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Sogar Batman ist stinksauerTrump und sein dunkler ICE-Schatten bedrohen den Super Bowl

03.02.2026, 05:28 Uhr
imageVon David Bedürftig, San Francisco
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Bereits Anfang Januar fanden Proteste gegen ICE in San Francisco statt. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Auf der ersten Pressekonferenz des Super Bowls fliegen direkt Giftpfeile gegen Donald Trump. In San Francisco fürchten viele einen gewaltsamen Einsatz seiner ICE-Truppen. Es kommt zu teils aberwitzigen Protesten.

Bisher ist alles ruhig in der Stadt. In San Francisco und der Bay Area, wie die Metropolregion im nördlichen Teil des US-Bundesstaates Kalifornien heißt. Es wimmelt am Montag zwar von Arbeitskräften, die letzte Details für die große Super-Bowl-Woche mit dem Meisterschaftsspiel der NFL festzurren, und von Polizei - aber vermummte Agenten der Einwanderungsbehörde ICE ziehen nicht durch die Straßen.

Und dennoch: Die dunklen Schatten Donald Trumps und seiner Paramilitär-ähnlichen Einheit bedrohen diesen Super Bowl. Furcht und Panik machen sich unter Teilen der Fans und der Anwohner breit. Schließlich soll ICE laut Aussagen der US-Regierung Teil der Sicherheitsstrategie für das Endspiel am Sonntag im Levi's Stadion in Santa Clara sein.

In welcher Form die Behörde und möglicherweise ihre Agenten vor Ort auftreten werden, ist aufgrund widersprüchlicher Angaben der Trump-Regierung noch nicht klar. Ferner hat ICE schon oft bei NFL-Endspielen ausgeholfen. Doch nach den gewalttätigen Razzien von ICE-Beamten in Minnesota, die zu den Tötungen von Renée Macklin Good und Alex Pretti und den Festnahmen von Kindern führten, haben die seit langem bestehenden Ängste vor einer möglichen Präsenz von ICE in der Bay Area nur noch zugenommen.

Politiker warnt: "Das ist kein Spiel"

Seit vergangenem Oktober nehmen die Spekulationen über ein möglicherweise gewaltsames ICE-Vorgehen in der Region zu. Damals antwortete die US-Ministerin für innere Sicherheit, Kristi Noem, auf die Frage des rechtsgerichteten Podcasters Benny Johnson, ob es beim Super Bowl zu ICE-Kontrollen kommen werde: "Ja, denn das Ministerium für innere Sicherheit ist für die Sicherheit verantwortlich." Sie fügte hinzu: "Nur gesetzestreue Amerikaner, die dieses Land lieben, sollten zum Super Bowl kommen." In einer weiteren Folge des Podcasts bekräftigte Corey Lewandowski, Berater des Heimatschutzministeriums (DHS), diesen Plan der Regierung und bezeichnete die Durchsetzung als "Anweisung des Präsidenten".

Peter Ortiz, Stadtrat von der direkt neben Santa Clara gelegenen Stadt San José, berichtete dem "San José Spotlight", dass er ein internes Memo gesehen habe, aus dem hervorgeht, dass Agenten am Freitag auf einem Militärflughafen in der Region landen würden. "Das ist kein Spiel, und Familien sind besonders gefährdet, davon betroffen zu sein", kritisierte Ortiz. "Ich habe die Stadt und unsere Gemeinde gewarnt. Leider haben die Menschen das nicht wirklich ernst genommen."

Allerdings erklärten der Bürgermeister von San Francisco, Daniel Lurie, und der Bezirksstaatsanwalt des Santa Clara County, Jeff Rosen, vergangene Woche gegenüber der Zeitung "San Francisco Chronicle", dass ihnen nichts davon bekannt sei, dass ICE Teil der Sicherheitsvorkehrungen für den Super Bowl seien.

Trump drohte San Francisco mit Nationalgarde

Zum gleichen Zeitpunkt teilte auch das Büro von Gavin Newsom, Trumps Erzfeind und Kaliforniens Gouverneur, gegenüber "SFGate.com" mit, dass "wir keine ungewöhnlichen Aktivitäten der ICE beim Super Bowl erwarten". Im selben Bericht zitiert die Onlineseite die stellvertretende Sekretärin des DHS, Tricia McLaughlin, dass die Behörde sich nicht dazu äußern werde, ob ICE-Beamte im Stadion oder beim Super Bowl anwesend sein werden. Ein Zeichen dafür, dass es wohl dazu kommen wird: Bei der Pressekonferenz zur Sicherheitsstrategie des Super Bowls am Dienstag (Ortszeit) ist ein Sonderbeauftragter des DHS noch vor allen lokalen Polizeikräften und vor dem FBI aufgelistet.

Die Beamten Kaliforniens wissen, dass sie zu einem gewissen Grad mit der Trump-Regierung zusammenarbeiten müssen, wenn sie solch große Sportveranstaltungen wie den Super Bowl und die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer ausrichten wollen. Aber Einschüchterung und Gewalt wie in Minnesota?

San Francisco ist eine historische Bastion des amerikanischen Liberalismus im ohnehin liberalen Kalifornien. Als eine Stadt der Immigranten, in der man an jeder Straßenecke mindestens drei verschiedene Sprachen hört. Im vergangenen Herbst drohte Trump der weltoffenen Metropole mit der Nationalgarde, doch machte anschließend einen Rückzieher. Ob nun die schlimmsten Befürchtungen der gesamten Bay Area doch noch wahr werden?

Giftpfeile gegen Trump auf Pressekonferenz

Die offizielle Eröffnungspressekonferenz des Super Bowls sendete am Montag bereits deutliche Giftpfeile gegen Trump, ICE und Spaltung und Signale für Widerstand, Zusammenhalt und Liebe. Zaileen Janmohamed, CEO des Gastgeberkomitees, sprach von einer Region, die für "Optimismus und Diversität" steht. Die immigrierte Starköchin Dominique Crenn hob die Bedeutung von Einwanderern für die Stadt hervor und sagte: "Was ich an San Francisco am meisten liebe, sind die Menschen. Neugierig, kreativ, widerstandsfähig. Eine Stadt, die an Freiheit glaubt. Freiheit ist heutzutage ein wichtiges Wort."

In den Tagen und Wochen zuvor hatten staatliche und lokale Beamte in Kalifornien ihre Kritik an der Führung des DHS verstärkt. Gouverneur Newsom forderte gemeinsam mit den Senatoren Alex Padilla und Adam Schiff den Rücktritt von DHS-Chefin Noem. Zudem fanden wie in mehreren US-Großstädten am Wochenende Anti-ICE-Demonstrationen in San Francisco mit Tausenden Menschen statt, lokale Unternehmen schlossen ihre Türen und Schüler verließen das Schulgelände.

Die Bay Area verspürt Angst rund um den Super Bowl - und ist stinksauer. Verschiedene Demonstrationen sind diese Woche geplant. Niemand aber protestiert so laut und wütend wie Batman. Am vergangenen Donnerstag tadelte ein als der Superheld verkleideter Mann den Stadtrat von Santa Clara für die lange Untätigkeit in Bezug auf den wahrscheinlichen Einsatz von ICE-Beamten. Eine absurde Szene mit ernstem Hintergrund: Er forderte eindringlich, dass verhindert werden müsse, dass "Hunderte maskierte Männer" den Super Bowl ähnlich wie Minnesota in eine Gewaltspirale verwandeln.

Quelle: ntv.de

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