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"Das war eine beschissene Zeit" Doping-Freispruch erleichtert Biathletin

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Sachenbacher-Stehle wird wegen Dopings gesperrt - offenbar zu Unrecht.

(Foto: imago/Kosecki)

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 wird Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle positiv auf Doping getestet und gesperrt. Sie beteuert immer, nicht absichtlich gedopt zu haben - und bekommt jetzt die Bestätigung. Whisthleblower Grigori Rodschenkow erklärt, was damals passiert ist.

Ex-Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle will nach den für sie entlastenden Aussagen des russischen Whistleblowers Grigori Rodschenkow keine rechtlichen Maßnahmen einleiten. "Ich weiß nicht, ob ich das Ganze nochmals aufwärmen wollte. Das Ganze hat mich so viel Kraft gekostet, das war eine richtig beschissene Zeit. Ich bin froh, dass ich das für mich abschließen konnte", sagte die 39-Jährige über ihre Dopingsperre nach Olympia 2014. Zudem wisse sie auch nicht, ob sie überhaupt rechtliche Schritte einleiten könnte.

Laut Auszügen aus dem Buch Rodschenkows ("The Rodschenkow Affairs"), das an diesem Donnerstag erscheint, seien Sachenbacher-Stehle die russischen Betrügereien bei den Olympischen Winterspielen 2014 zum Verhängnis geworden. "Erstes Opfer war die deutsche Athletin Evi Sachenbacher-Stehle", schreibt Rodschenkow. Sie hatte nach einem Rennen eine geringe Menge Methylhexanamin im Urin, ihr Fall sei ein Grenzfall gewesen. Aber um die Funktionsfähigkeit seines russischen Labors, in dem laut McLaren-Report positive russische Dopingproben vertuscht wurden, zu beweisen, habe Rodschenkow den Fall gemeldet.

Die Suche nach der Ursache

Sachenbacher-Stehle war vom Biathlon-Weltverband IBU für zwei Jahre gesperrt worden, der Internationale Sportgerichtshof Cas reduzierte die Strafe auf sechs Monate. Sachenbacher-Stehle hatte den positiven Test mit der Einnahme eines verunreinigten Teepulvers erklärt. Laut Wada-Code sind Athleten aber selbst verantwortlich für die Stoffe, die sie einnehmen.

"Inwieweit der Fall beziehungsweise bestimmte Mess- und Grenzwerte neu bewertet werden müssen, lässt sich für uns aktuell nur schwer einschätzen. Es war und ist aber ohnehin unstrittig, dass Evi nie in bewusster und betrügerischer Absicht gehandelt hat", sagte Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation im Deutschen Skiverband. Genauso unstrittig sei aber ihre damalige Fahrlässigkeit: "Die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels war ein Fehler, für den Evi leider am Ende teuer mit ihrem Karriereende bezahlen musste."

Das Internationale Olympische Komitee lässt allerdings keinen Zweifel aufkommen, dass die Ex-Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hat. Wie das IOC mitteilte, sei damals die "Frage der geringen Konzentration des verbotenen Stoffes" von der Medizinischen Kommission des IOC vor der Bestätigung des Analyseergebnisses ihrer Dopingprobe geprüft worden. Dies habe auch die Disziplinarkommission des IOC bei der Entscheidung getan, Sachenbacher-Stehle zu disqualifizieren.

Jurist bestätigt Befürchtung

Sachenbacher-Stehles Befürchtungen, dass sie jetzt nachträglich gar nichts mehr tun kann, bestätigte der Sportrechtler Michael Lehner: "Das Mittel ist festgestellt worden, und auch nach dem heutigen Reglement wäre sie ganz genauso reingeraten. Und deswegen kann man den Gedanken an Schadensersatzansprüche, weil nach dem Reglement was falsch entschieden wurde, gar nicht haben." Er sagte weiter: "Wenn ich den Wada-Code sehe, gab es nach dem Reglement eine Verpflichtung, auch geringe Mengen zu melden. Nicht zu melden wäre ein eindeutiger Verstoß des Dopinglabors gewesen", sagte Lehner.

Für den Juristen aus Heidelberg sei die eigentlich interessantere Nachricht, dass die Labors offenbar eine eigene Hoheit in Anspruch nähmen, "welchen Fall melden wir positiv weiter und welchen nicht." Dennoch hätte aus seiner Sicht eine Verwarnung Sachenbacher-Stehles, die vom Weltverband für zwei Jahre gesperrt wurde, gereicht. Für ihn sei das ein gutes Beispiel dafür, über die Auslegung des Reglements zu diskutieren. "Ein Anti-Doping-System muss eben auch vertragen können, dass Fälle wie dieser nicht mit dem vollen Schwert von zwei oder vier Jahren bestraft werden", sagte Lehner. Zudem müsste bei solch niedrigen Konzentrationen wie bei der heute 39-Jährigen, "die überhaupt keine Leistungssteigerung haben", vielleicht die Beweislast, nicht gedopt zu haben, statt beim Athleten beim Verband liegen, sagte Lehner.

Quelle: ntv.de, ara/dpa