Formel1

Formel-1-Konkurrenz ist sauer Immer wieder nervt Rookie Mazepin

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Mazepin hat in der Formel 1 noch nicht Fuß gefasst.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Erst machen sich die Fans lustig, jetzt beschweren sich auch immer mehr Kollegen. Es ist nach drei Formel-1-Rennen wohl keine Übertreibung: Nikita Mazepin hat wenige Freunde im Paddock. ntv-Experte Felix Görner erklärt, wieso das für den Haas-Piloten zum Problem werden kann.

Nein, so richtig angekommen ist Nikita Mazepin noch nicht in der Formel 1. Erst seit dieser Saison mischt er in der Königsklasse des Motorsports mit. Doch die Vorbereitung und drei Rennen reichen bereits für dieses Urteil. Jüngstes Beispiel: Am Sonntag beim Großen Preis von Portugal brachte der 22-Jährige mitten im Rennen Red-Bull-Pilot Sergio Perez derart in Rage, dass dieser lautstark am Funk fluchte: "Diese verdammten Idioten!"

Was war passiert? In Runde 46 - der Mexikaner führte zu diesem Zeitpunkt noch das Rennen an - hatte er plötzlich Mazepin vor sich. Perez wollte den Haas-Piloten überrunden, dafür sah der Russe zuvor entsprechende Blaue Flaggen. Doch statt regelkonform Platz zu machen, drängte er Perez ab, es kam beinahe zur Kollision. Perez wütete und fluchte mit nicht jugendfreien Vokabeln. Erst kurz darauf ließ Mazepin den Kontrahenten gewähren und steckte zurück.

"Sinnlos zickig"

Der Rookie benehme sich derzeit "sinnlos zickig", analysiert ntv-Experte Felix Görner. "Du bekommst keinen Respekt von anderen Fahrern durch solche Manöver, in denen du dich beim Überrunden querstellst. Es macht dich auch keine Tausendstel schneller."

Im Gegenteil: Die Rennkommissare schauten anschließend noch einmal auf die Aktion und verhängten eine Fünf-Sekunden-Strafe für Mazepin. Diese spielte allerdings keine wirkliche Rolle mehr, da der überrundete Haas-Mann abgeschlagen als Letzter (19.) über die Ziellinie rollte. Ganze 63 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Mick Schumacher auf P17.

Der Beinahe-Crash mit Perez ist eine Aktion, die sinnbildlich für den bisherigen Verlauf der jungen Saison von Mazepin steht. Unerfahrenheit gepaart mit Ungestüm. "Mazepin ist fähig, sein Können aufblitzen zu lassen. Aber er kriegt es konstant nicht hin, dann gehen die Gäule mit ihm durch. Teamchef Günter Steiner wird ein ernstes Wort mit ihm reden", so Görner.

"Absolut mein Fehler"

Nach dem Rennen gestand Mazepin den Fehler ein. "Es ist ganz einfach, das war absolut mein Fehler", sagte er. Er habe nach seinem Stopp schlicht nicht mit einem anderen Wagen gerechnet, so der Russe: "Ich war der einzige Fahrer auf einer Zwei-Stopp-Strategie. Und um ehrlich zu sein, dachte ich, dass niemand hinter mir ist."

Allerdings war es auch nicht die erste Rüpel-Aktion am zurückliegenden Wochenende. Schon am Samstag im Qualifying war Mazepin beschimpft worden. Kurz vor dem Start in Q1 überholte Mazepin den Kanadier Nicholas Latifi im Williams, der prompt den Haas vor der Nase hatte und fast auffuhr. "Der Typ ist ein verdammter Idiot", ärgerte sich Latifi.

Mazepin gab sich anschließend kleinlaut: Absicht stritt er ab, "es tut mir sehr leid, dass er sauer ist", sagte er und beteuerte, die Szene noch einmal genau anzugucken. Auch am Freitag stand Mazepin im Fokus. "Was zur Hölle macht er da?!", fragte er im 1. Training in Richtung Haas-Garage. Gemeint war Teamkollege Schumacher, der auf seinen schnellen Runden den Russen überholte. Mazepin pampte in Richtung seines Rennningenieurs: "Das hättet ihr mir ruhig sagen können."

Auch Kommunikationsfehler?

Auffällig: Bislang hielt sich Mazepin häufig nicht an das Gentlemen's Agreement im Qualifying, wonach sich Piloten bei der Vorbereitung auf eine schnelle Runde genügend Platz gewähren und nicht überholen. Mazepin berief sich aber stets auf Ansagen vom Kommandostand. Die Fehler sind also offenbar nicht nur dem Heißsporn anzukreiden, sondern auch auf mangelnde Kommunikation zurückzuführen.

Nun ist es aber auch so, dass er die Mini-Fehden nicht mit Ergebnissen auf der Strecke übertünchen könnte. Auf dem Statistikbogen stehen bislang ein Ausfall, Platz 17 und nun 19, was jeweils den letzten Rang bedeutete. Und deutlich schwerwiegender: Im teaminternen Duell hat Schumacher klar die Nase vorne.

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Schumacher setzte in Portimao mit dem ersten richtigen Überholmanöver gegen Latifi zudem ein Ausrufezeichen. Momentan hat Mazepin gegen ihn keine Chance. "Mick macht es da besser. Er versucht erst gar nicht, solche Fehler zu machen oder aus Fehlern ganz schnell zu lernen", erklärt Görner, der weitere Probleme auf Mazepin zukommen sieht. "Wenn man von den anderen Fahrern keinen Respekt bekommt, hilft das nicht auf der Strecke, weil die sich dann auch teilweise querstellen und manchmal mit gleicher Münze heimzahlen. Insofern ist es kurzsichtig. Er muss das dringend und schnell abstellen. Vielmehr sollte er sich konzentrieren, wie er Mick Schumacher schlagen kann. Damit hat er große Probleme. Das sollte sein Fokus sein."

Trotz aller Probleme stellt sich Teamchef Günther Steiner hinter seinen Piloten. Schon vor dem GP in Portugal sagte er im RTL/ntv-Interview: "Ihm jetzt Vorwürfe zu machen, bringt gar nichts. Man muss ihm erklären, dass man manchmal einen Schritt zurück machen muss und dann zwei nach vorne", so Steiner. "Man muss sich ans Limit herantasten." Mazepin müsse "ruhig bleiben". Ruhig bleiben, ab und an Platz machen. Es wäre ein erster Schritt.

Quelle: ntv.de, ara/rtl.de

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