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DSV-Chaos, TV-Blackout bei WM Schwimmen verkümmert zur Randsportart

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Die DSV-Athleten sind bei ihren WM-Wettbewerben in Südkorea nicht live im deutschen Fernsehen zu sehen.

(Foto: imago/LaPresse)

In Südkorea startet am Freitag die Schwimm-Weltmeisterschaft. Livebilder im Fernsehen wird es in Deutschland allerdings nicht geben. "Peinlich" findet das Wassersprungstar Patrick Hausding. Dass der Sport zu einem "Quotenkiller" verkommt, ist zu Teilen ein hausgemachtes Problem.

Die Athleten fiebern dem Startschuss der Schwimm-Weltmeisterschaft am Freitag in Südkorea entgegen, aber die deutschen Sportfans bekommen von der Euphorie kaum etwas mit. Und das wird wohl auch so bleiben. Im Hauptprogramm von ARD und ZDF laufen während der Titelkämpfe Formate wie "Sturm der Liebe" oder "Bares für Rares", für den "Quotenkiller" Schwimmen ist kein Platz mehr. Da auch Eurosport auf eine Live-Berichterstattung im Fernsehen verzichtet, ist der erste TV-Blackout bei einer WM perfekt. Bilder liefert nur das ZDF als Livestream in seiner Mediathek. Wassersprungstar Patrick Hausding findet das "peinlich und traurig" - doch manche Gründe sind auch hausgemacht. Die Medaillenchancen der deutschen Athleten um Hausding und Becken-Europameister Florian Wellbrock sind höchst überschaubar. Und der Deutsche Schwimm-Verband gab und gibt in der Öffentlichkeit kein besonders gutes Bild ab.

"In den letzten Jahren war es ein ziemliches Chaos", sagte Athletensprecherin Sarah Köhler. Seit dem Rücktritt von Gabi Dörries vor sieben Monaten infolge eines Streits um eine Mitgliedsbeitragserhöhung um 60 Cent steht der DSV ohne Oberhaupt da. Und auch der anschließende Rücktritt des Schwimm-Bundestrainers Henning Lambertz schlug hohe Wellen. Die langjährige DSV-Chefin Christa Thiel wurde nun an die Spitze einer Findungskommission gesetzt, um entsprechend der Satzungsänderung geeignete Kandidaten für den neu zu installierenden Vorstand zu finden. Da dieses Amt ehrenamtlich ausgeführt wird, dämpft Thiel bereits die Erwartungen. "Das wird nicht einfach, da sind sich alle einig", sagte Thiel. "Es gab zu allen Zeiten in diesem Verband große Herausforderungen, und das ist auch jetzt so."

"Insellösungen sind Zufallsprodukte"

Eine Führungskrise sieht Thomas Kurschilgen dennoch nicht, "der DSV ist voll handlungsfähig", betonte der Direktor Leistungssport. Aufgrund der neuen Satzung sind Kurschilgens Kompetenzen gestiegen, und der neue starke Mann krempelte seinen Bereich auch kräftig um. Statt eines Bundestrainers soll ein ganzer Betreuerstab mit dem Namen "Team Tokio 2020" die dritte olympische Nullnummer in Folge für deutsche Beckenschwimmer verhindern. Auch die zuvor vom Deutschen Olympischen Sportbund und dem Bundesinnenministerium geforderten Punkte Zentralisierung und Teamverkleinerung sind vorerst vom Tisch. "Insellösungen sind Zufallsprodukte", warnte jedoch Lambertz im Gespräch.

Auch Lambertz' Vorgänger Dirk Lange hält nichts von der neuen Konstellation: "Salopp gesagt: Jeder kann machen, was er will. Aber es ist wie auf einem Schiff: Es muss einen Kapitän geben, der die Entscheidungen trifft." Doch sind auch positive Stimmen zu vernehmen. "Es ist ein Ruck durch den Verband gegangen", sagt Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz: "Die Gelder aus der öffentlichen Hand fließen ordentlich, wir haben mehr Personal." Vielleicht hat Kurschilgen, der zuvor als Ressortleiter Verbandsmanagement beim DOSB arbeitete, seine Beziehungen spielen lassen.

Mit insgesamt 61 Athleten reist der DSV nach Gwangju. Kurschilgen will keine konkreten Ziele nennen, er fordert lediglich, die Athleten sollen "mit Sympathie und Leidenschaft antreten, mit Stolz ihr Land und ihren Verband repräsentieren und für spannende Wettkämpfe sorgen". Doch das allein wird nicht reichen, um den Status der Randsportart wieder abzulegen.

Quelle: n-tv.de, Jörg Soldwisch & Thomas Lipinski, sid

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