"Hassspiel" und HausverbotZoff artet aus: ARD erhält Unterlassungsbegehren von Eisschnelllauf-Verband

Der deutsche Eisschnelllaufverband DESG wütet: Auf die Vorwürfe in einem ARD-Bericht folgt ein Hausverbot und jetzt eine Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung. Der Zoff zwischen Präsident Matthias Große und dem Sender geht in die nächste Runde.
Nach dem ARD-Bericht über vermeintliche Missstände bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft ist der Sender vom Verband aufgefordert worden, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Das sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur einen Tag nach einem aufsehenerregenden Medientermin mit Hausverbot für zwei Journalisten des Ersten.
"Ja, das kann ich bestätigen", sagte Balkausky auf Anfrage. "Die ARD wird sich dieser Unterlagen selbstverständlich umgehend annehmen und sie kritisch in Abstimmung mit den involvierten Justiziariaten prüfen."
Die DESG um Präsident Matthias Große reagierte damit auf einen Bericht von Hajo Seppelt und Jörg Mebus. Die beiden ARD-Journalisten waren maßgeblich an einem kritischen Bericht der "Sportschau" zu Beginn der Olympischen Winterspiele beteiligt gewesen, in dem der DESG Unregelmäßigkeiten vorgeworfen und über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet wurde.
Verbandspräsident weist Vorwürfe von sich
"Wer meinen Verband auf die Schlachtbank führt, mit dem teile ich nur noch den Gerichtssaal", hatte Große am Donnerstag gewettert und von einer "Schmutzkampagne" und von "Lügen" gesprochen. Schon auf der Pressekonferenz berichtete Große, dass seine Anwälte Briefe verschickt hätten. Der Schaden für die DESG sei siebenstellig, hatte Große gesagt. Wodurch dieser explizit entstanden sein soll, erklärte er nicht.
In einer rund zweieinhalbstündigen Abrechnung mit Seppelt und Mebus hatte sich der 58-Jährige von jeglichen Anschuldigungen distanziert. Der umstrittene Präsident und mächtigste Mann in der DESG erhob während des Medientermins immer wieder die Stimme, stand auch auf, wurde emotional, laut und phasenweise aggressiv. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein sprach von einem "Hassspiel" gegen den Verband, sich und auch seine Partnerin.
Von der ARD, Journalisten-Verbänden und auch aus der Politik hagelte es Kritik an dem denkwürdigen Eklat mit dem Ausschluss der zwei Journalisten. "Die im Grundgesetz verbriefte Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Dies gilt natürlich auch für den Bereich des Sports. Auch kritische Journalistinnen und Journalisten müssen in einer Demokratie grundsätzlich Zugang zu Pressekonferenzen erhalten. Die Bundesregierung setzt sich für Transparenz ein", sagte ein Sprecher aus dem Haus der CDU-Staatsministerin für Sport, Christiane Schenderlein, der Deutschen Presse-Agentur.