Formel1

Neunter im 1. Freien Training "Hulk" rast auf tauber Pobacke zurück

Es muss schnell gehen: Nico Hülkenberg erhält kurzfristig ein Cockpit in der Formel 1, in letzter Sekunde ist der Deutsche bereit für die Rückkehr. Es zwickt und drückt hier und da noch, sportlich findet sich der "Hulk" indes erhofft schnell wieder zurecht.

15 Minuten vor dem ersten freien Training zwängte sich Nico Hülkenberg in Windeseile in einen Formel-1-Overall seines neuen Teamkollegen Lance Stroll, nach einer Stunde auf der Strecke von Silverstone bat er Racing Point um eine Auszeit. "Kann ich eine kurze Pause machen?", funkte Hülkenberg an die Box: "Meine rechte Pobacke wird taub, da unten ist ein Druckpunkt." Der in einer Hauruck-Aktion auf seine Maße angepasste Sitz ließ noch ein paar Wünsche offen.

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Nico Hülkenberg fand schnell wieder in die Formel 1 zurück. Auch, wenn es noch ein bisschen zwickt und drückt.

(Foto: imago images/HochZwei)

Es ist eben alles nicht so einfach, wenn man in weniger als 24 Stunden vom Formel-1-Ruheständler zum Teilzeit-Stammfahrer in einem der angesagtesten Rennställe des Jahres wird. Dennoch landete Hülkenberg in seinem ersten freien Training nach neun Monaten Formel-1-Pause auf einem beachtlichen neunten Platz.

"Ich war am Donnerstag auf dem Weg zum Nürburgring für ein anderes Rennprojekt, als der Anruf von Otmar Szafnauer (Racing-Point-Teamchef, d. Red.) kam", erzählte der "Hulk". Es fühle sich für ihn "jetzt etwas surreal an, aber ich mag eine gute Herausforderung, und dies ist sicherlich eine."

Hülkenberg wird an diesem und am nächsten Formel-1-Wochenende in Silverstone anstelle des positiv auf Corona getesteten Mexikaners Sergio Perez im Racing Point sitzen - einem der aktuell stärksten Autos im Feld. Der 33-Jährige steuert neben Teameigner-Sohn Lance Stroll (Kanada) den zweiten "Pink Panther" in der Heimat des britischen Motorsports.

Hülkenberg "die beste Lösung"

Es sei "offensichtlich eine schwierige Situation für Racing Point und Checo (Perez, d. Red.)", sagte Hülkenberg: "Er ist ein Kumpel von mir, mein alter Teamkollege, und ich wünsche ihm eine baldige Genesung. Ich werde einspringen und versuchen, für das Team das Beste zu geben." Es sei nicht einfach gewesen, in der Kürze der Zeit einen Ersatz für Perez zu finden, sagte Teamchef Szafnauer, aber "jetzt haben wir die beste Lösung. Nico ist ein fantastischer Fahrer, der das Team bestens kennt. Er muss ein bisschen ins kalte Wasser springen, aber das wird er locker schaffen."

Perez entschuldigte sich derweil via Twitter und sprach vom "traurigsten Tag meiner Karriere". Er habe alle Sicherheitsmaßnahmen befolgt, als er mit Erlaubnis der Formel 1 und seines Teams nach dem Rennen in Ungarn zu seiner bei einem Unfall schwer verletzten Mutter nach Mexiko geflogen war: "Ich habe alles getan, was nötig war, ich weiß nicht, wie es zu diesem Testergebnis kommen konnte." Nun also Hülkenberg, dem sich im Racing Point eine riesengroße Chance bietet, nachdem er Ende 2019 von Renault ausgemustert worden war. 177 Rennen ohne einen einzigen Podestplatz stehen in seiner bisherigen Formel-1-Laufbahn für ihn zu Buche, ein Rekord, auf den er liebend gerne verzichten würde.

Dabei haftet ihm keineswegs das Image des Hinterherfahrers an, im Gegenteil, er galt stets als einer der Talentiertesten im Feld. Doch wann immer sich die Chance auf etwas Größeres auftat, wurde sie durch Pech, unglückliche Entscheidungen oder eigene Fehler vertan. Keine Chance mehr hatte er am Ende bei Renault. Seit 2017 war er Aufbauhelfer der Franzosen, die sich aber nach wie vor schwer tun, zu den Topteams aufzuschließen. Nach einer eher durchwachsenen Saison 2019 musste Hülkenberg sein Cockpit für den jungen Franzosen Esteban Ocon räumen.

Quelle: ntv.de, sid