Formel1

"Crashgate"-Jubiläum in Singapur Renault schummelt sich per Unfall zum Sieg

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Nelson Piquet jr. knallte absichtlich in die Mauer, um seinem Teamkollegen den Sieg zu ermöglichen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Beim ersten Großen Preis von Singapur vor zehn Jahren sorgt Renault für einen Skandal. Dank "Crashgate" verhilft Nelson Piquet jr. seinem Teamkollegen Fernando Alonso zum Sieg. Für den Brasilianer ist das Manöver der Karriere-Killer.

Urplötzlich konnte Nelson Piquet jr. sein Auto nicht mehr halten, einen Moment später schlug der Renault-Fahrer in der Betonmauer ein. Pech für Piquet, Glück für Teamkollege Fernando Alonso. Dank der anschließenden Safety-Car-Phase holte der Spanier vor neun Jahren in Singapur den ersten Renault-Sieg nach knapp zwei Jahren. Glück? Etwa zwölf Monate später ließ Piquet die Bombe platzen: Alles fingiert, "Crashgate" war geboren - und die Formel 1 um einen Skandal reicher.

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Der Übeltäter: Nelson Piquet.

(Foto: imago/PanoramiC)

Es ging schon kurios zu beim ersten Grand Prix in der asiatischen Glitzermetropole. Nach schwachem Qualifying und Startplatz 15 kam Alonso im Rennen früh an die Box. Nur zwei Runden später unterlief Piquet der "Fahrfehler". Ausgerechnet in einer Kurve dieses verwinkelten Stadtkurses, in der es keine Auslaufzone, keine Kräne gibt. Also musste das Safety Car raus. Die meisten Fahrer kamen zum Boxenstopp, Alonso wurde nach vorne gespült und gewann die Singapur-Premiere. "Ich brauche ein paar Tage, um das zu realisieren", sagte Alonso nach dem Rennen: "Wir sind weit hinten gestartet, dann hat mir das Safety Car geholfen." Renault-Teamchef Flavio Briatore ergänzte: "Obwohl wir durch das Safety Car etwas Glück hatten, haben wir den Sieg verdient".

Ein Jahr lang blieb die Geschichte vom "Safety-Car-Glück" in der Welt, teilweise geriet sie in Vergessenheit. Doch dann flog Piquet im Sommer 2009 wegen Erfolglosigkeit bei Renault raus, und beim Weltverband FIA sowie brasilianischen Medien flatterten Briefe des Fahrers ein. "Der Vorschlag, absichtlich einen Unfall herbeizuführen, wurde mir kurz vor Beginn des Rennens unterbreitet, als ich von Herrn Briatore und Herrn Symonds in Herrn Briatores Büro bestellt wurde", schrieb der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet und beschuldigte neben seinem ehemaligen Teamchef auch den Renault-Chefingenieur.

Üben für den Fake-Unfall

Trotz intensiver Untersuchungen durch die FIA wurde letztlich nicht klar, wer was angeordnet, wer was gewusst hatte. Obwohl im Nachhinein offensichtlich wird, dass Piquets Dreher in der Einführungsrunde eine Übung für den späteren Fake-Unfall war. Auch Alonsos früher Stopp war taktisch vorbestimmt. Die FIA sperrte Briatore lebenslang von allen Formel-1-Aktivitäten, Pat Symonds immerhin für fünf Jahre. Später erwirkte das Duo, das Michael Schumacher Mitte der Neunziger bei Benetton zu dessen ersten beiden WM-Titeln geführt hatte, die Aufhebung der Strafen, wenn sie sich bis 2013 nicht mehr operativ in der Königsklasse engagierten.

Dennoch herrschte Frust in der Szene. Renault-Hauptsponsor ING zog sich mit sofortiger Wirkung zurück, weil er nicht mit einem betrügenden Team assoziiert werden wollte. Der spätere Weltmeister Nico Rosberg, damals Zweiter hinter Alonso, sagte: "Es wird immer Leute geben, die Mist machen. Das wird man nicht ändern können." Lewis Hamilton, der 2008 seinen ersten von bislang drei WM-Titeln gewann, ergänzte: "Ich will echtes Racing sehen, Rad an Rad. Und nicht irgendwelche anderen Dinge."

Der wahre Verlierer war allerdings Nelson Piquet jr. Weil er vor dem FIA-Weltrat als Hauptzeuge auftrat, kam er zwar straffrei davon, konnte in der Folge aber nicht wieder in der Formel 1 Fuß fassen. Über diverse US-Serien wechselte der heute 32-Jährige in die Formel E, in der er 2015 immerhin Gesamtsieger wurde. Seitdem fährt Piquet allerdings auch bei den elektrischen Autos hinterher. In der Formel 1 ist er längst kein Thema mehr.

Quelle: ntv.de, Christoph Köster, sid