Formel1

RTL zieht ab - und Vettel? Die Formel 1 rückt in Deutschland ins Aus

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Die Hochzeit der Formel 1 in Deutschland ist lange vorbei.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Jahrelang kommen die Weltmeister in der Formel 1 aus Deutschland, noch länger sind sie absolut konkurrenzfähig. Doch die Erfolgsära ist vorbei - und nun endet auch die jahrelange Live-Berichterstattung von RTL. Für die Königsklasse des Motorsports bedeutet das nichts Gutes.

Die Abschiedstour beginnt am 5. Juli in Österreich - für RTL, für Sebastian Vettel und letztlich auch für die deutschen Fans. Die Formel 1 als bunt präsentiertes Unterhaltsprodukt im Free-TV, der viermalige Weltmeister Vettel im Ferrari-Cockpit als Anwärter auf Top-Platzierungen: Nach der in knapp zwei Wochen startenden Saison 2020 brechen für die Formel-1-Anhänger hierzulande gleich zwei lieb gewonnene Traditionen weg. Der negative Trend, den die Motorsport-Königsklasse im Autoland Deutschland hinter sich hat, steuert mit dem am Sonntag verkündeten Rückzug des Privatsenders RTL nach drei gemeinsamen Jahrzehnten auf den vorläufigen Tiefpunkt zu.

Das PS-Spektakel und die deutschen Mitspieler - sie sind sich fremd geworden. Der Wettbewerb um die Rechte habe sich verändert, den Markt "teils überhitzt", sagte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf. Der durchaus ambitionierte dennoch wirtschaftlich vertretbare Rahmen sei verlassen worden.

In den 90er-Jahren war die Formel 1 dank der Erfolge von Rekordweltmeister Michael Schumacher TV-Quotenkönig bei RTL, stand auf einer Stufe mit dem zum Nischenprodukt verkommenen Boxen und dem Fußball, auf den RTL künftig seinen Fokus richtet. Die Formel 1 droht nun dagegen hinter die Bezahlschranke und damit aus dem Sichtfeld vieler Zuschauer zu geraten, die der sportliche Wettbewerb zuletzt ohnehin nicht immer überzeugte. Die Formel 1 war in der jüngeren Vergangenheit zu oft ein vorhersehbarer Wettkampf, in dem wenige Autos um den Sieg stritten, der Weltmeister seit 2014 im Mercedes saß und fünfmal Lewis Hamilton hieß.

Wer kommt nach Vettel?

Die Frage nach der ökologischen Nachhaltigkeit des Motorsports in Zeiten des Klimawandels sowie die jüngst aufkeimende Debatte über fehlende kulturelle Vielfältigkeit erschweren den Stand der Formel 1 zusätzlich. Nichts würde das Interesse in Deutschland aber wohl derart mindern wie ein Abgang von Vettel, dessen Zeit bei Ferrari nach der Saison 2020 endet. Ein neues Cockpit hat er noch nicht gefunden.

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Die Formel 1 könnte 2021 erstmals seit 1981 ohne deutschen Piloten starten - es wäre die nächste Zäsur. Zwischen 1997 und 2017 waren stets mindestens drei deutsche Fahrer im Feld vertreten, 2010 waren es derer sogar sieben.

Auf dem Nürburgring und in Hockenheim fanden mitunter gleich zwei Rennen in Deutschland statt. 176 Grand-Prix-Siege holten die Piloten seit 1992, Schumacher (7), Vettel (4) und Nico Rosberg (1) gewannen zwischen 1994 und 2016 insgesamt zwölf WM-Titel. Ein Rennen in Deutschland war 2020 nicht geplant, auch im wegen der Coronakrise veränderten Rennkalender fand der Hockenheimring keine Beachtung.

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid

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