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Skandal-Endspiel in Afrika VAR-Ausfall entscheidet CL-Finale

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In der Bundesliga ist es üblich, dass der Videoschiedsrichter jedes Tor automatisch überprüft.

(Foto: imago/AFLOSPORT)

Es soll der Höhepunkt des afrikanischen Fußballjahres sein: das Champions-League-Finale zwischen Esperance Tunis und Wydad Casablanca. Stattdessen endet das Spiel im Desaster. Ursache sind bedenkliche Schiedsrichterleistungen.

In Afrika hat Titelverteidiger Esperance Tunis unter skandalösen Umständen zum vierten Mal die Champions League gewonnen. Der Schiedsrichter erklärte das Finale gegen den marokkanischen Rivalen Wydad Casablanca am Samstagabend bereits nach 60 Minuten für beendet. Der Entscheidung war eine 90-minütige Unterbrechung des Spiels vorausgegangen. Gastgeber Tunis führte zu diesem Zeitpunkt 1:0. Da Tunis und Casablanca sich im Hinspiel 1:1 getrennt hatten, stand der erneute Triumph der Tunesier fest.

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Auslöser für die lange Unterbrechung vor 60.000 Zuschauern war der vermeintliche 1:1-Ausgleich von Casablanca in der 59. Minute. Der gambische Unparteiische Bakary Gassama wollte den Treffer nicht anerkennen, weil er zuvor ein Foulspiel des Torschützen gesehen hatte. Als das marokkanische Team darauf bestand, das Tor vom Videoschiedsrichter überprüfen zu lassen, stellte sich heraus, dass das System defekt war. Dies war den Mannschaften vor dem Anpfiff allerdings nicht mitgeteilt worden.

Daraufhin weigerte sich Wydad, das Spiel fortzusetzen und im Stadion kam es zu Tumulten tunesischer Anhänger. Unter anderem musste die Polizei einen Tunis-Fan stoppen, der in Richtung der Gästebank stürmte. Als die tunesischen Anhänger anfingen, Plastikflaschen auf die Spieler und das Trainerteam von Casablanca zu werfen, gingen beide Mannschaften in die Kabinen. 90 Minuten später wurde ihnen mitgeteilt, das Spiel sei vorzeitig beendet und 1:0 für Tunis gewertet worden. Wie ein Video belegt, kam es daraufhin in den Katakomben ebenfalls zu tumultartigen Szenen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der afrikanischen Champions League, dass ein Finale abgebrochen werden musste.

Hinspiel-Schiedsrichter gesperrt

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Bereits das Hinspiel war von einer bedenklichen Schiedsrichter-Leistung überschattet worden. Der Unparteiische Gehad Grisha war auf dem Feld mit mehreren zweifelhaften Entscheidungen aufgefallen. Der afrikanischen Fußballverband CAF sperrte den Ägypter daraufhin wegen "schwacher Leistung" für sechs Monate.

Die CAF und andere afrikanische Fußballspieler reagierten besorgt auf die Ereignisse. "Was heute im Spiel zwischen Tunis und Casablanca passiert ist, könnte negative Auswirkungen auf die Reputation des afrikanischen Fußballs haben. Afrika lebt ohnehin bereits isoliert auf dieser Welt", twitterte der ehemalige ägyptische Nationaltorhüter Essam El-Hadary, der bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland mit 45 Jahren und 161 Tagen zum bislang ältesten WM-Spieler geworden war. In Ägypten wird vom 21. Juni bis zum 19. Juli der Africa Cup ausgetragen.

Quelle: ntv.de, chr/sid/dpa