Formel1

Vettels Motor deutlich stärker Mercedes-Erfolg überdeckt Speed-Probleme

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Hamilton jubelte vielleicht auch deswegen besonders ausgelassen mit seinem Team, weil der Sieg so überraschend kam.

(Foto: REUTERS)

Der Sieg von Mercedes sorgt bei Daimler-Chef Zetsche für Erleichterung. Doch der Erfolg von Hamilton und Bottas in Hockenheim verdeckt die großen Probleme: Die Ferrari-Motoren sind deutlich stärker. Schon in Ungarn könnte Ferrari das wieder zeigen.

Als Lewis Hamilton auf ihn zustürmte, reagierte Dieter Zetsche ausgelassen wie ein Schuljunge. Völlig losgelöst herzte der 65 Jahre alte Vorstandsvorsitzende der Daimler AG seinen Sternfahrer nach dessen sensationellem Sieg in Hockenheim. Die Laune von "Doctor Z", wie Hamilton seinen höchsten Vorgesetzten gern nennt, war tags zuvor noch deutlich schlechter gewesen. Während des Qualifyings, als Hamiltons Mercedes wegen eines Hydrauliklecks den Dienst quittierte, griff Zetsche spontan zum Hörer und rief Toto Wolff auf dem Handy an. "Er hat gesagt, dass das unglaublich sei", berichtete der Mercedes-Motorsportchef und erntete einige Lacher: "Er ist der Einzige, bei dem ich während einer laufenden Einheit abhebe."

Die Zetsche-Episode spiegelte perfekt die Stimmung beim Weltmeisterteam während des ereignisreichen Heimspiels in Hockenheim wider. Am Samstag hatte wenig bis nichts für einen Doppelsieg durch Hamilton und den Finnen Valtteri Bottas gesprochen, umso ekstatischer waren die Reaktionen, als dieser Realität war. Sie waren allzu verständlich, zumal Hamilton durch seinen Sieg von Startplatz 14 aus acht Punkten Rückstand auf den in Führung liegend ausgeschiedenen Ferrari-Star Sebastian Vettel einen 17-Punkte-Vorsprung machte. Auch Mercedes übernahm in der Konstrukteurswertung wieder die Führung von der Scuderia, allerdings geht das dominierende Team der letzten vier Jahre mit nur acht Zählern Vorsprung in den Großen Preis von Ungarn (Sonntag, 15.10 Uhr live bei RTL und im Live-Ticker bei n-tv.de).

Hamilton befürchtet, dass sich auf dem engen Hungaroring das Blatt schon wieder drastisch wenden kann. "Der Ferrari ist immer noch unglaublich schnell und verlässlich. Wir dürfen uns nicht auf individuelle Fehler verlassen", erklärte der 33-jährige Brite, der nach einer Untersuchung sogar rund zwei Stunden um seinen 66. und wohl spektakulärsten Formel-1-Sieg zittern musste. Hamiltons Worte sind keine Tiefstapelei, denn tatsächlich war der Ferrari auf der abwechslungsreichen Strecke in Hockenheim dem Silberpfeil in dessen jahrelanger Domäne klar überlegen: Wolff sprach von einem Defizit gegenüber Ferrari von einer halben Sekunde auf den Geraden - ein Eingeständnis, dass der Mercedes-Motor nicht mehr das stärkste Aggregat ist. "Es ist ein ernsthafter Weckruf für uns", fügte der Österreicher an - nicht zum ersten Mal in der Saison 2018. Nur ließen zuvor unerwartete taktische Fehler am Kommandostand oder technische Probleme die Alarmglocken schrillen.

Nun aber ist offenkundig, dass Mercedes im Entwicklungsrennen - wie auch immer - ins Hintertreffen geraten ist. Dass Mercedes sich nicht mehr in der Komfortzone der Hamilton-Rosberg-Jahre befindet, machte die Stallorder deutlich, die der Kommandostand in den letzten Runden in Hockenheim aussprach. Bottas, dessen Vertrag wie der von Hamilton am Rande des Deutschland-Rennens verlängert worden war, durfte bei Nässe seinen in Führung liegenden Teamkollegen nicht attackieren. "Wir wollten auf keinen Fall, dass die zwei sich rausschießen. Es war nicht cool, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen", rechtfertigte sich Wolff. Die Frage, ob er bei anderer Reihenfolge genauso gehandelt hätte, bejahte er. Vielleicht muss er schon in Budapest den Beweis dieser Worte antreten. Immer deutlicher wird jedenfalls, dass Hamilton im Kampf um seinen fünften Titel gegen Vettel keine Punkte zu verschenken hat.

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Quelle: n-tv.de, Marco Heibel, sid

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