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Mit Schränken und Topspeed Senegal rettet die afrikanische WM-Ehre

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Buchstäblich mit Pauken und Trompeten: Die Senegalesen beeindrucken auf und neben dem Platz.

imago/Sven Simon

Zwei bedingungslose Defensiv-Schränke, eine Handvoll blutjunger, hungriger Top-Talente und ein pfeilschneller Superstar: Fertig ist der Heilsbringer eines ganzen Kontinents. Der erste Auftritt Senegals bei der Fußball-WM in Russland ist eine Offenbarung für das Turnier.

Ausgelassen tanzten Salif Sane und seine Kollegen über den Rasen des Moskauer Spartak-Stadions, auf der Tribüne jubelte Senegals Staatspräsident im bunten Fan-Outfit - und vor den Bildschirmen feierte ein gesamter Kontinent. Mit ihrem Sieg über Polen haben die "Löwen von Teranga" nicht nur einen perfekten WM-Start hingelegt, nein, ganz Afrika atmete nach dem Premierenerfolg eines Teams vom Schwarzen Kontinent in Russland auf.

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Dass die Freude nicht nur im Senegal riesig war, erfuhr Trainer Aliou Cisse direkt nach Schlusspfiff. "Ich bekomme Anrufe von überall her", berichtete der 42-Jährige mit den Rastazöpfen nach dem 2:1 (1:0) gegen Polen: "Senegal hat heute ganz Afrika repräsentiert, der gesamte Kontinent steht hinter uns. Die Leute glauben an uns, und es erfüllt uns mit Stolz, Afrika zu vertreten."

Mane und Co. retten "Afrikas Ehre"

Das erfüllte auch Staatspräsident Macky Sall mit Stolz. Mit Schal, Armband und Mütze in den grün-gelb-roten Landesfarben fieberte er auf der Tribüne mit. Anschließend ließ er es sich nicht nehmen, in der Kabine jeden einzelnen "Löwen" persönlich zu beglückwünschen. "Auf diesen Moment hat ganz Afrika gewartet - dass Senegal das Feld als Sieger verlässt und die afrikanische Ehre rettet", frohlockte er.

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Zuvor hatte die Bilanz der afrikanischen Teams tatsächlich miserabel ausgesehen: vier Spiele, vier Niederlagen. Doch was weder Ägypten, noch Marokko, Tunesien oder Nigeria in deren Auftaktspielen gelang, das schafften die Senegalesen gegen die favorisierten Polen um deren wirkungslosen Topstürmer Robert Lewandowski. Angeführt vom "einfach nur glücklichen" Liverpool-Star Sadio Mane, der stets zwei Gegner beschäftigte, kaufte Senegal den Polen mit schnell vorgetragenen Kontern aus einer aggressiven Defensive heraus den Schneid ab.

Erinnerungen an glorreiche Zeiten

Wichtiger Baustein dabei war der zukünftige Schalker Sane. Der Innenverteidiger hatte Lewandowski nahezu das gesamte Spiel über bestens im Griff. "Wir üben viel Druck aus, sobald wir die Gelegenheit dazu haben. Das ist unser Stil", sagte der 1,96-m-Hüne und verriet das Erfolgsrezept der Senegalesen: "Wir sind eine große Familie, es gibt keine Grüppchen. Jeder hilft dem Anderen."

Dass Senegal bei Weltmeisterschaften afrikanische Highlights setzt, ist jedoch nicht neu. Schon bei der ersten Endrunden-Teilnahme 2002 verzückte das kleine Land von der Westküste den gesamten Kontinent, als es zunächst im Eröffnungsspiel Titelverteidiger Frankreich bezwang und erst im Viertelfinale von der Türkei per Golden Goal gestoppt wurde. Kapitän war damals ein gewisser Aliou Cisse.

Doch während in Moskau sofort Erinnerungen an den sensationellen Lauf vor 16 Jahren wach wurden, wollte der Coach die Erwartungen im Zaum halten. "Wir sind jetzt nicht zu euphorisch. Wir müssen bescheiden und demütig bleiben", mahnte der jüngste Trainer bei dieser Endrunde. Die mitgereisten Fans haben dies bereits verinnerlicht. Erst feierten die Senegalesen im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten ausgelassen auf den Rängen - dann räumten sie den angesammelten Müll schön ordentlich auf. Das Video der vorbildlichen Anhänger machte in den sozialen Netzwerken schnell die Runde. Doch schon am Sonntag (17.00 Uhr/ARD, Sky und im n-tv.de Liveticker) in Jekaterinburg soll die nächste Party steigen: Dann warten die Japaner - und ganz Afrika fiebert wieder mit.

Quelle: n-tv.de, Jana Lange und Tobias Schwyter, sid

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