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Profis jubeln, Angst im Breitensport Wett-Urteil spaltet die Sportwelt

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Sport reagiert geteilt auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, das staatliche Monopol auf Sportwetten zu kippen. Während die Profivereine höhere Einnahmen wittern, bangt der Breitensport um seine Existenzgrundlage. Dabei bietet der Richterspruch die Möglichkeit, die Sportfinanzierung auf solide Füße zu stellen.

Am schnellsten reagierte die Börse. Unmittelbar nach der überraschenden Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, der das staatliche Glücksspielmonopol in Deutschland für unzulässig erklärt hatte, schnellten die Aktien der privaten Wettanbieter in die Höhe. Aktien von Tipp24 aus dem SDax gewannen rund zwölf Prozent, die Werte von Bet-at-Home stiegen um fast 20 Prozent. Doch auch die Jubeltöne aus dem Sport ließen nicht lange auf sich warten. Das Urteil sei nichts weniger als ein "Meilenstein", befand der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. Bundesliga-Managern wie Klaus Allofs standen bei ihren begeisterten Statements leuchtende Euro-Zeichen in den Augen - kein Wunder, schätzen doch Experten, dass dem deutschen Profifußball 300 Millionen Euro Mehreinnahmen jährlich durch Sponsoring, Werbung und Abgaben privater Wettanbieter winken.

Doch es mischten sich auch unüberhörbare Dissonanzen in den Freudengesang. "Das Urteil ist eine Katastrophe. Wenn es keine Lösung gibt, geht es an die Existenz und macht keinen Spaß mehr. Das ist eine Bedrohung des Ehrenamts", wetterte Rolf Müller, der Präsident des hessischen Landessportverbandes, stellvertretend für die Spitzen des deutschen Breitensports. Dem droht mit dem Fall des Wettmonopols die Existenzgrundlage abhanden zu kommen. Bis zu 80 Prozent ihres Etats bestreiten die Landessportbünde aus Sportwetten und Lotterien. Droht dem Breitensport also tatsächlich der Bettelstab, während sich die Profivereine an den fetten Sponsoringtöpfen laben?

Die Politik ist gefordert

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Viele Wetter weichen ohnehin auf das Internet aus.

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Diese Frage ist momentan nicht mit Sicherheit zu beantworten. Klar ist: Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Breitensport auch künftig auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Günther Lommer, Präsident des bayerischen Landessportverbandes, verlangt konkret, dass "die Privatanbieter genauso viel Geld in die Kassen spülen wie bisher". Das sei momentan allerdings nicht gewährleistet. Lommer unterschlägt dabei, dass auch der staatliche Monopolanbieter Oddset die gewohnten Summen nicht hätte garantieren können. Die Wettumsätze sinken seit Jahren, was vor allem mit der geringen Attraktivität von Oddset gegenüber ausländischen Anbietern, bei denen die Glücksspieler ihre Wetten über das Internet platzieren, zusammenhängt. Sie bieten oft bessere Quoten und und ein breiteres Wettangebot. Bis zu 94 Prozent der Wetten gehen laut einer Studie über solche Anbieter. Damit entfallen bei einem Jahresumsatz von geschätzten 7,8 Milliarden Euro in Deutschland nur 485 Millionen auf legale Wetten, 185 davon auf Oddset.

Es gilt also, das riesige Finanzpotenzial für den Breitensport zu nutzen. Ein Vorstoß aus Schleswig-Holstein könnte Abhilfe schaffen. Das Land hat ein "Duales Konzept" entwickelt, in dem staatliche und private Wettanbieter auf dem Milliarden-Markt koexistieren sollen. Das Modell sieht vor, dass Konzessionen an private Anbieter verteilt werden, um die Buchmacher so unter staatliche Kontrolle zu stellen. Die privaten Anbieter würden so offiziell in Konkurrenz zur staatlichen Oddset-Lotterie treten. Gleichzeitig könnten auf diesem Wege die Sportverbände über Lizensierungen oder feste Abgabequoten Geld von den Wettfirmen kassieren. Angeblich soll es bereits eine Übereinkunft mit dem DOSB geben, der dem gemeinnützigen Sport knapp 80 Millionen Euro bringen könnte.

Ein Blick nach Frankreich zeigt, wie durch eine sinnvolle Lösung sowohl Profi- als auch Breitensport profitieren können: Dort sehen die strengen Auflagen für die privaten Wettanbieter eine feste Abgabe von 7,5 Prozent des Wettvolumens auf jede Wette vor. Ein Teil dieser Einnahmen, die insgesamt ungefähr drei Milliarden Euro betragen, kommen dem Breitensport zugute. Wenn die Chefs der Staatskanzleien dieses Beispiel bei ihren Verhandlungen über die Reform der Sportwetten, die schon am 16. September beginnen sollen, im Blick haben, könnte sich der Sturm der Empörung im Breitensport schnell wieder legen.

Quelle: n-tv.de, mit dpa/sid

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