Formel1

Deutschland-Rennen ohne Zukunft Mexikos Deal sorgt für Hockenheims F1-Aus

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Bei den Rennen auf der Strecke bei Mexiko-Stadt herrscht Partystimmung. Der 2015 nach mehr als 20 Jahren Pause erstmals wieder ausgerichtete Grand Prix ist ein Aushängeschild der Formel 1.

(Foto: www.imago-images.de)

Wie der Grand Prix von Deutschland steht auch das Rennen in Mexiko auf der Kippe. Zu hoch sind die Kosten, die die Formel 1 verursacht, und staatliche Mittel gibt es nicht mehr. Trotzdem verlängern die Veranstalter den Vertrag - mit Konsequenzen für Hockenheim.

Der Blick über den Atlantik dürfte für Sehnsucht sorgen bei den Machern am Hockenheimring. Auch in Mexiko stand nämlich ein Formel-1-Rennen auf der Kippe, auch in Mexiko konnte man sich den teuren Grand Prix eigentlich nicht mehr leisten - doch dort wurde das Problem nun gemeinschaftlich gelöst. Bis 2022 hat Mexiko-Stadt seinen Vertrag mit der Königsklasse verlängert, obwohl die Finanzierung ab sofort ohne staatliche Mittel gelingen muss. Damit hat ein weiterer Konkurrent seine Zukunft geklärt.

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In der Saison 2018 feierte Lewis Hamilton in Mexiko vor vollen Tribünen seinen fünften WM-Titel.

(Foto: imago/HochZwei)

Bereits zuvor hatten die Betreiber der deutschen Strecke "die Chancen für ein Rennen am Hockenheimring im kommenden Jahr als eher gering bewertet. Diese Einschätzung hat sich natürlich nun weiter gefestigt", sagte der neue Geschäftsführer Jorn Teske. Der Standort Deutschland darf nicht mehr auf ein Rennen im kommenden Jahr hoffen - und bekommt gleichzeitig vor Augen geführt, wie es doch hätte klappen können.

Mexiko zahlt mehr als Hockenheim

Das Rennen in Mexiko "wurde erstmals mit einem Finanzierungsmodell gesichert, das ohne öffentliche Gelder auskommt", sagte Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum Pardo. Bislang zahlte die Bundesregierung dort einen erheblichen Teil der hohen Antrittsgage, die bei rund 30 Millionen Euro liegen soll und damit deutlich höher ist als das, was Hockenheim zuletzt allein zahlen musste.

Der neue Staatspräsident Andres Manuel Lopez Obrador sah das Geld aber an anderer Stelle sinnvoller investiert,  weshalb eines der beliebtesten Rennen daher aus dem Kalender zu fallen drohte. Die Lösung: Mexiko-Stadt wird als Vermittler auftreten, das Geld soll über einen Treuhandfonds aber von privaten Investoren und aus der Wirtschaft kommen.

Der Platz im Formel-1-Kalender ist knapp

Gemeinschaftlich wird das Rennen also gerettet, weil es jährlich Millionen ins Land spült und auch, weil es ein Jobmotor ist. Ähnlichen Einsatz hatte sich Georg Seiler über Jahre vergeblich gewünscht. Der langjährige Geschäftsführer des Hockenheimrings wird künftig durch das Duo Teske und Jochen Nerpel ersetzt. "Kein Mensch in der Region", sagte er zuletzt, "ist bereit, etwas für die Formel 1 zu tun. Weder die Öffentliche Hand, noch Unterstützer aus der Wirtschaft. Wir bekommen seit langer Zeit nichts mehr."

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Zum vielleicht letzten Mal fuhr die Formel 1 in diesem Jahr in Hockenheim. Die Zukunft des Großen Preises von Deutschland ist ungewiss, auch wenn für Sieger Max Verstappen zahlreiche Fans aus den Niederlanden anreisten.

(Foto: imago images / HochZwei)

Einzig in diesem Jahr machte Mercedes als Titelsponsor vor, wie es klappt. Ansonsten war das deutsche Rennen zu oft ein Verlustgeschäft, die Strecke als kleines mittelständisches Unternehmen konnte dieses Risiko nicht mehr tragen - und wird nun rausgedrängt, weil mit Zandvoort und Hanoi 2020 gleich zwei neue Standorte hinzukommen.

Deutschland kann nicht mithalten

Man könnte nun meinen: Mexiko ist ein Aushängeschild der Formel 1, dass dort eine Lösung gefunden wird, verwundert nicht. Rund 350.000 Zuschauer kommen jeweils zu den Rennwochenenden. Die Fiesta-Atmosphäre an der Strecke, die durch ein altes Baseball-Stadion führt, sucht ihresgleichen, viermal in Folge wurde das Rennen als Formel-1-Event des Jahres ausgezeichnet. Doch eine andere Entwicklung zeigt, wie offen die Königsklasse für den Erhalt der alten Rennen ist.

Der Grand Prix in Spanien galt neben Hockenheim bereits als chancenlos, ist wahrlich kein Zuschauermagnet. Doch nun wird der Kalender wohl um ein Rennen aufgestockt, auf die Rekordzahl von 22. Nur weil Barcelona doch einen Weg gefunden hat, die Rechnung zu bezahlen. Für diese Ausweitung des Kalenders müssen alle Teams zustimmen, was sie wohl tun, wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zuletzt sagte. "Wir müssen Liberty ihren Job machen lassen", sagte er, "und ihr Job ist es, die Formel 1 wachsen zu lassen." Deutschland hält da momentan nicht Schritt.

Quelle: n-tv.de, tsi/sid

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