Formel1

"Willst du uns beide umbringen?" Unfall bei über 300 km/h lässt Bottas und Russell wüten

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Einmal gründlich aufräumen, bitte.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Bei über 300 Kilometern pro Stunde verunfallen Valtteri Bottas und George Russell beim Formel-1-Rennen in Imola. Der Mercedes- und der Williams-Pilot weisen sich gegenseitig die Schuld zu. RTL-Experte Nico Hülkenberg hat eine Tendenz, wessen Fehler zu dem heftigen Abflug geführt hat.

Die Tamburello sah aus wie ein Trümmerfeld, das ungute Erinnerungen weckte. In dieser Kurve des Formel-1-Kurses im italienischen Imola war Ayrton Senna tödlich verunglückt, am 1. Mai 1994. Knapp 24 Stunden zuvor war damals außerdem Roland Ratzenberger auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari ums Leben gekommen. Ein tragisches Wochenende, das bis heute nachwirkt. Und so atmeten Teamchefs und Fahrer zunächst einmal auf, als George Russell und Valtteri Bottas in der 33. Runde des Großen Preises der Emilia-Romagna aus eigener Kraft aus den Wracks stiegen, deren Teile weit über die Strecke und das Kiesbett verteilt lagen.

Bei über 300 Kilometern pro Stunde hatten sich der Williams und der Mercedes am Ende der Start-Ziel-Geraden folgenschwer berührt. Russell wollte auf abtrocknender, aber stellenweise noch immer feuchter Strecke rechts an Bottas vorbeiziehen. Der wiederum zuckte leicht nach rechts, Russell reagierte und kam mit den Reifen aufs nasse Gras. Infolgedessen verlor er die Kontrolle über sein Auto, crashte in Bottas' Seite. Beide waren ab diesem Moment nur noch Passagiere, denen wohl nur dank der hohen Sicherheitsstandards nichts Schlimmeres passierte - und die sich deshalb schon kurz danach öffentlich darüber streiten konnten, wer denn nun die Schuld an diesem heftigen Unfall tragen sollte.

Russell mühte sich zuerst aus dem Cockpit, ging hinüber zum Mercedes und machte Bottas seine Sicht der Dinge so deutlich, dass er dem Finnen zum Abschluss einen Schlag auf den Helm gab. Bottas erwiderte das mit einem freundlichen Gruß, sofern der ausgestreckte Stinkefinger als freundlich und als Gruß eingestuft werden kann. "Ich weiß nicht, was er wollte, denn es war eindeutig sein Fehler", erklärte Bottas wenig später beim niederländischen Sportsender "Ziggo Sport".

"Das hätte deutlich schlimmer ausgehen können"

Russell sah das eindeutig anders, nach eigener Aussage fragte er den Mercedes-Piloten unmittelbar nach dem Unfall: "Willst du uns beide umbringen?" Bottas wiederum entgegnete, auf diese Aussage angesprochen: "Das sollte er sich besser selbst fragen. Er war der, der uns umbringen wollte." Zugleich stellte er fest: "Das hätte bei der Geschwindigkeit auch deutlich schlimmer ausgehen können". So blieben zwei zerstörte Boliden und zwei Piloten, die die Schuld jeweils beim Gegenüber sahen.

RTL-Experte Nico Hülkenberg sah die Verantwortung für den heftigen Unfall im Kampf um Platz neun vorrangig bei Bottas. "Russell geht rechts daneben, weil Valtteri links zumacht. Valtteri kommt dann aber rüber, drängt Russell aufs Feuchte, aufs Nasse", so der 179-fache Grand-Prix-Starter. "Mit Slicks [Trockenreifen, Anm. d. Red.] hast du auf dem Feuchten keine Chance." Russell twitterte anschließend noch, es sei zwar "in Ordnung, die Position zu verteidigen, aber du musst bei 330 km/h die Geschwindigkeit und die Wetterbedingungen respektieren."

Brisant ist der Unfall auch deshalb, weil Bottas in dem Auto sitzt, dessen Cockpit Russell 2022 gerne übernehmen würde. Der Williams-Pilot gilt als einer der talentiertesten Fahrer der Formel 1, mit dem richtigen Material gar als kommender Weltmeister. Sein Manager wiederum ist Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes und somit Bottas. Er äußerte sich daher diplomatisch, indem er beiden Fahrern eine Teilschuld zusprach. Bottas, weil er nach schwachem Qualifying auch im Rennen weit hinter der Spitze unterwegs war - "erstens hätte Valtteri da nicht durch die Gegend fahren sollen" - und Russell, weil "der George nicht dieses Risiko hätte gehen müssen", um den neunten Platz zu erobern.

Wolff lieferte zudem wohl die beste Zusammenfassung des Geschehens, indem er erklärte: "Der Crash war leider unnötig." Und ging glücklicherweise so glimpflich aus, dass beide Fahrer hinterher die Kraft hatten, beim jeweils Anderen die Verantwortung für den Unfall zu suchen, der für eine rund 30-minütige Rennunterbrechung sorgte, bevor Max Verstappen im Red Bull überlegen vor Lewis Hamilton (Mercedes) und Lando Norris (McLaren) zum Sieg fuhr.

Quelle: ntv.de

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