Formel1

Formel 1: Vettels Auto wieder kaputt Button siegt, Schumacher Zehnter

Formel-1-Pilot Jenson Button fährt für McLaren beim Großen Preis von Australien den ersten Saisonsieg ein. Auf den Plätzen landen Kubica im Renault und Massa im Ferrari. Mercedes-Pilot Schumacher wird ohne große Chance knapp Zehnter. Die Technik kostet Red-Bull-Pilot Vettel in Führung liegend erneut den Sieg.´

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Dank einer sehr guten taktischen Leistung und viel Sensibilität für die Reifen gewinnt Jenson Button den Grand Prix von Australien.

(Foto: REUTERS)

Wieder hat es Sebastian Vettel nicht geschafft – und wieder lag es am Auto. Wie schon vor 14 Tagen in Bahrain scheiterte der deutsche Formel-1-Pilot auch beim Großen Preis von Australien daran, dass sein Red Bull streikte. Dabei lag er doch in Führung. So aber gewann Jenson Button im Mc Laren vor Robert Kubica im Renault. Und Michael Schumacher? Fuhr im Mercedes chancenlos hinterher und landete am Ende auf Platz zehn. Er zeigte, nach einem Unfall in der ersten Runde, ein unauffälliges Rennen. Dennoch war es bezeichnend, wie schwer sich der Rekord-Weltmeister mit dem Überholen des eigentlich deutlich schwächeren Torro Rosso von Alguersuari tat.

Sein Teamkollege Nico Rosberg, der sich am Ende als bester Deutscher mit dem fünften Platz zufrieden zeigte, hatte mehr Glück und machte das Beste aus den Möglichkeiten seine Mercedes. Nicht ins Ziel kamen Adrian Sutil im Force India, den ein technischer Defekt ausstach, und der unglückliche Nico Hülkenberg, der schuldlos ausschied. Auch Timo Glock musste seinen Virgin nach 41 Runden wegen technischer Probleme abstellen.

"Das geht mir auf die Eier"

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"Das ist Scheiße": Sebastian Vettel.

(Foto: dpa)

Während sich Schumacher dennoch zufrieden zeigte - "Wir waren deutlich schneller als in Bahrain" -, war Sebastian Vettel maßlos enttäuscht. "Das ist Scheiße. Im Moment möchte ich am liebsten nach Hause gehen, aber das Leben geht weiter", klagte der von Pole Position gestartete Vettel, nachdem ihn eine explodierte Bremsscheibe in der 26. Runde jäh gestoppt hatte. Wie schon beim Saisonauftakt in Bahrain war er in Führung liegend von einem Defekt brutal aus allen Siegesträumen gerissen worden. "Das geht mir auf die Eier", wetterte der Heppenheimer nach der actionreichen PS-Show von Australien.

Und das ist das Positive, was es aus Melbourne zu berichten gibt: Langweilig war es nie beim zweiten Grand Prix der noch jungen Formel-1-Saison. Auch wenn Vettel das herzlich egal sein dürfte.

 

Das Rennen im Zeitraffer:

Es geht gleich zur Sache

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In einem aufsehenerregende Crash wird Williams-Pilot Nico Hülkenberg vom Japaner Kobayashi abgeschossen.

(Foto: REUTERS)

Das Wetter sorgt vor dem Start des Großen Preises von Australien für unangenehme Bedingungen. Die Strecke ist nass, beim Training war's trocken. Das gesamte Feld geht mit Intermediate-Reifen, also Gummis, die zwischen echten Regenreifen und den üblichen Trockenreifen liegen, auf die Strecke. Allerdings: Der Kurs trocknet schnell ab.

Sebastian Vettel münzt seine Pole Position beim Start in eine Führung um. Souverän steuert er die erste Kurve an. Hinter ihm geht es zur Sache. Jenson Button greift sofort den Ferrari von Fernando Alonso an, berührt mit seinem Auto das des Spaniers und dreht den Ferrari um. Dessen Heck beschädigt den Frontflügel von Michael Schumachers Auto, das sich auf der Außenbahn befindet. Alonso muss das Feld an sich vorbeiziehen lassen, Schumacher direkt in die Box. Gewinner ist Felipe Massa, der sich aus allem raushält und auf Rang zwei fährt.

Kobayashi schießt Hülkenberg ab

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Jenson Button profitiert vom Pech Vettels, hält die beiden Ferraris und Kubicas Renault im Schach.

(Foto: REUTERS)

Direkt im Anschluss verliert Kamui Kobayashi den Frontflügel seines Autos und schießt unkontrolliert in den Williams von Nico Hülkenberg rein. Dabei nimmt der Japaner auch den Torro Rosso von Sebastian Buemi und Jarno Trulli mit. Vier Autos sind damit draußen. Hülkenberg kostet der Crash wertvolle Runden. Es folgt eine Safety-Car-Phase von drei Runden, bevor es weitergeht. Alonso und Schumacher starten von hinten die Aufholjagd durch das Feld. Beinahe fährt der Spanier ins Heck des Virgin von Timo Glock.

Anders als beim ersten Rennen sehen wir spannende Kämpfe und Überholmanöver. Lewis Hamilton überholt in Runde sechs seinen Teamkollegen Button, der aber auch sicherheitshalber Platz macht. Weiter vorne zieht Mark Webber an Massa vorbei. Hinten kommt auch Schumacher an Glock vorbei. Schon in dieser Runde fährt Button in die Box und holt sich Trockenreifen ab. Eine mutige Entscheidung, die sich auszahlen soll. Zwei Runden später kommt nahezu das gesamte Feld zum Reifenwechsel. Die spannende Frage in dieser Phase des Rennens ist, ob das Wetter hält oder es noch einmal regnen wird.

Webber im Pech, Button profitiert

Durch seinen frühen Stopp kann Button auf den zweiten Platz hinter Vettel vorfahren. Teamkollege Webber kommt erst zwei Runden später an die Box und verliert wertvolle Zeit. Nachdem er mit neuen Reifen auf der Strecke ist, rutscht er gleich ins Kiesbett. Irgendwie scheint das Pech den Australier bei seinem Heim-Grand-Prix zu verfolgen. Vorne fährt Vettel einen komfortablen Vorsprung von rund drei Sekunden vor Button heraus. Alonso fegt hinten durch das Feld und liegt bereits eine halbe Minute vor Schumacher. Der Kerpener liefert sich einen packenden Kampf mit Jaime Alguersuari, der den Rekord-Weltmeister zunächst in Schach hält.

Bis zur 25. Runde fährt Vettel ein unbeschwertes Rennen und dominiert mit einem Vorsprung etwas unter fünf Sekunden. Schumacher zieht an Alguersuari vorbei und erobert Rang zwölf. Hamilton fährt im Verfolgerfeld auf Kante und liefert ein heißes Rennen. Der Brite holt sich Massa, dank einer höheren Top-Speed. Doch schon hier ist zu sehen, dass Hamilton mit seinem Fahrstil die Reifen arg malträtiert – der hohe Preis für seine Überholmanöver.

Lockere Schraube zerstört Vettels Sieg

Dann die Katastrophe bei Red Bull. Vettels linkes Vorderrad wurde beim Boxenstopp nicht richtig angeschraubt. In den folgenden Runden zerstört das schlackernde Rad die Bremsscheibe des Heppenheimers. In Runde 26 hat Vettel vor Kurve 13 keine Bremskraft mehr vorne links und rutscht einfach geradeaus ins Kiesbett. Erneut macht ein technischer Defekt Vettels Rennen kaputt und kostet ihn innerhalb von zwei Wochen den zweiten Sieg.

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Ein überraschend starkes Rennen fährt Robert Kubica. Der Pole im Renault gibt den starken Ferraris keine Gelegenheit zum Überholen.

(Foto: REUTERS)

Nutznießer ist Button, der jetzt mit einem beruhigenden Abstand auf dem ersten Platz unterwegs ist. In Runde 30 geht Schumacher bereits zum dritten Mal in die Box. Bei der Ausfahrt verliert er den Grip, rutscht bereits in der Box und muss in der ersten Kurve leicht ins Kiesbett. Beinahe hätte ihn den Stopp auch das gesamte Rennen gekostet. Die erste Runde mit den neuen Reifen ist für alle Fahrer ein Balanceakt. Zumal die Strecke teilweise immer noch nass ist. Regnen wird es aber nicht mehr im Albert Park.

Renault wieder erstarkt

In Runde 35 kommt ein Teil des Feldes erneut an die Box und holt neue Reifen. Vier Fahrer aber bleiben draußen. Eine schwierige Entscheidung für die Teams. Am Ende soll es sich für Button, Kubica, Massa und Alonso lohnen, nicht an die Box gefahren zu sein. Im hinteren Feld kommt Webber wieder eine Runde zu spät rein und muss seinen Platz an Hamilton abgeben. In der Folge entwickelt sich ein spannendes Duell. Webber fährt nach einem Fahrfehler kurzzeitig vorbei, aber der Brite kontert und hält sich vor dem Australier.

Vorne kann sich der Button einen komfortablen Vorsprung (15,1 Sekunden) vor dem Überraschungszweiten Robert Kubica im Renault sichern. Den Polen spült der Boxenstopp auf diese Position. Dicht dahinter fahren die Ferrari mit Massa und Alonso im Doppelpack. Aber der Renault ist auf der Geraden schnell und Massa hat keine Chance am Polen vorbei zu ziehen. Dahinter kommt Hamilton herangerauscht.

Ein-Stopp-Strategie gewinnt

Der Verzicht auf den Reifenwechsel stellt sich als die richtige Entscheidung heraus. Sechs Runden vor Schluss sind die vier standhaften Autos auf den ersten vier Plätzen. Schumacher hat es im Feld schon wieder mit Alguersuari zu tun, der sich auf Platz elf befindet. Kubica setzt sich von beiden Ferraris wieder etwas ab. Rosberg fährt, zu dem Zeitpunkt auf Platz sieben liegend, ein souveränes Rennen. Für Attacken ist der Mercedes nicht stark genug, aber der Wiesbadener hat Luft nach hinten.

Das Duell zwischen Alonso und Hamilton sorgt auf den Plätzen für Spannung. Doch der Brite kommt nicht vorbei, obwohl der McLaren von der Höchstgeschwindigkeit her Vorteile hat. Dann bauen seine Reifen doch stark ab, Hamilton muss seine Angriffe auf den Spanier einstellen. In der 55. Runde kommt Schumacher erneut an Alguersuari vorbei und liegt nur noch 0,6 Sekunden hinter dem auf Platz zehn liegenden Pedro de la Rosa.

Crash zwischen Hamilton und Webber

Auf den Plätzen drei, vier, fünf und sechs kämpfen Massa, Alonso, Hamilton und Webber um den letzten verbliebenen Podiumsplatz. Kubica im Renault ist weg, ebenso Button, der einem souveränen Sieg entgegen fährt. In einem wilden Überholmanöver kollidieren Hamilton und Webber. Nutznießer ist der dahinter liegende Rosberg, der auf Platz fünf fährt und sich beinahe noch Alonso auf Platz vier überholt hätte. Webber fährt nach dem Crash mit Hamilton weiter, fällt aber auf Rang neun zurück, Hamilton bleibt hinter Rosberg Sechster.

In dieser Reihenfolge gehen die Autos dann auch über die Ziellinie. Jenson Button gewinnt vor dem überraschend starken Renault von Kubica und Massa im Ferrari. Dahinter sein Teamkollege Alonso und Rosberg im Mercedes. Nach einem furiosen Auftritt kommt Hamilton im McLaren auf einen sechsten Rang. Schumacher ergattert vor Sauber-Pilot Pedro de la Rosa noch den letzten WM-Zähler.

Quelle: ntv.de