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"Gott hat mir den Sieg geschenkt" Tyson Fury wettet, boxt, siegt und kassiert

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Tyson Fury boxt den Kampf seines Lebens: Dann verfügt er über alle vier WM-Gürtel.

(Foto: dpa)

Rückkampf gegen Klitschko? Kein Problem für Tyson Fury. An seinem Sensationssieg scheint der neue Weltmeister selbst nie gezweifelt zu haben, vorsorglich platziert er eine äußerst lukrative Wette. Sein nächster potentieller Gegner erntet bereits Spott.

Der Sensations-Weltmeister sang fürchterlich schief. Der Champagner rann noch seinen massigen Körper hinunter, da griff Tyson Fury zum Mikrofon, um seiner schwangeren Ehefrau im Ring eine Aerosmith-Ballade darzubringen. "I don't wanna miss a thing", krächzte er mit Tränen in den Augen, mangels Stimme missglückte die Liebeserklärung.

Aber Fury hatte dennoch alles richtig gemacht. "Gott hat mir diesen Sieg geschenkt. Mein ganzes Leben war 27 Jahre lang nur auf diesen Tag ausgerichtet, das ist Bestimmung", sagte der Engländer mit irischen Wurzeln, und immer wieder zählte er die vier WM-Gürtel durch, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Sie gehören nicht mehr Wladimir Klitschko, wie es seit zehn Jahren war. Sie gehören ihm. "Ein Wahnsinn!"

Der Boxkampf seines Lebens, die zwölf Runden von Düsseldorf, in denen "er die Welt erschütterte" (The Sun), wurde Fury von einer noch besseren Nachricht versüßt: "Seit Freitag weiß ich, dass Paris wieder schwanger ist. Wir bekommen ein drittes Kind. Das ist die Sahne auf dem Kuchen!"

Fury zeigt sich geläutert

Wer nun aber glaubte, der Spross einer Irish-Traveller-Familie würde in der Stadt die Puppen tanzen und das Altbier fließen lassen, der kennt Tyson Fury nicht. Dieser 2,06-Meter-Mann, zugleich provokant, verstörend, beleidigend und tief gläubig, überraschte, wie er zuvor Klitschko übertölpelt hatte. "Ich habe das Trinken drangegeben, die Partys, die sogenannten besten Dinge des Lebens - der ganze Mist interessiert mich nicht mehr", versicherte er. Zwei Meter weiter links saß Klitschko mit einer Miene, als imitiere er seine eigene Wachsfigur.

Ganz anders Fury. Vom Adrenalin aufgepeitscht, mit aufgerissenen Augen, war er losgestürmt, er wackelte, er tanzte, schickte Klitschko nach jedem Gong noch einen Spruch hinterher. Phasenweise verhöhnte er den Champion mit den Armen hinter dem Rücken. Dennoch war eine Mini-Wunde an der linken Augenbraue das einzige sichtbare Zeichen seiner Begegnung mit einem Schwergewichts-Weltmeister, dem Eisenfäuste nachgesagt werden. "Das war meine Nacht. Meine Nacht! Wenn ich ein nur halb so guter Champion werde wie Klitschko, bin ich sehr, sehr glücklich", sagte er und stimmte dem vertraglich vereinbarten Rückkampf zu: "Ich kämpfe. In Usbekistan, Japan oder sonstwo."

"Es wird explosiv"

Die Komplimente aus dem gegnerischen Lager waren vergiftet. "Du bist ein verdienter Champion - heute...", so schrieb es Klitschkos älterer Bruder Witali dem neuen Weltmeister stechenden Blickes ins Stammbuch. Fury ätzte zurück. "Wahrscheinlich hat er mich gewinnen lassen. In einem WM-Kampf, in seiner zweiten Heimat, vor 50.000 Zuschauern", höhnte er. Die Revanche solle sich niemand entgehen lassen: "Es wird explosiv! Wladimir bekommt eine zweite Runde." Dann imitierte der charismatische Showman die Ring-Glocke: "Dingdingdingdingdingding!"

So glücklich er nach dem einstimmigen Punktsieg mit seinen goldkitsch-verzierten Gürteln war, so wenig Interesse zeigte er an einem Vereinigungskampf mit dem WBC-Weltmeister. "Über Deontay Wilder lache ich. Er ist ein Basketballer, der seit ein paar Jahren boxt. Er muss warten." Dann stieg Tyson Fury, der "Gypsy King", in einen weißen Porsche und verschwand. Es war seine Nacht.

Denn um dem ganzen Abend noch eine Krone aufzusetzen, hat der neue Schwergewichtsweltmeister durch seinen Sieg gegen Wladimir Klitschko weitere 283.000 Euro kassiert - durch eine Wette auf sich selbst. Fury hatte "bei einem wohlhabenden Verwandten" 200.000 britische Pfund auf Sieg eingesetzt, wie er berichtete. Den doppelten Betrag erhält er nun zurück.

Quelle: ntv.de, jgu/sid