besser auf die Reihe, das weiß ich", versprach der Katusha-Alpecin-Kapitän. Am Sonntag konnte er sein Vorhaben nicht umsetzen.

So früh und so heftig war der Seriensieger Froome in einer Rundfahrt noch nie unter Druck. Der Sturz war Ausdruck dafür. Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel wollte der Sky-Kapitän am Samstag an einer engen Passage in höchstem Tempo an Rick Zabel vorbei, landete bei dem Versuch aber im Gras abseits der Piste. "Man kann auf dem Aufnahmen des Onboard-Videos gut sehen: Chris versucht nach vorne zu kommen, und ich halte meine Position. Da ist aber nicht viel Platz. Die Straße wird dann noch mal enger durch die Werbeplanen", sagte der Kittel-Anfahrer Zabel der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin froh, dass Chris sich nicht schwerer verletzt hat, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen".

Zuschauer applaudieren nach Froome-Sturz

Nach der für ihn glimpflich ausgegangen Salbutamol-Affäre verneigt sich Frankreich nicht gerade aus Zuneigung vor ihm. Als sein Sturz auf den Videoleinwänden im Zielbereich in Fontenay-le-Comte flimmerte, applaudierten und jubelten einige Zuschauer.

Das 35,5 Kilometer lange und technisch anspruchsvolle Teamzeitfahren am Montag in Cholet dürften Froome und seiner Équipe zwar in die Karten spielen, doch auch hier könnte sich Dumoulin als großer Favorit auf den Gesamtsieg herauskristallisieren. Der Sunweb-Kapitän hält die WM-Zeitfahrtitel im Einzel- und -Mannschafts-Wettbewerb. Aber Froome hofft auf den Giro-Effekt. Auch in Jerusalem startete er im Mai im ersten Zeitfahren holprig, nachdem er beim Einfahren gestürzt war. Und dann folgte noch die sagenhafte Aufholjagd zu seinem ersten Girosieg.

Sylvain Chavanel war der Asureißer des Tages. Der 39 Jahre alte Franzose, hatte seine vom Straßenrand umjubelte Solo-Attacke 65 Kilometer nach dem Start. Aber 13,5 Kilometer vor dem Ziel war sein Ausflug beendet. Der Oldie bestritt am Sonntag seine 350. Tour-Etappe.

Quelle: n-tv.de, tno/dpa/sid

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