Formel1

"Kämpfe, Du weißt wie." Sportwelt bangt um Alex Zanardi

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Nach seiner Motorsportkarriere war Zanardi mit dem Handbike unterwegs.

(Foto: AP)

2001 verliert Alex Zanardi bei einem schrecklichen Unfall beide Beine. Er kämpft sich erst zurück ins Leben und dann in den Rennsport. Nun ein weiterer Horrorcrash, diesmal mit dem Handbike. Ehemalige und aktuelle Piloten sind in Gedanken bei ihm. Bei einem, der sich bisher nie hat unterkriegen lassen.

Die Motorsport-Welt betet für Alex Zanardi. Der schwere Unfall des ehemaligen Formel-1-Piloten mit einem sogenannten Handbike hat aktuelle und einstige Fahrer erschüttert. "Ich habe so eine Angst um Alex Zanardi, dass ich den Atem anhalte. Ich bin sein Fan. Ich bin sein Freund", schrieb der amerikanische Formel-1-Weltmeister von 1978, Mario Andretti, bei Twitter: "Bitte macht das, was ich tue: Betet, betet für diesen wunderbaren Mann."

Der aktuelle Formel-1-Pilot Charles Leclerc von Ferrari twitterte: "Kämpfe, Du weißt, wie. Du bist großartig." Zanardi war am Freitagnachmittag mit seinem Handbike bei einem Rennen für paralympische Athleten in der Toskana schwer verunglückt. Medien berichten, dass er bei Pienza auf einer abschüssigen Straße auf die Gegenseite geraten sei und mit einem Lkw kollidiert sein soll. Er wurde umgehend mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Die Ärzte sprachen von einer "heiklen neurochirurgischen Operation", die unmittelbar eingeleitet wurde. Nach fast drei Stunden kehrte Zanardi auf die Intensivstation zurück. Sein Zustand sei weiterhin äußerst ernst, heißt es von der Klinik, die Prognose "zurückhaltend".

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Zanardi ein schweres Kopftrauma erlitten haben soll. Mario Valentini, Trainer der italienischen Handbike-Mannschaft, der nach kurzer Zeit am Unfallort gewesen war, berichtete, dass Zanardi noch bei Bewusstsein gewesen sei und gesprochen habe. Bei dem Crash habe er seinen Helm verloren.

"Schockiert und betend, dass er okay ist", schrieb der britsche Ex-Weltmeister Damon Hill bei Twitter. "Für ihn, seine Familie und Freunde und Millionen Fans und Anhänger, wir beten für dich, Alex." Die gesamte Motorsportgemeinde sei bei ihm, schrieb der spanische Formel-1-Pilot Carlos Sainz: "Gib mehr als jemals zuvor." In Gedanken seien alle mit ihm, twitterte die Formel 1, in der Zanardi von 1991 bis 1994 und dann noch mal 1999 an insgesamt 44 Grand Prix teilnahm.

Ein inspirierender Geist

Ausgerechnet er, ausgerechnet Zanardi, den das Schicksal schon einmal schwerst getroffen und auch gezeichnet hatte. Ausgerechnet diese Frohnatur. Ein Mensch, der andere mit seinem Lachen, mit seiner Lebensfreude, mit seinem Kampfgeist anstecken kann. Einer, der vor knapp 20 Jahren nach einem verheerenden Unfall auf dem Lausitzring schon mal mit dem Tod rang. Er bezwang ihn damals, nachdem er in der Champcar-Serie verunglückt war.

Ein grauenvoller Unfall. Zanardi verlor bei dem Horrorcrash am 15. September 2001 beide Beine. Dass er den Unfall überlebte, bei dem er sich mit seinem Wagen gedreht hatte und ein Konkurrent mit dessen Wagen in ihn gekracht war, grenzte an ein Wunder. Im Helikopter auf dem Weg zum Notfallkrankenhaus in Berlin hatte Zanardi siebenmal wiederbelebt werden müssen. Er hatte viel, viel Blut verloren. Aber Zanardi überlebte und kehrte nach einer langen Reha sogar zurück in den Rennsport. Bewundert von Kollegen, von Fans, von Menschen in aller Welt.

Der Lebenseifer des am 23. Oktober 1966 in Bologna geborene Zanardi schien einfach unzerstörbar. Oder wie es sein langjähriger Arbeitgeber BMW einmal schrieb: "Alessandro Zanardi ist ein Phänomen - und der lebende Beweis dafür, dass es keine Grenzen gibt, wenn man sich einer Herausforderung mit Leidenschaft und Begeisterung widmet." Nur zwei Jahre nach dem Crash saß Zanardi wieder im Cockpit eines Rennwagens - umgebaut für seine Bedürfnisse. Im Deutschen Tourenwagen-Masters feierte er danach vier Siege. Doch das reichte ihm nicht, Zanardi schlug eine zweite Karriere ein, er gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 jeweils zweimal die Goldmedaille mit dem Handbike.

Selbst vor dem Ironman machte Zanardi nicht halt und überwand alle Schwierigkeiten und Herausforderungen. Nun aber kämpft er gegen den schwersten Gegner, schon wieder. Und nicht nur die Motorsport-Welt betet, dass dieser Mensch auch diesen Kampf wieder gewinnt.

Quelle: ntv.de, Jens Marx, Jan Mies und Miriam Schmidt, dpa