Blitz-Heiratsantrag abgelehntZverev kämpft gegen Kritiker, liebestollen Fan und mit seinem Spiel

Alexander Zverev tut sich zum Auftakt der Australian Open einen Satz schwer, gewinnt dann aber sicher. Um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, muss er sich jedoch deutlich steigern. Abseits des Courts fliegen ihm seltsame Worte zu.
Das mit der Entspannung dauerte. Alexander Zverev stand nach seinem Viersatzsieg gegen den Kanadier Gabriel Diallo auf dem Court der Rod Laver Arena. Andrea Petkovic war von den Organisatoren als Interviewerin auf dem größten der Plätze im Melbourne Park eingeteilt. Die ehemalige Weltklassespielerin übernahm das Siegergespräch mit dem 28-Jährigen. Petkovic begann mit zwei Fragen zum Match. Dann änderte sich das Setting. Mitten in das Interview rief ein männlicher Fan seltsame Worte. Zverev möge ihn doch bitte heiraten. Dazu hielt er ein Schild hoch: "Sascha, marry me!".
Das bis dahin seriös geführte Gespräch auf dem Platz entglitt: "Wo ist der Ring? So billig bekommst du mich nicht!" entgegnete Zverev lachend. An ein ernst zu nehmendes On-Court-Interview war danach nicht mehr zu denken. Da waren sich Petkovic und Zverev einig. "Ich habe nein gesagt. Hör mit dem Honeymoon-Quatsch auf", rief Zverev, winkte dem Mann zu und verschwand vom Platz. Vorausgegangen war ein nur einen Satz kompliziertes Match für den Hamburger, der sich nach verlorenem Tiebreak ab dem zweiten Satz deutlich steigerte und sicher in vier Sätzen gegen Diallo gewann. "Es war schwierig, den Rhythmus zu finden. Der erste Satz war nicht mein bester. Danach, als ich ins Match kam, spielte ich besser und bin mit meinem Level am Ende sehr zufrieden."
Kampf um Platz in der Weltrangliste
Die Australian Open sind für den Weltranglistendritten von enormer Wichtigkeit. Die Punkte des Vorjahresfinals sind zu verteidigen. Sollte er früh ausscheiden, wäre der dritte Platz fürs Erste Geschichte. Zverev würde in der Weltrangliste zurückfallen. Profis, denen er sich spielerisch vorauswähnt, zögen an ihm vorbei. Das Selbstverständnis von Zverev ist, einer der drei besten Spieler der Welt zu sein. Momentan ist die Nummer drei der Welt "best of the rest".
Zu dominant treten Carlos Alcaraz und Jannik Sinner auf, als dass sich Zverev oder auch die Schar der dahinterstehenden Spieler auf Augenhöhe wähnen könnten. Sinner und Alcaraz haben sich die letzten acht Grand-Slam-Titel brüderlich geteilt. Wer einen der vier Majors gewinnen will, muss mit großer Wahrscheinlichkeit ihnen vorbei. In Zverevs Fall wären das im Halbfinale Alcaraz und im Finale Sinner. Zu unwahrscheinlich scheint es, dass die beiden vor der Runde der letzten vier stolpern.
Gibt's endlich die Weiterentwicklung?
In dieses Halbfinale muss Zverev aber erst einmal kommen. Die Grand-Slam-Ergebnisse 2025 waren abseits der Australian Open auch ein Zeugnis dafür, dass es mit dem Nervenkostüm nicht zum Besten bestellt ist. In Wimbledon gegen den aufschlagstarken Arthur Rinderknech sowie bei den US Open gegen Felix Auger-Aliassime war Zverev nicht in der Lage, kritische Situationen zu meistern. Zu häufig siegte die Passivität und ein zurückhaltendes, fast schon ängstliches Spiel. Eigenschaften, die man von Zverev abseits des Platzes nicht kennt. Das Zurückziehen in das spielerische Schneckenhaus war zu oft ungeliebtes Markenzeichen. Ein selbstbewussteres Auftreten, vor allem bei engen Spielständen, ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Jahresauftakt.
Der 28-Jährige muss dafür sein Spiel weiterentwickeln. Zu durchschaubar war es in der Vergangenheit. Die Gegner wissen, dass er auf der Vorhand Probleme bekommen, mit gut gespielten Stopps überlistet werden kann. Im Pressegespräch vor dem Turnier sprach Zverev davon, an verschiedenen Aspekten gearbeitet zu haben, wie zum Beispiel dem Serve-and-Volley-Spiel. Seine Vorhand möchte er schneller spielen, damit auch schneller zum Punkt kommen. Gegen Diallo musste er gewohnte Pfade noch nicht verlassen, zu sehr hatte er seinen jungen kanadischen Gegner ab dem zweiten Satz im Griff. In den nächsten 14 Tagen könnten jedoch Spieler auf ihn warten, die sein Spiel in den letzten Jahren entschlüsselt haben. Daniil Medvedev, ein möglicher Gegner im Viertelfinale beispielsweise. An dem beißt sich Zverev in bemerkenswerter Regelmäßigkeit die Zähne aus.
"Knochen brauchen, bis sie wieder bei 100 Prozent sind"
Ein weiterer Punkt, der im vergangenen Jahr an Wichtigkeit gewonnen hat, ist die körperliche Unversehrtheit. Zverev, seit jeher ein Vielspieler auf der Tour, der sich selten Pausen zur Regeneration gönnt, musste 2025 lernen, dass auch sein Körper ihn gelegentlich im Stich lässt. Der Rücken, die Schulter, der Knöchel meldeten sich im Laufe des Jahres. Auch in Melbourne ist er noch nicht bei 100 Prozent. "Knochen brauchen, bis sie wieder bei 100 Prozent sind. Es wird aber von Tag zu Tag besser", so Zverev, der in der ersten Runde zu keinem Zeitpunkt den Anschein machte, nicht im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein.
Zverevs nächster Gegner wird am Montagvormittag deutscher Zeit zwischen dem Australier Alexei Popyrin und dem Franzosen Alexandre Muller ermittelt. Zverev ist gewarnt: "Die Auslosung wird sicher nicht leichter für mich. Popyrin hat auf Hartplatz schon einen Masters-Titel gewonnen und Muller ist ein sehr konstanter Spieler. Ich werde mir das Spiel auf jeden Fall anschauen" Muller hatte Zverev im letzten Jahr bei dessen Heimturnier am Rothenbaum besiegt. Die für Grand Slams ungewöhnlich langen zwei Tage Pause wird Zverev nicht tatenlos bestreiten. "Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht auf dem Sofa sitze, sondern hart trainieren werde."
Und wer weiß: Vielleicht gibt es am Mittwoch nach erfolgreich absolvierter zweiter Runde den nächsten Heiratsantrag? Zverev findet auch immer abseits des Platzes große Aufmerksamkeit. Lieber wäre ihm diese aber für seine sportlichen Leistungen. Ich weiß schon, wie ich spielen muss", sagte der Hamburger nach dem Sieg: "Ich brauche keine 58 Experten und keine 80 Millionen Deutsche, um mir das zu sagen bei jedem einzelnen Grand Slam, den ich spiele." Dabei wäre das doch was: 80 Millionen Tennis-Trainer statt 80 Millionen Bundestrainer.