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Vom Fan zurück ins RampenlichtZweimaliger Olympiasieger sucht Ausweg aus dem Tief

28.01.2026, 14:26 Uhr
10-01-2026-Polen-Zakopane-Ski-nordisch-Skispringen-Weltcup-Training-Maenner-Andreas-Wellinger-aus-Deutschland-beim-Training
Wellinger musste zuletzt zuschauen. (Foto: dpa)

Zuletzt wurde Andreas Wellinger bei der Skiflug-Weltmeisterschaft sogar vom Bundestrainer aussortiert. Es ist nicht der erste Rückschlag in der Saison für den zweimaligen Olympiasieger. Vor seinen dritten Olympischen Spielen muss der Neustart in der Heimat her.

Andreas Wellinger hat keine Lust mehr aufs Zuschauen. In Ruhpolding feuerte er zuletzt Biathletin Franziska Preuß von der Tribüne aus an, in Oberstdorf musste er seinen Teamkollegen bei der Skiflug-WM tatenlos zusehen. "Nicht einfach" sei diese ungewohnte Rolle für ihn gewesen, sagte der zweimalige Skisprung-Olympiasieger später, "aber das gehört zum Sport dazu."

Nun startet er ab Freitag in Willingen. Es wird die letzte Chance, vor Olympia unter Wettkampfbedingungen an der Form zu feilen. Und wo sollte das gelingen, wenn nicht auf der Mühlenkopfschanze? Schon 2013 flog der damals 17 Jahre alte Wellinger dort mit der Mannschaft aufs Podest, 2017 und 2024 gewann er im Einzel. Die Fans tauften Willingen kurzerhand in "Wellingen" um.

Ein Sieg ist in diesem Jahr nicht zu erwarten. Genau genommen wäre es schon ein Erfolg, wenn Wellinger in die Nähe der Top 10 springen würde. Denn bislang liegt eine verkorkste Saison hinter ihm: Im Gesamtweltcup belegt der 30-Jährige derzeit den 37. Platz, bei der Vierschanzentournee war er nur auf dem 36. Rang gelandet.

Vor-WM-Desaster als gutes Omen?

Die Skiflug-WM am vergangenen Wochenende, bei der er weder im Einzel noch im Team aufgestellt wurde und am Sonntag als Vorspringer zum Einsatz kam, war der nächste Tiefpunkt. Und doch gibt Wellinger nicht auf. "Ich werde weiter pushen, jedes Detail verbessern und mich auf das konzentrieren, was als Nächstes kommt. Ich weiß, wozu ich fähig bin, und ich arbeite jeden einzelnen Tag hart, um dorthin zurückzukehren", schrieb er bei Instagram.

Aber reicht die Zeit, um bis zu den Olympischen Spielen wieder in Form zu sein? Sein ehemaliger Coach Werner Schuster ist da skeptisch. "Andi hat sich rangekämpft. Aber ob er wirklich aus dieser Position eine Medaille machen kann - dann müsste er einen Orden kriegen", sagt der ehemalige Bundestrainer, der Wellinger 2018 in Pyeongchang zu Gold geführt hatte.

Willingen könnte aber durchaus als "Booster" dienen, sagt Eurosport-Experte Schuster. Er selbst habe das vor Olympia 2010 erlebt. "Damals hatten wir auch keine einfache Situation. Viele haben Willingen ausgelassen, aber wir sind hingefahren und ziemlich gut gesprungen. Danach haben wir in Vancouver angesichts unserer Vorleistung tolle Spiele geliefert, mit Silber im Team", so Schuster. Seine Hoffnung: "Ein Erfolgserlebnis schadet nie."

Immerhin: Wellinger weiß, wie es geht. Vor genau einem Jahr war er ebenfalls auf Formsuche, im Weltcup meilenweit vom Podest entfernt. Dann flog er zur WM nach Trondheim - und holte Silber.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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