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Nach Streit um "Galgenstrick" Trump wettert gegen schwarzen Rennfahrer

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Wofür Trump eine Entschuldigung fordert? Unklar.

(Foto: REUTERS)

Vor einem Nascar-Rennen wird in der Garage des einzigen schwarzen Fahrers ein mutmaßlicher Galgenstrick gefunden, selbst das FBI ermittelt. Einen rassistischen Hintergrund schließt der Geheimdienst aus. Aus unerfindlichen Gründen schaltet sich nun US-Präsident Trump ein.

In der Debatte um den Fund eines Stricks in der Garage des Rennfahrers Darrell "Bubba" Wallace hat sich nun auch US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet. "Hat Bubba Wallace sich entschuldigt bei all den großartigen Nascar-Fahrern und Offiziellen, die ihm zu Hilfe kamen, an seiner Seite standen und bereit waren, alles zu opfern, um dann herauszufinden, dass die ganze Sache nur ein weiterer Scherz war?", twitterte er.

Vor zwei Wochen wurde in der Garage des einzigen schwarzen Fahrers in der Nascar-Rennserie ein Seil gefunden, das zu einer Schlinge geformt war. Der Fund wurde zunächst als rassistischer Angriff auf den 26-Jährigen gewertet. Das FBI verneinte jedoch ein Hassverbrechen.

Ermittlungen kamen demnach zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Seil um ein Garagentor-Zugseil handele, das wie eine Schlinge geformt war und bereits im Herbst 2019 angebracht worden war. Damals habe noch niemand wissen können, dass das Wallace-Team vor zwei Wochen diese Garage zugewiesen bekomme. Kurz danach veröffentlichte Nascar ein Foto des Stricks. Wallace selbst beharrte stets auf der Einschätzung, dass die Untersuchung aufgrund eines möglichen Hassverbrechens gerechtfertigt sei.

Warum Trump gerade von Wallace eine Entschuldigung einfordert, ist nicht nachzuvollziehen. Wallace hatte den Strick weder gefunden, noch den Fund gemeldet.

"Haben getan, was richtig war"

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Bubba Wallace beim Nascar-Rennen in Indianapolis.

(Foto: AP)

Trump schrieb in seinem Tweet weiter, dass dieser Fall und die "Flaggen-Entscheidung" zu den niedrigsten Einschaltquoten überhaupt geführt hätten. Laut "Forbes" stiegen die Einschaltquoten nach dem Flaggen-Bann allerdings um mehr als 100 Prozent. Aus dem Fahrerlager bekam Wallace Unterstützung. Tyler Reddick antwortete Trump auf Twitter: "Wir brauchen keine Entschuldigung. Wir haben getan, was richtig war und wir kommen sehr gut ohne ihre Unterstützung zurecht."

Der einzige schwarze Rennfahrer in der vor allem in den Südstaaten der USA populären Motorsportserie äußerte sich nach Trumps Tweet selbst. Ohne direkt auf dessen Kommentar einzugehen, schrieb er an "die nächste Generation und die Kleinen": "Liebe über Hass, jeden Tag. Liebe sollte etwas natürliches sein, weil Hass beigebracht wird. Selbst, wenn es Hass des Potus ist. Liebe gewinnt." Potus ist eine Abkürzung für Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Nach landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze hatte die Rennserie Mitte Juni die Kriegsflagge der Konföderierten bei all ihren Veranstaltungen verboten. Wallace hatte sich zuvor für ein solches Verbot ausgesprochen.

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Die Konföderierten hatten im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) der Südstaaten gegen den Norden gekämpft und sich gegen die Abschaffung der Sklaverei und gegen mehr Rechte für Schwarze gewehrt. Die Kriegsflagge ist in den Augen vieler US-Amerikaner ein Symbol für Rassismus.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der US-Präsident auf einen schwarzen Sportler einschießt. 2017 bezeichnete er NFL-Spieler, die während der Nationalhymne als Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Knie gingen, als "Hurensöhne". Ein Großteil dieser Football-Profis war schwarz.

Quelle: ntv.de, mba/dpa