Schmuratko über "Wahnsinnigen"Ukrainischer Eiskunstläufer rührt bei WM zu Tränen

Mit der Medaillenentscheidung bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft hat Iwan Schmuratko nichts zu tun. Trotzdem fällt der 20-Jährige auf. Er ist Ukrainer, schafft es zu den Titelkämpfen nach Montpellier - und erzeugt nicht nur mit seinem Auftritt auf dem Eis viele Emotionen.
Musikalisch untermalt vom legendären Bolero hat sich Eiskunstläufer Shoma Uno erstmals den Weltmeistertitel gesichert. Der Olympia-Zweite aus Japan setzte sich in Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers und Olympiasiegers Nathan Chen aus den USA in Montpellier vor seinem Landsmann Yuma Kagiyama sowie Vincent Zhou aus den USA durch.
Trotz einer durchwachsenen Kür konnte sich Nikita Starostin noch um eine Position auf Rang 22 vorarbeiten. Wie schon im Kurzprogramm überzeugte der WM-Debütant aus Dortmund läuferisch, doch viele Sprünge waren nur sehr knapp gelandet, was mehrfach Punktabzüge zur Folge hatte.
"Ich bin sehr enttäuscht. Für die nächste Saison muss ich mehr an den Sprüngen arbeiten", sagte der in St. Petersburg geborene und in Belgien trainierende Läufer. Und auch sein größtes aktuelles Manko benannte Starostin unumwunden: "Um näher an die Weltspitze zu kommen, benötige ich Vierfachsprünge."
Eindrückliches Statement von Schmuratko
Emotionaler Höhepunkt des Nachmittags aber war der Auftritt von Iwan Schmuratko. Der viermalige ukrainische Meister rührte viele der 5000 Zuschauer in der südfranzösischen Metropole zu Tränen, auch der 20-Jährige selbst verließ das Eis mit feuchten und geröteten Augen und starrte dabei fast ungläubig auf das enthusiastisch jubelnde Publikum.
"Wir Ukrainer zeigen seit einem Monat, was die wirklichen Werte sind. Wir müssen weiter versuchen, den Terrorismus zu stoppen, müssen verhindern, dass wegen dieses Wahnsinnigen Menschen sterben", sagte Schmuratko, der ohne jegliches Training und auf Umwegen aus seinem vom Krieg erschütterten Heimatland angereist war. "Es war nicht schwer, heute zu laufen. Schwer ist es eine Nachricht zu bekommen, dass ein Freund oder jemand aus deiner Familie ermordet wurde oder tot ist oder du findest ihn nicht."
Vor Ort betreut wurde der Olympia-24. von Peking von seinen Landsleuten Alexandra Nasarowa und Maxim Nikitin, die Eistänzer waren nach dem Kurzprogramm aus dem WM-Wettbewerb ausgestiegen. Schmuratko wurde 23., nicht mehr als eine sportliche Fußnote. Sein Statement aber ist viel mehr als das.