Formel1

"Es ist beängstigend" Die klassische Formel 1 steht auf dem Spiel

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Die 70. Saison der Formel 1 soll knapp vier Monate später als geplant beginnen.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Anfang Juli soll die Formel 1 mit zwei Rennen in Spielberg starten. Die Genehmigung, in Österreich zu fahren, ist ein bedeutender Fortschritt beim Versuch, die Saison 2020 zu retten. Und das Bemühen darum ist für die Königsklasse alternativlos.

Der Plan für die 70. Saison der Formel 1 sah Großes vor. 22 Rennen, so viele wie noch nie seit ihrer Gründung wollte die Königsklasse austragen. Doch statt die Premiere des Großen Preises von Vietnam in Hanoi zu feiern oder die Rückkehr auf den Traditionskurs von Zandvoort an der niederländischen Nordseeküste, geht es inmitten der Corona-Pandemie darum, dass von diesen Plänen überhaupt noch etwas übrig bleibt, dass 2020 überhaupt ein Weltmeister gekürt wird. Und letztlich auch darum, dass die Formel 1 und ihre Teams die Krise überstehen. Mit der Erlaubnis der österreichischen Regierung, Anfang Juli in Spielberg die ersten beiden Grands Prix des Jahres auszufahren, ist sie diesem Ziel bedeutend näher gekommen.

Am 5. und am 12. Juli soll auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in der Steiermark die Saison beginnen. Unter strengen Auflagen für die Durchführung und der Voraussetzung, dass Österreich die Ausbreitung des Coronavirus bis dahin weiter unter Kontrolle hat. Steigen die Fallzahlen plötzlich wieder rapide, droht der F1 die erneute Absage, ohne dass sie selbst etwas dagegen tun könnte. Doch selbst wenn dann in knapp fünf Wochen Lewis Hamilton, Sebastian Vettel & Co. über den einstigen Österreich-Ring jagen, ist das nur der erste Schritt eines langen Weges. Denn wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Und doch ist das Bemühen darum, die Saison zu retten, alternativlos - auch wenn die Geisterrennen ähnlich stimmungsbefreit ablaufen dürften wie die Fußballspiele in leeren Betonschüsseln. Besonders auf Strecken wie der in Spielberg, an die sonst Hunderttausende pilgern.

Reformen nutzen nur, wenn gefahren wird

Die deutsche Fußball-Bundesliga brauchte eine Weile, bis sie offen gestand, dass es beim Restart nicht darum gehe, "für die Fans" zu spielen, sondern stattdessen wirtschaftliche Aspekte das Handeln bestimmen, dass es vor allem um die Auszahlung der TV-Gelder in voller Höhe ging, wofür eine Fortsetzung alternativlos war. In der Formel 1 ist das nicht anders, 15 Rennen sind den Verträgen mit den Übertragungspartnern nach notwendig, damit diese die vereinbarten Zahlungen leisten, die dann wiederum als Preisgelder an die Teams ausgeschüttet werden. "Wir sind abhängig von den Geldern, die wir aus den Ergebnissen der Konstrukteurs-WM erhalten", erklärte Claire Williams, Chefin des gleichnamigen Teams.

"Es ist beängstigend, dass wir nicht nur ein oder zwei Teams verlieren könnten, sondern gleich mehrere, wenn wir nicht auf die Strecke zurückkehren", verdeutliche Williams beim britischen TV-Sender Sky Sports ihre Zukunftssorgen. Der Traditionsrennstall Williams steht seit dieser Woche offiziell zum Verkauf. McLaren meldete frühzeitig Kurzarbeit an, Racing Point ebenfalls, leitende Angestellte und Fahrer verzichteten auf Teile ihres Gehalts, nicht aus Wohlwollen, sondern aus Notwendigkeit. Ferrari, lange entschiedener Gegner eines Kostenlimits, stimmte einem Ausgabendeckel zu, der weit unter dem liegt, was die Scuderia in den vergangenen Jahren investierte, damit die kleineren Teams nicht endgültig abgehängt werden. Die für 2021 geplante tiefgreifende Regelreform wurde um ein Jahr nach hinten verschoben.

Doch ohne eine Rückkehr auf die Rennstrecke sind diese Änderungen wertlos. Und anders als die Fußball-Bundesliga fällt die Restart-Verkündung nicht in eine Zeit der zunehmenden Einschränkungen, sondern fügt sich in eine Reihe von Lockerungen ein. Zugleich ist es aber nur ein Auftakt, nur eine Genehmigung für zwei Rennen in Österreich. Anschließend plant die Formel 1 weitere Grands Prix in Europa. Doch weder im britischen Silverstone, noch im belgischen Spa-Francorchamps oder im italienischen Monza ist die Austragung bisher offiziell bestätigt. Auch dort wird die Königsklasse darum bemüht sein, das Gesundheitskonzept von den zuständigen Behörden so bald wie möglich genehmigen zu lassen. Nicht nur, weil die komplexe Logistik eine gewisse Vorlaufzeit benötigt. Sondern weil es für die Zukunft der Formel 1 in ihrer jetzigen Form keine andere Wahl gibt.

Quelle: ntv.de