Absurdität um Dominator PrevcSkiflug-WM: Ski fliegt allein 50 Meter weit und bringt Favoriten um Gold-Chance

Zweimal in Folge haben die Slowenen Team-Gold bei der Skiflug-WM gewonnen, auch in diesem Jahr sind sie favorisiert. Doch ausgerechnet der in diesem Winter überragende Domen Prevc leistet sich einen kapitalen und verrückten Fehler. Die deutsche Mannschaft kann das nicht ausnutzen.
Ein durch die Luft fliegender Ski des neuen Einzel-Weltmeisters Domen Prevc hat Titelverteidiger Slowenien bei der Skiflug-WM in Oberstdorf die Siegchance im Teamwettbewerb gekostet. Vor dem Sprung des Norwegers Marius Lindvik rutschten beide Ski des 26-Jährigen unkontrolliert die Schanze herunter, einer flog sogar etwa 50 Meter durch die Luft und stoppte erst im Auslauf. Getroffen wurde niemand. Nach einer mehrminütigen Unterbrechung konnte Lindvik springen. Wenig später war dann klar, dass Prevc im ersten Durchgang nicht mehr an den Start durfte, ein Protest wurde abgelehnt.
Das deutsche Team mit Philipp Raimund, Felix Hoffmann, Karl Geiger und Pius Paschke landete dennoch nur auf Rang vier hinter Japan, Österreich und Norwegen. Der Rückstand auf das Podest betrug 76,9 Punkte. Der erhoffte Schub blieb knapp zwei Wochen vor den Olympischen Winterspielen aus.
Erstmals seit 16 Jahren blieben die DSV-Adler somit bei einer Skiflug-WM ohne Medaille. Und so musste sich das Team von Bundestrainer Stefan Horngacher auch beim zweiten Höhepunkt des Winters nach der durchwachsenen Vierschanzentournee mit einer Nebenrolle begnügen.
"Das ist schon sehr bitter. Mit dem Ergebnis bin ich absolut nicht zufrieden, ich hätte mir ein bisschen mehr vorgestellt", hatte Horngacher schon nach dem Einzel am Samstag gesagt. Mehr als Rang 13 durch Philipp Raimund war dort nicht drin. Ohne Medaille waren die DSV-Adler bei einer Flug-WM zuletzt 2010 geblieben. Damals hatte es im Team nur zum siebten Platz gereicht, im Einzel war Michael Uhrmann als bester Deutscher auf Rang 19 gelandet. Ganz so schlimm wurde es beim Heimspiel auf der Heini-Klopfer-Schanze zwar nicht, doch für die Schlagzeilen war vor 18.000 Zuschauern wieder einmal Domen Prevc zuständig. Wenn auch anders als geplant.
Sven Hannawald ist sprachlos
"Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war Eigenverschuldung, es gibt ganz klare Regeln", sagte Andreas Bauer, der im Weltverband FIS Mitglied der Materialkommission ist, in der ARD: "Es gibt oben eine Kontrollbox, dort hätte er die Ski reinstellen können. Er hätte sie auch einem Mitarbeiter geben können, aber er hat sie angelehnt. Bei dem Schneefall ist es glitschig, dann haben sie sich selbstständig gemacht."
Ein slowenisches Teammitglied hatte den Ski in Windeseile wieder nach oben gebracht, doch dort wurde Domen Prevc ein Start verweigert. Der Gewinner der Vierschanzentournee, der am Samstag Gold im Einzel gewonnen hatte, sank enttäuscht in seinen Stuhl. "Ich bin ja nicht oft sprachlos, aber heute fehlen mir die Worte", sagte ARD-Experte Sven Hannawald: "Der Junge ist selbst schuld, er hat das selber verbockt."
Prevc durfte zwar im zweiten Durchgang starten, doch durch die fehlenden Punkte war jede Chance auf eine Medaille weg. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften 2022 und 2024 hatte Slowenien jeweils mit Domen Prevc Gold gewonnen.
Es ging danach übrigens auch noch kurios weiter: Prevcs Teamkollege Timi Zajc ging zu Beginn des Finals zunächst von der Schanze. Es hieß zunächst, dass die Slowenen nicht mehr starten würden. Dies war jedoch ein Missverständnis, wie im Funkverkehr zu hören war - wenig später startete Zajc den zweiten Durchgang.