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Er stellt die NFL vor Probleme Thomas, der Unbewachbare der Saints

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Selbst bei zwei Gegenspielern (wie hier im Viertelfinale gegen die Philadelphia Eagles) hat Michael Thomas von den New Orleans Saints (r.) kaum Durchsetzungsprobleme.

imago/UPI Photo

Michael Thomas hat eine große Klappe. Er zeigt aber auch große Leistungen in der NFL. Der Wide Receiver der New Orleans Saints fängt Pässe so zuverlässig wie kein anderer. Nun ist der Footballer nur noch ein Spiel vom Super Bowl entfernt - gegen einen Gegner, der ihm liegt.

Um es in die National Football League zu schaffen, ist eine gesunde Portion an Selbstvertrauen unbedingt von Nöten. In der Liga der kräftigen Kerle wird auf dem Spielfeld nicht nur gezerrt, gestoßen und geschubst, sondern auch verbal mächtig ausgeteilt. Etwas Trash-talk hier, ein paar Provokationen dort und wenn es sein muss noch eine Muskelpose nach einem Touchdown oder einem gelungenen Tackle direkt vor dem Gegner. Kurzum: die US-amerikanische Profi-Footballliga ist kein Arbeitsplatz für Menschen mit Minderwertigkeits-Komplexen. Für Michael Thomas hingegen schon.

Playoffs in der NFL

Super Bowl

Montag, 4. Februar in Atlanta

Los Angeles Rams - New England Patriots

 

Halbfinale

Sonntag, 20 Januar

New Orleans Saints - Los Angeles Rams 23:26

Montag, 21. Januar

Kansas City Chiefs - New England Patriots 31:37

 

Viertelfinale

Samstag, 12. Januar, 22.35 Uhr
Kansas City Chiefs - Indianapolis Colts 31:13

Sonntag, 13. Januar, 02:15 Uhr
Los Angeles Rams - Dallas Cowboys 30:22

Sonntag, 13. Januar, 19:05 Uhr

New England Patriots - Los Angeles Chargers 41:28

Sonntag, 13. Januar, 22:40 Uhr

New Orleans Saints - Philadelphia Eagles 20:14

Der Wide Receiver der New Orleans Saints spielt seine dritte Saison in der NFL. Er gehört zu den Top-Leuten auf seiner Position. Und er gehört zu denen, die wissen, was sie können. Das zeigt Thomas zum Beispiel in den sozialen Netzwerken. Sein Twitter-Name lautet nicht etwa @michaelthomas, @michael_thomas oder - da Rückennummern bei Sportlern sehr beliebt sind - @michaelthomas13. Nein, wer bei Twitter nach diesem Michael William Thomas Jr. sucht, findet ihn als @Cantguardmike. Das bedeutet in etwa: Du kannst Mike nicht bewachen. Oder im Sportjargon: Du kannst Mike nicht decken.

Labern und liefern

"Als Wide Receiver solltest du immer die Mentalität haben, dass dich niemand bewachen kann. So spielst du, so gehst du und so redest du", sagt Thomas. In den USA gibt es den Spruch: "Talk the talk, walk the walk." Soll heißen: Du musst nicht nur eine große Klappe haben, sondern deine Worte auch mit Leistung untermauern. Vor allem im Sport ist diese Redensart sehr verbreitet. Auf Außenstehende mag Thomas zunächst einmal wie ein Großmaul wirken. Doch sobald der 25-Jährige den Helm aufsetzt, seine Handschuhe anzieht und das Football-Feld betritt, wird klar: dieses vermeintliche Großmaul ist der Wahnsinn. Er labert nicht nur, er liefert auch. Und wie.

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Dreamteam: Quarterback Drew Brees und sein Lieblings-Passempfänger Michael Thomas.

(Foto: AP)

In seinen ersten drei Spielzeiten fing er 321 Pässe - und somit mehr als jeder andere in der NFL-Geschichte. In dieser Saison packte Thomas 125 Mal zu und erlief zudem einen Raumgewinn von 1405 Yards. Beide Werte sind Vereinsrekorde. Natürlich schadet es nicht, dass der Mann mit der Rückennummer 13 von Drew Brees, einem der besten Quarterbacks der Liga, angespielt wird. Andererseits darf aber auch die Frage gestellt werden: Wie gut Brees' mitunter beeindruckende Statistiken seit 2016 ohne seine zuverlässige Anspielstation Thomas gewesen wären? So gingen vergangenen Sonntag, beim 20:14-Heimsieg im Playoff-Viertelfinale gegen Titelverteidiger Philadelphia Eagles, 171 der von Brees geworfenen 301 Yards auf das Konto von Thomas.

Brees' Lieblings-Passempfänger

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"Wenn Michael nur einen Gegenspieler hat, mag ich unsere Chancen. Und selbst wenn er zwei Gegenspieler hat, müssen es schon zwei sehr gute sein, damit ich den Ball nicht doch dorthin werfe, wo er ihn trotz Bewachung fangen kann", sagt Brees. Er weiß natürlich, dass Thomas immer die besten Bewacher des Gegners um sich herum hat. Aber er weiß eben auch, wie gut sich sein Lieblings-Passempfänger von den Verteidigern lösen und dann im entscheidenden Moment zupacken kann.

Thomas erzielt nicht nur Yards beim ersten oder zweiten Wurfversuch seines Quarterbacks, sondern auch beim immens wichtigen Third Down. Gegen Philadelphia war dies viermal der Fall. So zum Beispiel im dritten Viertel: Beim Stand von 10:14 hatte New Orleans ein eben solches Third Down - und musste einen Raumgewinn von 16 Yards erzielen, um im Ballbesitz zu bleiben. Es war also Thomas-Time. Und tatsächlich: Brees warf, Thomas fing trotz zweier Gegenspieler und sicherte die entscheidenden Yards. Keine zwei Minuten später beendete er den Spielzug der Saints mit einem Touchdown zur 16:14-Führung. "Er ist ein Wettkampftyp. Er erwartet einfach, dass ich in den entscheidenden Situationen zu ihm werfe und er die wichtigen Pässe fängt", betont Brees.

Touchdown und Telefon-Jubel

*Datenschutz

Doch genau das erwarten am Sonntag im Halbfinale auch die Los Angeles Rams. Die wissen nicht nur aufgrund ihres ausführlichen Videostudiums um die Gefahr, die Michael Thomas ausstrahlt, sondern sie haben sie erst kürzlich selbst erlebt. Am 4. November lagen die Rams vier Minuten vor Spielende in New Orleans 35:38 hinten. Es war eine grandiose und ausgeglichene Partie. Doch dann kam @cantguardmike - und hielt Wort. Thomas sprintete los, ließ seinen Bewacher, den an diesem Abend bemitleidenswerten Marcus Peters, einfach stehen, fing einen Brees-Pass und sorgte für den entscheidenden Touchdown zum 45:35-Sieg. Doch damit nicht genug. Thomas lief anschließend nicht etwa zu Brees und bedankte sich für die Vorarbeit. Nein, er trottete direkt zur linken Torstange, schob die dicke Polsterung nach oben, holte ein Handy hervor und imitierte ein Telefonat.

Es kam alles genau so, wie er es sich ausgemalt - und eigens dafür das Handy vor Spielbeginn an der Torstange versteckt hatte. Thomas wusste, dass diese Partie gegen die bis dahin unbesiegten Rams liga- und landesweit von Interesse sein würde. Und er war sich sicher, dass er in diesem großen Spiel seinen großen Moment haben würde. Natürlich wäre es peinlich gewesen, wenn Thomas das Handy nach einer Niederlage hätte hervorholen müssen. Aber solch einen Gedanken hat ein Spieler wie er einfach nicht. Touchdown, Telefon, Thomas. "Talk the talk, walk the walk".

Quelle: n-tv.de

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